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Bluttat in Kitzbühel

"Betroffener sieht nur mehr rot"

Psychologe erklärt gewalttätige Reaktion

Fünffacher Mord in Kitzbühel APA/ZOOM.TIROL
In KItzbühel sorgt ein fünffacher Mord für Erschütterung.

Auch wenn eine Einschätzung nach der Bluttat in Kitzbühel ohne das Vorliegen aller Fakten schwierig sei, gibt es doch Gemeinsamkeiten, die bei jenen Männern zu beobachten sind, die nach einem Beziehungsende den Weg der Gewalt beschreiten, sagte der Psychologe Cornel Binder-Krieglstein am Sonntag im APA-Gespräch. Zumeist sei dies eine Reaktion auf Ablehnung und subjektives Zurücksetzen.

"Wird Aggressionsbereitschaft mit Kontrollverlust gepaart, fallen bei einigen Menschen alle Grenzen und alle Mechanismen, die sonst einen Ausgleich schaffen, versagen. Der Betroffene wird von Gefühlen überschwemmt und sieht nur mehr Rot", erläuterte der Experte. Und dann werde der Beschluss gefasst, dieser Situation ein Ende zu setzen.#

Täter wolle ein Ende setzen

Bei einer erweiterten Tötung will der Täter auch das Umfeld der Kränkung auslöschen und ein Ende setzen. Ein folgender Suizid sei dann die komplette Auslöschung. Geschieht dies nicht, wollen manche die Vergeltung zur Gänze erleben, "mit allem, das dann folgt". "Sie wollen das Rampenlicht, die Aufmerksamkeit und die vermeintliche Anerkennung 'ernten'", sagte Binder-Krieglstein.

Bluttat als Folge von Wut

Gemeinsam ist solchen Menschen bei einem Beziehungsende der Mangel an Konfliktlösungsstrategien - übrig bleibt dann die Wurt und Rage, nichts anderes zählt mehr. Kränkung und Schwäche ist schwer auszuhalten und durch den eigenen Narzissmus wird den anderen die Schuld gegeben. Männer tun sich prinzipiell auch schwerer, Hilfe anzunehmen und zu reflektieren, welche anderen Auswege es aus einer Situation gibt.

Psychische Defizite und cholerische Reaktion

Entsprechende Bluttaten werden dann von jenen Männern begangen, die diese psychischen Defizite haben und leicht cholerisch reagieren, so der Psychologe. Kommen diese Faktoren zusammen, kann es sein, dass etwas derart Schreckliches verübt wird.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 20.10.2019 um 12:34 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/grenznah/kontrollverlust-bluttat-als-reaktion-auf-ablehnung-77282728

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