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Prozess gegen Gutachter in Salzburg: Zeugen erhoben schwere Vorwürfe

Im fortgesetzten Prozess gegen einen ehemaligen Gerichtsgutachter, der 13 falsche Befunde in Obsorge- und Pflegschaftsverfahren in Salzburg und Oberösterreich erstellt haben soll, sind am Donnerstag am Salzburger Landesgericht Zeugen befragt worden. Es ging um den Vorwurf, der 53-Jährige habe Routineschemata und immer wieder gleiche Textbausteine verwendet.

Laut Staatsanwaltschaft hat der bisher unbescholtene Angeklagte im Zeitraum von 2005 bis 2008 durch zweifelhafte Methoden falsche Gutachten und Befunde erstellt. Akteninhalte seien willkürlich dargestellt und Mindeststandards nicht eingehalten worden. Dem Gerichtsgutachten des Berliner Rechtspsychologen Max Steller zufolge tauchten in zentralen Teilen der Gutachten immer wieder die gleichen Textbausteine auf. Zugleich ortete der Experte eine Ungleichbehandlung von Kindesvater und Kindesmutter zum Nachteil der Väter.

Angeklagter spricht von Methodenstreit

Der Angeklagte hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen, so auch in diesem Prozess, bei dem es sich bereits um den zweiten Rechtsgang handelt. Er habe weder ein falsches Gutachten erstellt noch einen falschen Befund erhoben, es seien auch keine Tatsachen vorsätzlich unterschlagen worden. Es handle sich nur um einen Methodenstreit, erklärte der 53-Jährige zum Prozessauftakt im April.

Gutachter erläutert Methoden

Am Donnerstag erläuterte der Psychologe vor Richterin Gabriele Glatz die einzelnen Methoden, die er für die Verfahren verwendet hatte. Um etwa die Bindungsqualität zwischen Eltern und Kindern festzustellen, habe er eine Interaktionsbeobachtung durchgeführt, "das Kind beschäftigt sich eine Stunde mit dem Elternteil, und ich beobachte wie die Interaktion verläuft". Zum Vorwurf, er habe bei Gutachten die gleichen Textbausteine verwendet, sagte der Beschuldigte: "Unterschiedliche Diagnosen können gleiche Skalierungen haben."

Emotionaler Prozess in Salzburg

Bei der Befragung von betroffenen Zeugen kamen Emotionen im Gerichtssaal auf. Eine 71-jährige Salzburgerin aus dem Flachgau warf dem Angeklagten vor, er habe ihre Familie zerstört. Der Frau war der Antrag auf eine Sachwalterschaft über ihren an Autismus leidenden, erwachsenen Sohn vom Bezirksgericht nicht genehmigt worden. Der Psychologe hatte in seinem Gutachten dazu eine ablehnende Stellungnahme abgegeben.

Die Frau zeigte sich empört. Zur Begründung habe der Gutachter jene Anschuldigungen herangezogen, die eine Betreuungsorganisation gegen sie in einem Strafverfahren herangezogen habe. Sie sei damals aber in allen Punkten von den Misshandlungsvorwürfen freigesprochen worden. "Ich bin Opfer einer bösartigen Verleumdung geworden. Aufgrund der Strafsache bin ich drei Jahre von meinem Sohn weggesperrt worden. Ich dachte, nach dem Freispruch bekomme ich die Sachwalterschaft zurück." Mittlerweile hat die Sachwalterschaft der ältere Bruder übernommen. "Die Familie ist wieder zusammen, mein Sohn kommt alle 14 Tage nach Hause."

"Mein Kind ist nicht mehr ansprechbar für mich"

Ein weiterer Zeuge schenkte der Justiz offensichtlich kein Vertrauen mehr. Der 60-jährige Vater aus Oberösterreich schilderte, dass er seine Tochter zehn Jahre lang nicht gesehen habe. "Mein Kind ist nicht mehr ansprechbar für mich." Es habe eine Serie von Gerichtsverhandlungen gegeben, und er sei Opfer von Intrigen und Lügen geworden. Die von ihm getrennt lebende Mutter des Kindes, die psychisch labil sei, habe Angst gehabt, sie würde ihre Tochter verlieren, wenn er öfters Kontakt zu dem Kind habe und mit ihm auf Urlaub fahre. Es sei sogar mehrmals die Polizei gerufen worden.

"Er hatte eine vorgefasste Meinung über mich"

"Wenn die Kindesmutter gemerkt hat, dass meine Beziehung zur Tochter näher wird, hat sie das unterbunden. Sie ist immer wieder zum Jugendamt gegangen." Auch das Gericht sei von der Frau benutzt worden. Dann sei ihm der beschuldigte Gutachter "aufgeschwatzt" worden. "Ich war zweimal eine Stunde bei ihm. Es war eine komische Situation. Er hatte eine vorgefasste Meinung über mich und hat das Verfahren dementsprechend geführt. Als ich das Gutachten gesehen habe, habe ich mich gewundert. Das war nicht ich, was ich da gelesen habe." Am Donnerstagnachmittag wie auch am 28. Juni sollen weitere Zeugen aussagen.

(APA)

(Quelle: S24)

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