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Frau (26) offenbar zur Prostitution gezwungen: Prozess in Salzburg

Die Frau musste laut Anklage einiges über sich ergehen lassen. (Themenbild) APA/Archiv
Die Frau musste laut Anklage einiges über sich ergehen lassen. (Themenbild)

Zwei Männer haben sich am Donnerstag bei einem Prozess in Salzburg wegen grenzüberschreitenden Prostitutions- und Menschenhandels verantworten müssen. Ihnen wird vorgeworfen, sie hätten eine Nigerianerin unter falschem Vorwand nach Österreich schleusen lassen. Laut Anklage wurde die 26-Jährige zur Prostitution genötigt. Die Nigerianer im Alter von 38 und 36 Jahre beteuerten ihre Schuldlosigkeit.

Die Nigerianerin, die nach ihrem Schulabschluss ohne Arbeit da stand, soll auf die falschen Versprechungen der beiden in Salzburg lebenden, befreundeten Beschuldigten, die in der Gastronomie als Hilfskräfte arbeiten, hereingefallen sein. Laut Staatsanwältin Barbara Fischer fuhr die 26-Jährige im Sommer 2015 zunächst in einem überfüllten Bus von Nigeria nach Libyen und setzte von dort in einem Schlauchboot nach Italien über, wo sie am 22. August in Lampedusa strandete.

26-Jährige soll mit Vergewaltigung "gefügig" gemacht worden sein

Die Frau sei zunächst in verschiedenen Flüchtlingscamps untergebracht und schließlich von dem erstangeklagten 38-Jährigen angerufen worden, sie solle doch nach Verona zu seiner Schwester fahren. Dort sei sie von einem Neffen des Erstangeklagten vergewaltigt worden, "um sie der Prostitution gefügig zu machen", erklärte die Staatsanwältin vor dem Schöffensenat unter Vorsitz von Richterin Anna-Sophia Geisselhofer. Die Nigerianerin sei dann von den beiden Angeklagten abgeholt und am 9. September nach Salzburg gebracht worden.

"Juju"-Ritual: Zauber soll Nigerianerin einschüchtern

In Salzburg sei das Opfer von einer "Lady" in das "Juju"-Ritual eingeführt worden, sagte die Staatsanwältin. Mit diesem westafrikanischen Zauber sollte die Nigerianerin eingeschüchtert und gefügig gemacht werden. Sie habe im Beisein des Erstangeklagten schwören müssen, dass sie nichts davon der Polizei erzählt, sonst müsse sie das Geld für die Schleusung nach Österreich zurückzahlen oder gar sterben. Nach dem Ritual sei die Frau am 11. September vom Erstangeklagten in ein Flüchtlingslager nach St. Georgen im Attergau (OÖ) gebracht worden, mit der Aufforderung, dort der Prostitution nachzugehen, ansonsten würde ihrer Familie etwas passieren, erläuterte Fischer.

Frau flüchtete über Villach nach Wien

Aufgrund eines negativen Asylbescheids wurde die 26-Jährige Anfang April 2016 nach Italien zurückgeschickt. Ein Freund des Erstangeklagte habe sie wieder nach Verona gebracht. Laut Fischer gelang ihr die Flucht mithilfe von Freunden nach Villach. Dort sei sie am 16. April 2016 in Schubhaft genommen. Einen Monat später wurde sie von der Organisation LEFÖ in Schutz genommen, die Frau befand sich laut Fischer in einem "äußerst schlechten psychischen Zustand". Derzeit soll sich die Nigerianerin in Wien aufhalten, sie soll dort ein Studium begonnen haben.

Angeklagte wollen nichts mit Prostitution zu tun haben

Verteidiger Kurt Kozak forderte für die Angeklagten einen Freispruch. Diese hätten zu der Nigerianerin niemals gesagt, sie müsse der Prostitution nachgehen. Die in Nigeria arbeitslose Frau habe sich in Europa eine bessere Perspektive erhofft. Schon die beschwerliche Landreise bis zur libyschen Küste könne eine posttraumatische Belastungsstörung herbeiführen. Als sie 2016 von Behörden aufgegriffen wurde, habe sie sich als Opfer von Menschenhändlern ausgegeben, um trotz negativen Asylbescheids eine Möglichkeit zu bekommen, in Europa bleiben zu können. Ihre Aussagen seien widersprüchlich gewesen. Die Frau habe Gefallen am Erstangeklagten gefunden und sei kurzfristig eine Beziehung mit ihm eingegangen. Nachdem sie ihm Geld gestohlen habe, habe er dann nichts mehr von ihr gehört.

"Von September 2015 bis März 2016 hat es keinen einzigen telefonischen Kontakt zwischen ihr und dem Erstangeklagten gegeben. Eine Zuhälterei schaut anders aus. Was sie in dieser Zeit getan hat, darüber schweigt sie", sagte der Verteidiger. Die Geschichte, die sie vor der Asylbehörde über die islamistische Terrorgruppe Boko Haram erzählt habe, sei nicht glaubhaft gewesen, die Frau sei nach Italien abgeschoben worden.

Weitere Zeugen sollen einvernommen werden

In Italien soll die 26-Jährige den Erstangeklagten angerufen und ihn um Hilfe gebeten haben. Der soll einen Freund nach Verona geschickt haben, um sie wieder zu seiner Schwester zu bringen. Die Frau sei schließlich mit dem Zug wieder nach Österreich gereist, weil sie sich dort die größten Aussichten auf einen dauerhaften Aufenthalt gehabt habe, meinte der Verteidiger. Angaben der italienischen Behörden zufolge gebe es keine Hinweise, dass die bisher unbescholtenen Angeklagten einer Schlepperbande oder einer Zuhälterorganisation angehörten. Die Verhandlung wurde zur Einvernahme von Zeugen vertagt.

(APA)

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