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Prozess gegen zwei Ärzte nach Tod von 17-Jähriger

Angeklagte plädierten auf unschuldig Salzburg24
Angeklagte plädierten auf unschuldig

Nach dem Tod einer 17-Jährigen in der Linzer Landesnervenklinik Wagner-Jauregg im Mai 2011 müssen sich seit Mittwoch zwei Ärzte wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen vor dem Landesgericht Linz verantworten. Die Staatsanwaltschaft geht von einer zu hohen Dosierung des Narkosemittels bei der Tiefschlaftherapie aus. Die Angeklagten bekannten sich nicht schuldig.

Die 17-Jährige hatte etliche Selbstmordversuche hinter sich. Weil sie auf herkömmliche Therapien nicht reagierte, beschlossen die behandelnden Psychiater, sie bis zur "Burst Suppression" ins Koma zu versetzen. Dabei sediert man den Patienten mit Medikamenten soweit, bis die Kurve der Gehirnströme immer flacher wird und es nur mehr gelegentliche Ausschläge gibt, die man ebenfalls zu unterdrücken versucht. Ziel ist im Wesentlichen eine Art Reset des Gehirns.

Laut Gutachten ist diese Methode zwar riskant, aber im vorliegenden Fall lege artis. Die beiden angeklagten Ärzte - ein 50-jähriger Anästhesist und seine 55-jährige Kollegin - waren in die Entscheidung für die Methode nicht eingebunden, sie hatten sie lediglich durchzuführen. Geplant war, die Patientin eine Woche im Tiefschlaf zu halten.

Der 50-Jährige leitete die Narkose ein. Seine Kollegin entschied am dritten Tag, die Sedierung abzubrechen, "weil sich die klinische Gesamtsituation verschlechterte" - Kreislauf, Sauerstoffsättigung, Leberwerte, etc. hätten sich immer negativer entwickelt. Beide berichteten, täglich mit "Burst Suppression" zu tun zu haben, da diese Methode bei Schädel-Hirn-Traumata häufig eingesetzt werde. Außergewöhnlich sei an dem Fall nur die psychiatrische Indikation gewesen.

Das verwendete Präparat sei das erste "Mittel der Wahl" gewesen, erklärte die Ärztin. Dass während der Behandlung die Leberwerte stiegen, sei nicht ungewöhnlich gewesen. Es seien auch nur reversible - also umkehrbare - Auswirkungen auf die Leber bekannt. Die Höhe der Dosis müsse man sehr individuell und "mit Fingerspitzengefühl" wählen. Jemand, der viele Medikamente bekomme, brauche oft mehr, sagte sie auf Fragen des Gutachters, ob die verwendete Dosis nicht zu hoch gewesen sei. Diese fachliche Meinung bestätigten auch andere Mediziner der Klinik im Zeugenstand.

Er sei überzeugt, dass alle Beteiligten das Beste gewollt hätten, sagte der Staatsanwalt. Die Verhandlung sei "an Tragik kaum zu überbieten". Der Fall hatte auch deshalb für Aufsehen gesorgt, weil die junge Frau einer Betreuerin im Spital anvertraut hatte, sie sei jahrelang von ihren Großeltern und zwei Nachbarn - darunter ein pensionierter Richter - gequält und sexuell missbraucht worden. Die Verdächtigen waren deswegen zwischenzeitlich sogar in Untersuchungshaft. Weil die Aussagen des Mädchens immer mehr Widersprüche aufwarfen, wurde das Verfahren gegen sämtliche Beschuldigte später eingestellt.

Das Gericht vertagte sich am späten Nachmittag. Ein weiterer Verhandlungstermin ist für Gutachter und zusätzliche Zeugen vorgesehen. Das Datum stand vorerst nicht fest.

(Quelle: S24)

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