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Lawinensicherheit: Das müsst ihr beachten

Trotz leichter Entspannung ist die Lawinengefahr in Salzburg und Westösterreich weiter groß. Wer sich dennoch im alpinen Gelände bewegen möchte, sollte sich gut informieren, die richtige Ausrüstung dabeihaben und im Notfall wissen, was zu tun ist. Wir haben die wichtigsten Punkte zum Thema Lawinensicherheit für euch zusammengefasst.

Dichte Schneefälle haben im Westen Österreichs teils großes Chaos verursacht. Nicht nur die Situation auf den Straßen war angespannt: Die Lawinengefahr stieg bis auf die höchste Warnstufe 5 an, zahlreiche Orte waren wegen Straßensperren abgeschnitten. Mittlerweile hat die Lawinenwarnzentrale die Gefahrenstufe auf drei, also „erhebliche Gefahr“, gesenkt.

Wie groß die Gefahr von Lawinen aber weiterhin ist, hat ein Abgang im Pongau am Mittwoch gezeigt, bei dem eine Person verschüttet worden ist.

Sicherheitstipps im freien Gelände

Generell gilt: Ohne gute Vorbereitung sollte man sich nicht ins freie Gelände aufmachen. Dazu gehört das Informieren über die aktuelle Lawinensituation und den Wetterbericht zu checken. Dabei geht es nicht nur um die Gefahrenskala, sondern auch um bestimmte Gefahrenstellen und Gefahrenmuster, die Wintersportler kennen sollten. Diese Vorbereitungen sollte man immer treffen, egal ob Stufe eins oder fünf.

Die Bergrettung Salzburg empfiehlt, die Dreierbeziehung „Ziel-Begleitung-Wetter/Verhältnisse“ vor jedem Aufbruch genau zu definieren. Jede Komponente muss je nach Verhältnissen angepasst werden. Gerade bei Lawinenwarnstufe drei ist Zurückhaltung angesagt, rät der Alpenverein. Bei dieser Warnstufe sollte man sich auf Hänge beschränken, die nicht steiler als 35 Grad sind.

Richtige Ausrüstung kann Leben retten

Die Standardausrüstung im freien Gelände umfasst ein Lawinen-Verschütteten-Suchgerät (LVS) oder "Piepserl", eine Sonde, eine Schaufel, ein Erste-Hilfe-Packerl, einen Biwaksack und ein Handy. Die gesamte Ausrüstung sollte vor jedem Start auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft werden. LVS verlieren außerdem durch Gebrauch und Abnutzung mit der Zeit an Leistung. Die Bergrettung rät daher, die Geräte regelmäßig von einem autorisierten Händler überprüfen zu lassen.

Die Ausrüstung nur dabeizuhaben ist nicht genug. Man muss auch wissen, wie sie angewandt wird. Deshalb den Umgang mit LVS und Co regelmäßig „im Trockenen“ üben. Zusätzlich zur Grundausrüstung kann ein ABS-Rucksack lebensrettend sein. Der Airbag hält das Lawinen-Opfer oberhalb der Lawine und verhindert im Idealfall ein Verschütten.

GRAFIK 0025-17, 88 x 215 mm Salzburg24
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Verschüttet: Wie verhalte ich mich?

Im Notfall-Prozedere ist Totalverschüttung keine Option: Durch die richtige Planung sollte eine Lawine verhindert werden. Ist das nicht möglich lautet die Devise „nicht verschüttet werden“. In seltenen Fällen kann man der Lawine davonfahren, wichtig ist aber nicht stehenzubleiben. Bei einem Sturz rät die Bergrettung aus den Skibindungen rauszukommen, die Stöcke wegzuwerfen und gegen die Lawine anzukämpfen. Um eine Chance auf eine Atemhöhle zu haben sollte man die Hände vor das Gesicht bringen. Unter der Lawine heißt es Ruhe bewahren und erst schreien, wenn die Retter direkt über einem sind, erklärt die Salzburger Bergrettung. Kann man sich nicht beim ersten Versuch selbst befreien, sollte man warten und Kraft sparen.

Schnelles Handeln überlebenswichtig

Verschüttete haben 15 Minuten nach dem Abgang die höchste Überlebenschance, danach sinkt sie rapide. Nach 35 Minuten sind bereits rund 70 Prozent der Verschütteten gestorben. Nach 130 Minuten leben nur noch drei Prozent, warnt die Bergrettung. Luft gäbe es in einer Lawine theoretisch genug. Doch das ausgeatmete CO2 bleibt ebenso unter den Schneemassen. Letztendlich ersticken viele Opfer an der eigenen Atemluft. Hinzu kommen mögliche innerliche und äußerliche Verletzungen sowie eine drohende Unterkühlung.

Suchbereich gründlich und schnell absuchen

Das Wichtigste ist sofort mit der Suche zu beginnen. Zeugen sollten sich jene Stellen merken, wo Menschen verschüttet wurden und mit Skistöcken markieren. Dann erst wird der Notruf abgesetzt.

Die Suchenden sollten das Areal zunächst oberflächlich absuchen und auf mögliche Hilferufe achten. Danach das "Piepserl" auf Empfang stellen und das Gebiet absuchen. Wo starke Signale empfangen werden wird auch mit Stabsonden gesucht. Wird jemand gefunden, muss beim Ausschaufeln vorsichtig hantiert werden: Die Schaufelkanten sind sehr scharf. Als erstes soll immer Richtung Kopf gegraben werden, dann muss gleich der Mund freigelegt werden.

Erstversorgung der Verschütteten

Ist der Verschüttete ansprechbar, so achtet man auf mögliche Verletzungen und schützt ihn mit dem Biwaksack vor Auskühlung. Ist das Lawinenopfer bewusstlos, bringt man es vorsichtig im Biwaksack in die stabile Seitenlage. Fehlt die Atmung, muss unverzüglich mit einer Reanimation begonnen werden: Im Rhythmus 30:2 - Herzmassage zu Beatmung. Reanimiert wird bis zum Eintreffen des Notarztes.

Allgemein sollte ein Lawinenopfer nicht zu stark bewegt werden. Wenn die Maßnahmen erfolgreich waren, unbedingt beim Verschütteten bleiben und die Umgebung beobachten. Den Gefahrenbereich wenn möglich verlassen. Die Bergrettung bittet abschließend darum, alle Lawinenabgänge zu melden, auch, wenn niemand verschüttet wurde. Das kann unnötige Einsätze der Retter vermeiden.

(SALZBURG24/APA)

Links zu diesem Artikel:

(Quelle: S24)

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