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Grenzfall

Steuerausgleich mit einer Ladung Wein

Warum eine Lieferung Rebensaft ans Finanzamt keine Bestechung war

Warum Bauern eines kleinen Bergdorfs gleich mehrfach steuerpflichtig waren, welche Form von „road pricing“ im Mittelalter in Mode war, und warum man sich mit Weinlieferungen an das kirchliche Finanzamt nicht der Bestechung verdächtig machte, enthüllt dieser Salzburger Grenzfall mit bayerischer Schlagseite.

Wo der Südrand von Bayern an Tirol grenzt, liegt das 2.000-Seelendorf Schleching, ein kleiner Luftkurort. Das war nicht immer so. Über Jahrhunderte hat sich ein Relikt aus der Zeit gehalten, in der Salzburg mehr politischen Einfluss hatte. Als unfreie Bauern waren die meisten Schlechinger bis Anfang des 19. Jahrhunderts Grunduntertanen des bayerischen Herzogs und mehrerer Salzburger Grundherren. So hatten etwa das Domkapitel und St. Peter hier Besitz. Nicht nur, denn auch den Klöstern Baumburg und Frauenchiemsee gehörten hier Land und Leute.

Käse für die Oberen

An die Herren waren Abgaben zu leisten. Für den bayerischen Herzog trieb sein Marquartsteiner Pfleger zwei Drittel des Zehents ein, ein Drittel stand dem Pfarrer von Grassau zu. Doch auch die Salzburger wollten bezahlt sein. So hatten die großen Bauernhöfe jährlich 300 Käselaibe abzuliefern. Auch Luxusgüter waren gefragte Steuerwährung. Einige Schlechinger Bauern waren im Nebengewerbe Transportunternehmer und beförderten mit Pferden Wein aus Südtirol sowie Salz entlang der Tiroler Achen.

Flüssige Weinsteuer für die Kirche

Ein Saum Wein, also die Menge, die auf ein Pferd passte, war pro Hof jährlich nach Salzburg abzuliefern. Das lässt sich auf Grundbüchern aus dem Jahr 1385 nachlesen, auch die verpflichteten Hofnamen wie Graf, Haider, Piltzl, Huefl, die heute noch erhalten sind. Steuern mit Wein zu bezahlen war in Nordtirol, in Bayern, im Salzburgischen Zillertal und im Pinzgau häufige Praxis, Bezeichnungen wie „Weinlehen“ erinnern heute noch daran.

Steter Tropfen für die Tafel

Im ausgehenden Mittelalter sattelten die Schlechinger „Weinzinser“ um und beglichen ihre Steuerschuld in bar. Rebensaft-Ersatz für die fürsterzbischöfliche Tafel kam dafür aus Salzburgs niederösterreichischen und südsteirischen Besitzungen und eigenen Weinhöfen in Südtirol. Abgerundet wurde das Weinsortiment durch Ankäufe aus dem Friaul.

Überbleibsel Alt-Salzburger Verbundenheit

Schleching blieb bis 1817 kirchlich Teil des Bistums Chiemsee, das dem Salzburger Erzbistum unterstellt war. Sichtbare Salzburg-Bezüge lassen sich heute nur noch schwer ausmachen. Wandmalereien in der Streichenkirche, einem ehemaligen Wallfahrtsort hoch über dem Achental werden dem in Salzburg aktiven Conrad Laib, zwei Glasfenster einem Meister von Tamsweg zugeschrieben.

(Quelle: SALZBURG24)

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