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Salzburger Grenzfall

Willkommen im Schneereich

Wann und wo das weiße Gold Rekordwerte erreichte

Wann das weiße Gold im Land überhandnahm, wie oft die Lawinenwarner einen Fünfer vergeben, warum der Filzschnee nicht wärmt und wo der Klimawandel an den Eisschränken der Alpen nagt, versucht dieser Salzburger Grenzfall aufzuklären.

Die erste Jännerhälfte 2019 hat schneemäßig einige Rekorde zu bieten. "Die Neuschneesummen innerhalb von 15 Tagen liegen bei vielen Messstationen zwischen 250 bis über 300 Zentimeter. Das kommt statistisch gesehen nur alle 100 Jahre vor", beschreibt Meteorologe Bernhard Niedermoser das extrem außergewöhnliche Ereignis. Den Höchststand im Tal seit Beginn der Aufzeichnungen erreichten zwischen 1. und 15. Jänner Abtenau mit 240 Zentimetern (seit 1964) und Lofer mit 263 Zentimetern (seit 1971) Neuschnee.

"Land unter" Schnee

Der viele Schnee blieb nicht ohne Folgen. Einmalig in der Landesgeschichte waren in diesem Zeitraum 26 Gemeinden nicht auf dem Straßenweg erreichbar, zum Höhepunkt waren 17 Orte gleichzeitig "eingeschneit", mit 53.800 Personen ein Zehntel der Landesbevölkerung ohne Verkehrsanschluss. 29 hochrangige Straßen mussten wegen Lawinengefahr gesperrt werden, 2.800 Haushalte waren zeitweise ohne Strom.

Zwölf Meter Schnee waren das Höchste

Dabei werden die meisten Rekordmengen gar nicht aufgezeichnet, da nicht an allen Stationen und schon gar nicht überall im Gelände gemessen wird. Der Wind kann durch Schneeverfrachtungen außerdem für bizarre Schneeberge sorgen. Sozusagen amtlich ist die höchste Neuschneemenge innerhalb von 24 Stunden in Salzburg: 110 Zentimeter fielen am 12. Jänner 1954 auf der Schmittenhöhe. In der ersten Jännerhälfte 2019 wurden hier knapp 300 Liter Niederschlag in flockigem Weiß registriert. Am 11. Dezember 2010 waren es im Tal von Saalbach immerhin noch weiße 100 Zentimeter. In der Neuschnee-Tagesdisziplin hält das Osttiroler Sillian mit 170 Zentimetern am 1. Februar 1986 den Österreich-Rekord. Die jemals höchste gemessene Schneehöhe Österreichs waren 11,90 Meter auf dem Sonnblick am 9. Mai 1944. Im Durchschnitt kommen hier 21 Meter Neuschnee pro Jahr zusammen. In der ersten Jännerhälfte 2019 allein waren es hier 3,37 Meter neues Weiß, die sich auf die sechs Meter seit "Winterbeginn" im September des Vorjahres legten.

Den Fünfer gibt’s nur alle zehn Jahre

Daten und Zahlen sind für Niedermoser Mittel zum Zweck, um einer seiner wichtigsten Aufgaben nachzukommen: der verlässlichen Prognose von Lawinenwarnungen. "Die höchste Warnstufe 5 gibt es extrem selten. Bei uns im Schnitt alle zehn Jahre, zuletzt jeweils im Februar 2009 und 1999. Aber seit 1960 noch nie so früh im Jahr", so der Leiter der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) für Salzburg und Oberösterreich.

Vom faulen und vom technischen Schnee

Schnee ist nicht gleich Schnee. Die Praxis bei der ZAMG und bei Lawinenwarndiensten kennt acht unterschiedliche Schneearten vom kälteliebenden Pulverschnee bis zum brettlharten Firn. Weniger bekannt dürften der etwas verdichtete und leicht feuchte Filzschnee und der Faulschnee sein. Dieser großkörnige Nassschnee fordert anders als sein Name vermuten lässt die Sportler, denn in ihm versacken die Skier. Und Kunstschnee gibt es bestenfalls als Dekorationsmaterial. Das, was die Schneekanonen unter vier Grad minus auf die Pisten versprühen, heißt genau genommen "technischer Schnee".

Schwindende Eisriesen

Die Schneesaison in Salzburg kann sich in den Bergen von Oktober bis Anfang Juni erstrecken. Im Flachland gab es schon vereinzelt Jahre ganz ohne Schnee. Am längsten weiß ist es unzweifelhaft auf Salzburgs Gletschern, nämlich das ganze Jahr über. Sie schmelzen allerdings seit Mitte des 19. Jahrhunderts unaufhaltsam dahin. Damals bedeckten sie in den Alpen noch 4.500 Quadratkilometer, 2010 bereits weit weniger als die Hälfte, nämlich 1.800. Verantwortlich dafür ist der Klimawandel, in den heimischen Bergen ist die Erwärmung sogar dreimal höher als der weltweite Durchschnitt. Gegenüber dem Winter 2015/2016 büßte der Gepatsch Ferner in den Ötztaler Alpen in der folgenden Saison 125 Meter an Länge ein, Salzburger Spitzenreiter war das Ödenwinkelkees im Stubachtal mit 22,3 Metern, die sich in Schmelzwasser auflösten.

Hier findet ihr weitere Salzburger Grenzfälle.

(Quelle: SALZBURG24)

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