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Nach Hooligan-Attacke zum Pflegefall: Familie gründet Opferschutzverein

Nachdem eine alte Dame durch eine Hooligan-Attacke zum Pflegefall wurde, gründet ihre Familie einen Verein zur Hilfe von Hooligan-Gewalt.

Am Montag teilte die Familie der 85-jährigen Margarethe Linseis aus Priem am Chiemsee (Bayern) in einer Pressekonferenz erste Details zur Gründung des Vereins "Roter Ritter" mit.

Am Abend des 14.7.2009, dem Vorabend des Fußball Champions League Qualifikationsspiels des FC Red Bull Salzburg gegen Bohemians Dublin zu dem um die 500 irische Fans nach Salzburg angereist waren, versuchte der betrunkene irische Fan Paul K., 23, ein Rad zu stehlen.

Auf der Flucht stieß der arbeitslose Paul K. Margarethe Linseis, die an einer Bushaltestelle stand, um. Beim Aufschlag auf den Asphalt zog sie sich einen dreifachen Schädelbasisbruch und irreversible Gehirnverletzungen mit posttraumatischer Persönlichkeitsveränderung zu.

Der Salzburger Paul Auböck, 23, versuchte Paul K. zu halten, doch zwei irische Freunde von K., Brendan D., 23 und Mark F., 21, schlugen Auböck nieder verletzten ihn durch Fußtritte so schwer, dass dieser daraufhin zwei Wochen im Krankenhaus lag.

Dank DNA Spuren auf dem Fahrrad und DNA-Proben, die die Polizei an jenem Abend von ungefähr 100 irischen Fans in irischen Pubs in Salzburg genommen hatte, stand Paul K., im Februar 2010 als Täter fest.

Die irischen Behörden befragen K., da Irland jedoch nicht verpflichtet ist, Täter auszuliefern, geschah dies auch nicht und K. wurde erst im September 2010 auf einer Urlaubsreise am Flughafen von Ibiza, Spanien, festgenommen und in Untersuchungshaft genommen.

Beim Gerichtsverfahren in Salzburg am 5. Oktober 2010 wurde Paul K. von Richter Manfred Seiss wegen fahrlässiger, schwerer Körperverletzung, Sachentziehung, Nötigung (von Paul Auböck) und Körperverletzung eines Passanten zu einer Strafe von sieben Monaten, eines davon unbedingt, welches er jedoch schon in spanischer Haft abgesessen hatte, und zur Zahlung von 10.000 Euro Teilschmerzensgeld nicht rechtskräftig verurteilt.

Auf der Pressekonferenz sagte Margarethe Linseis' Sohn Wolfgang, 56: "Die Kosten zur Pflege meiner Mutter belaufen sich bisher auf ca. 350.000 Euro. Meine Schwester gab ihren Job als Journalistin auf, da unsere Mutter 24 Stunden Pflege braucht."

Am Mittwoch wird Paul K. in Salzburg gegen sein Urteil berufen.

Wolfgang Linseis fügte hinzu: "Da die Zerstörung des Lebens meiner Mutter, die bis zu der Attacke rüstig und lebensfroh war, kein Einzelschicksal ist, haben meine Lebensgefährtin Christine Ritter und ich den Verein 'Roter Ritter' ins Leben gerufen, der den Fokus weg von den Tätern und hin zu den Opfern von sportbezogener Gewalt lenken möchte."

Christine Ritter sagte: "Wir planen die Errichtung einer eigenen Residenz für Opfer von Sportgewalt. Dort soll medizinische, psychosoziale und Hilfe in beruflichen und finanziellen Fragen unbürokratisch in Anspruch genommen werden können.

"Wir haben unter anderem bereits die Unterstützung des Opferschutzvereins 'Weißer Ring' und des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, sind jedoch auf Spenden angewiesen, wobei jeder Euro zählt."

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 21.08.2019 um 06:17 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/grenznah/nach-hooligan-attacke-zum-pflegefall-familie-gruendet-opferschutzverein-59185114

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