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Pfotenhilfe Lochen

Höhere Strafen für Tierquäler gefordert

Die Nacht hätte der kleine Rüde vermutlich nicht überlebt: Weil er seinen schwer verwahrlosten Hund in Lochen (Bezirk Braunau) ausgesetzt hat, wurde ein 40-Jähriger am Dienstag vor Gericht schuldig gesprochen. Wieso es nach wie vor zu zahlreichen Fällen der Tierquälerei in Österreich kommt und was sich daher ändern muss, erklärt Jürgen Stadler von der Pfotenhilfe Lochen im S24-Gespräch.

Der kleine „Waldi“ wurde kurz vor Weihnachten 2018 völlig verwahrlost in einem Wald ausgesetzt. Ein Jäger fand den Hund, der die Nacht vermutlich nicht überlebt hätte. Am Montag ging der Prozess gegen den Besitzer, der sich wegen Tierquälerei verantworten musste, am Landesgericht Ried im Innkreis über die Bühne. Der 40-Jährige wurde zu einer Strafzahlung von lediglich 720 Euro verurteilt, das Urteil ist rechtskräftig. Ihm wurde zugutegehalten, dass er geständig und bis dato unbescholten war.

Tierquälerei: Die rechtlichen Hintergründe

Rechtlich sind Fälle, bei denen Tiere involviert sind, komplex, wie Stadler berichtet: „Zum einen fällt das mutwillige Töten oder die Zufügung von Qualen an Tieren unter das Strafgesetz.“ In diesen Fällen liegt das höchste Strafmaß bei zwei Jahren. „Als Tierquälerei gelten alle aktiven Handlungen, durch die das Tier zu Schaden kommt“, klärt der Experte auf. Setzt ein Besitzer sein Tier aus, fällt dies ebenso zwingend unter Tierquälerei.

Wenn das Lebewesen zur Sache wird

„Unter das Verwaltungsrecht fallen jene Delikte, bei denen Besitzer oder Halter etwas zulassen oder dulden. In diesen Fällen ist der Strafrahmen bedeutend schwächer, hier werden nur Geldstrafen verhängt“, weiß der Tierschützer. Kurios zudem: Erschießt ein Jäger beispielsweise unbeabsichtigt ein Haustier, fällt dies unter Sachbeschädigung. Der Schütze muss dem Besitzer in diesen Fällen nur den Sachwert des Tieres bezahlen.

Stadler: Tierschutznovelle hilft nicht

Erschwerend hinzukommt, dass das Tier laut österreichischem Gesetz kein Rechtssubjekt wie ein Mensch ist: „Das heißt, dass es jemanden braucht, der für das Tier Anzeige erstattet. Oft kräht aber kein Hahn danach“, betont Stadler. Verfahren würden daher häufig fallen gelassen, weil niemand die Rechte der Tiere einfordere, kritisiert der Tierschützer. Zwar sei man bei der Pfotenhilfe darum bemüht, allerdings fehle dem Tierschutzhof die nötige Rechtsstellung dazu.

Auch die Gesetze der Tierschutznovelle 2017 würden nicht wie gewünscht greifen, wie der Experte berichtet: „Nicht bewilligte Züchter dürfen beispielsweise keine Tiere mehr über das Internet verkaufen. Das kontrolliert aber niemand. Es hat auch niemand Zeit und Ressourcen dafür zur Verfügung gestellt bekommen.“ 

Pfotenhilfe fordert schärfere Strafen

Damit Vorfälle, wie jener von „Waldi“, künftig weniger werden, nennt der Experte mehrere Maßnahmen: „Der Strafrahmen muss höher werden. Sowohl die finanzielle Strafhöhe im Verwaltungsrecht, als auch der Rahmen der Freiheitsstrafe.“ Außerdem fordert Stadler verschärfte Kontrollen: „Es gibt pro Bezirk einen Amtstierarzt, der das Wohl der Tiere kontrollieren kann. Hier muss die Kontrollfrequenz verschärft werden. Bei Tierheimen ist diese jährlich, bei Landwirten einmal alle 50 Jahre und bei Privathaushalten gibt es gar keine“, moniert der Tierschützer. Außerdem gebe es überhaupt keine Meldepflicht für Tiere in Privathaushalten, mit Ausnahmen bei Wildtieren und die Chip-Registrierungspflicht bei Hunden.

Dass Fälle von Tierquälerei an die Öffentlichkeit geraten, sei daher oft vom Zufall abhängig. „Zuletzt hatten wir das Glück, dass Nachbarn den Vorfall in Neumarkt am Wallersee gemeldet haben“, erinnert sich der Experte. Verschärfte Gesetze und Kontrollen sollen den Faktor Zufall in Zukunft minimieren, geht es nach Stadler.

(Quelle: SALZBURG24)

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