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Pro und contra

Ein Lockdown-Stimmungsbild aus Bayern

Das sagt die Bevölkerung zu den neuen Verordnungen

Lockdown in Bayern APA/dpa/Peter Kneffel
Ein Ober geht an einer Gaststätte mit Außenplätzen vorbei. Der Lockdown in Bayern ist in die Verlängerung gegangen. SYMBOLBILD)

Der nächste Lockdown bis 7. März 2021 in Bayern ist beschlossen — mit Folgen für Wirtschaft und Bevölkerung gleichermaßen. Frederik Friesenegger hat ein kurzes Stimmungsbild eingefangen und Bayern mit verschiedenen Perspektiven zu ihrer Meinung zum neuen Lockdown befragt.

von Frederik Friesenegger

Unter den vielen verschiedenen Positionen haben sich willkürlich drei Menschen aus verschiedenen Berufsgruppen und bayerischen Regionen zu Wort gemeldet, die ihre Gedanken mitteilen. Sie reflektieren über ihr Umfeld, ziehen eigene Schlüsse oder übernehmen bereits bekannte und beziehen ihre Informationen aus verschiedenen Quellen.

„Andere müssen für uns entscheiden“

Ann-Kathrin Beyersdorfer, Theaterpädagogin aus Walldürn, arbeitet in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung. Ihr Theaterprojekt mit Schauspielern mit Behinderung liegt wegen der Maßnahmen auf Eis, es darf nicht weiter trainiert und geprobt werden. Für die Bewohner der Einrichtung gibt es keine Präsenz-Gottesdienste mehr, nur mehr Online-Gottesdienste. Dafür wurde eine eigene Teststraße mit zwei bis drei Tests wöchentlich für die Mitarbeiter eingerichtet. „Aktuell ist im Wohnheim Corona ausgebrochen, zwei Bewohner sind daran verstorben“, berichtet Beyersdorfer und erklärt: „Die Toten hätten auch an einer anderen Infektion sterben können, aber es ist blöd, dass es so war.“ Die Künstlerin hat Angst, symptomlos infiziert zu sein und andere anzustecken; sie erhofft sich Schutz durch Lockdown, FFP2-Masken und Kontaktbeschränkung. Andererseits vermisst sie die Konzerte und das breite Kulturangebot ihrer Region. Zum Lockdown stellt sie fest: "Andere entscheiden für uns — aber ich kann es nicht entscheiden, das müssen andere tun."

„Lockdown ist zu wenig“

„Es gibt Leute, die einen Bürgerkrieg wollen und die Gefahr des Virus nicht sehen“, behauptet Ralph Möhrke, Rentner aus München. Er ist wütend und sieht die Schuld an der Situation im Widerstand gegen die Verordnungen: "Ich finde das unmöglich — QAnon, Querdenker, und so weiter — was das Menschenleben kostet! Sie sollen zur Rechenschaft gezogen und an den Kosten beteiligt werden!" Der Rentner hofft auf die Corona-App der Regierung und fordert: "Ich bin dafür, den Datenschutz für 14 Tage auszusetzen, damit die Corona-App richtig verwendet werden kann. Wer das Aussetzen des Datenschutzes ausnutzt, soll dann natürlich bestraft werden.“ Der Lockdown ist ihm so nicht genug: „Das ganze würde schneller funktionieren, wenn es richtig gemacht würde, dann gäbe es weniger Tote und auch weniger Sozialhilfeempfänger. — Thaiwan kriegt es hin und ein hochzivilisiertes Land wie Bayern nicht!“, ärgert sich Möhrke.

„Maßnahmen müssen hinterfragt werden“

„Mir ist bewusst, dass es diese Krankheit gibt und sie auch Menschenleben kostet, was sehr zu bedauern ist“, so Andreas Hollard, Ayurvedakoch aus Bad Reichenhall. Er hat durch die Verordnungen der Regierung seine Existenz verloren. „Wenn ein erster, zweiter und dritter Lockdown nicht reicht und in Wahrheit mehr Schaden anrichtet als er gut macht, dann sollte die Herangehensweise überdacht werden. Es ist für mich unerträglich, mit welcher Maßlosigkeit und Unverhältnismäßigkeit unsere Politiker unter dem Deckmantel der 'Gesundheit' die Grundbedürfnisse und Grundrechte des Volkes mit Füßen treten. Mindestens 40 Prozent der Menschen leiden psychisch, physisch oder finanziell. Hollard fordert einen offenen Diskurs: „Wenn Maßnahmen hinterfragt werden, dann zurecht und es muss möglich sein, in einen vernünftigen Dialog einzutreten und darüber zu diskutieren, denn das ist gelebte Demokratie. Das Gegenteil wäre eine Diktatur und die will niemand von uns haben.“

Diese drei Perspektiven sind nicht repräsentativ — aber sie regen vielleicht zur eigenen Reflexionen an. Wie ist eure Haltung?

(Quelle: SALZBURG24)

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