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Adelsmayr: Erleichtert in Salzburg gelandet

Der oberösterreichische Arzt Eugen Adelsmayr ist wieder aus Dubai zurückgekehrt. Er ist am Salzburger Flughafen gelandet und wird sich nun zu seiner kranken Frau nach Bad Ischl aufmachen.

Sichtlich erleichtert darüber, heimischen Boden zu betreten, ist der wegen Mordes angeklagte oberösterreichische Intensivmediziner Eugen Adelsmayr (52) am Dienstag gegen 8.00 Uhr in Salzburg aus dem Flugzeug gestiegen. "Aus meiner Sicht ist der Prozess am Sonntag in Dubai ganz zufriedenstellend verlaufen", sagte er zur APA. Während der zehn Tage zu Hause in Bad Ischl (OÖ) will er sich intensiv auf den nächsten Prozesstag am 30. Oktober vorbereiten, weil dann Zeugen der Verteidigung gehört werden.

Zeugenaussagen "schwach bis dümmlich"

Die Aussage des Hauptbelastungszeugen, eines syrischen Arztes, bezeichnete der Oberösterreicher "vom fachlichen her schwach bis dümmlich". "Teilweise war es eine Verhöhnung des Gerichtes, aus meiner Sicht peinlich." Beweise habe der Zeuge keine vorgelegt, sondern nur aus der Krankenakte des verstorbenen Patienten zitiert. "Er will suggerieren, dass ich Sterbehilfe geübt habe. Er versuchte den Richter zu manipulieren und stellte Österreich und die EU so hin, als würden wir Sterbehilfe praktizieren, und dass Morphium nur dann gegeben wird, wenn man will, dass der Patient sanft stirbt. Morphium wurde als Todesdroge dargestellt." Die zweite Zeugin der Anklage, eine Krankenschwester, sei ebenfalls schwach gewesen, sie habe auf Fragen mit "ich weiß es nicht" oder "ich war nicht anwesend" geantwortet, schilderte Adelsmayr. "Alle fünf Zeugen der Anklage sind nun zu Wort gekommen. Alle Prozessbeobachter sagen, was die Anklage da vorgebracht hat, ist relativ dünn. Es ist nichts übriggeblieben." Für ihn habe sich erneut gezeigt, dass er aus Neid angezeigt worden sei, sagte der 52-Jährige. Dass auch ein indischer Arzt angeklagt wurde, "war ein unbeabsichtigter Kollateralschaden", der trete quasi nur als Statist auf, meinte Adelsmayr. Er hofft nach wie vor auf einen Freispruch. "Ich bin aber nicht ganz sicher, ob der Optimismus ganz angebracht ist." Dass ihn sein Versprechen, wieder nach Dubai zurückzukehren, vor dem Richter in eine besseres Licht rückt und seine Unschuld gar untermauert, glaubt der Angeklagte nicht. Der Beisitzer habe nun den Vorsitz übernommen, weil der Vorgänger in Pension gegangen ist. "Er hat gute Fragen gestellt und war gut vorbereitet. Es war aber verwunderlich, dass er die Fragen der Verteidigung nicht zugelassen hat. Die hat immer der Richter beantwortet. Er hat die Fragen nicht an die Zeugen weitergegeben." Seine Anwälte bezeichneten es als "schockierend und unverständlich", dass ihnen nur ein Viertel der Krankengeschichte des Verstorbenen zur Verfügung steht. Dabei handle es sich um die Computerausdrucke der letzten zehn von insgesamt 35 Tagen des stationären Aufenthalts. "Wie kann man darauf eine Mordanklage bauen?", schüttelte der Intensivmediziner den Kopf. "Ich habe den Patienten in den letzten 20 Tagen dreimal gesehen, das letzte Mal 36 Stunden, bevor er gestorben ist."

Dolmetscherin durfte übersetzen

Der Prozess wird in arabischer Sprache geführt. Adelsmayr konnte durchsetzen, dass ihm eine Dolmetscherin simultan übersetzt. "Das ist eine Premiere in Dubai", lächelte er. Vertreten wird er von einer Rechtsanwältin, sie wird von ihrem Vater unterstützt. Die beiden Juristen betreiben dort eine Kanzlei. Ist es in der arabischen Welt ein Nachteil, von einer Frau verteidigt zu werden? "Das glaube ich nicht. Die Frauen dort unten müssen wesentlich effizienter sein als Männer, sie sind viel besser ausgebildet und zuverlässiger. Sie macht einen guten Job." Bis zu seiner Abreise am 28. Oktober wird er mit der Kanzlei häufig in Mail- und Telefonkontakt treten. "Wir müssen Zeugen aussuchen. Wir hätten zehn bis zwölf, der Richter wird aber nicht mehr zulassen als für die Anklage." Er akzeptiere das dortige Rechtssystem, auch wenn die Chancen nicht gleich verteilt seien. "Die Staatsanwaltschaft hat eineinhalb Jahre gegen mich ermittelt. Wir können aber nicht mit den Zeugen sprechen, das geht nur durch den Richter."   Neben den Prozessvorbereitungen wird sich der Oberösterreicher Adelsmayr in Bad Ischl um seine schwer kranke Frau, den Haushalt und den Hund kümmern, wie er erzählte. Finanziell kommt er vorerst über die Runden, noch reichen die privaten Ersparnisse aus. Doch wenn es bis zum Urteil tatsächlich noch ein halbes Jahr dauert, dann müsse er sich wohl eine Einkommensquelle suchen. "Vielleicht als Gärtner oder Chauffeur." Als Arzt in Österreich werde sich das zeitlich nicht ausgehen.

Adelsmayr droht die Todesstrafe

Im Falle eines Schuldspruches droht Adelsmayr die Todesstrafe oder mindestens sieben Jahre Haft. Doch soweit will er noch nicht denken. Nach umfangreichen diplomatischen Bemühungen wurde ihm eine humanitäre Ausreiseerlaubnis erteilt - Grund dafür ist die schwere Krankheit seiner Frau. Auch in Zukunft darf er die Zeit zwischen den Verhandlungen in Österreich verbringen. "Ich möchte nicht für den Rest meiner Tage auf den Interpol-Fahndungslisten stehen." Deshalb habe er sich zur Rückkehr nach Dubai verpflichtet.

Adelsmayr hat Kündigung eingereicht

Die Anklage beschuldigt den 52-Jährigen, einen querschnittsgelähmten Patienten im Februar 2009 durch Unterlassung von Hilfeleistung und eine hohe Dosis Opiate getötet zu haben. Adelsmayr soll eine Order ausgegeben haben, dass der Kranke im Falle eines Herzstillstands nicht wiederbelebt werden soll. Als der gelähmte Patient starb, war der Bad Ischler eigenen Angaben zufolge bereits seit 36 Stunden nicht mehr im Krankenhaus. Bereits vor dem Vorfall im Rashid Hospital hatte Adelsmayr seine Kündigung eingereicht, er war dort mehr als drei Jahre als Leiter der Intensivstation tätig. (apa)
(Quelle: S24)

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