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Rettung im Untersberg: Ärzte erreichen Verletzten - Transport schon am Donnerstag?

Mehrere Tage nach dem Unglück in der Riesending-Schachthöhle im Untersberg hat der österreichische Höhlenrettungsarzt den schwer verletzten Höhlenforscher erreicht. Der Verletzte liegt in rund 1.000 Meter Tiefe. Der Aufstieg soll bereits am Donnerstag starten.

"Der österreichische Arzt und die Italiener haben den Patienten erreicht", hieß es in der Nachricht am Mittwochabend, den die Helfer über das installierte Funksystem vom Unglücksort in 1.000 Metern Tiefe an die Rettungskräfte draußen absetzten. In der Nacht erreichte ein weiterer Arzt den Verunglückten. Am Donnerstagmorgen wurde bekannt, dass der Aufstieg mit dem verletzten Höhlenforscher im Laufe des Tages beginnen soll. Mittlerweile sind zwei Ärzte sowie fünf Höhlenretter bei dem deutschen Forscher.

Rettungs-Aufstieg bereits am Donnerstag?

"Der Verletzte ist gesundheitlich stabil und kann selbstständig beim Aufstieg helfen", so Bergwachtsprecher Schneider im Gespräch mit Antenne Salzburg. "Es kann sein, dass der Aufstieg schnell geht oder gar zwei Tage andauern wird. Das werden die Ärzte bei ihm entscheiden." Der angekündigte Regen kann die Rettung jedoch stark beeinflussen, wenn unterirdische Seen zulaufen und ein Weiterkommen behindern. "Die Ärzte werden jetzt einen medikamentösen Schutzmantel um den Mann legen", sagte der Sprecher. Dazu hätten sie spezielle Medikamente angefordert, die am Donnerstag bei dem Forscher eintreffen sollten. Sobald der Zustand des Patienten es erlaube, sei geplant, mit der Hilfe von sechs internationalen Höhlenretter-Teams die Bergung des Mannes aus der Höhle zu starten.

Der österreichische Arzt ist bei dem verletzten Höhelnfoscher angekommen. Foto: BRK Salzburg24
Der österreichische Arzt ist bei dem verletzten Höhelnfoscher angekommen. Foto: BRK

 Arzt musste Pause machen

Der österreichischer Arzt hatte gegen Mittwochmittag im Biwak drei auf halber Strecke eine Pause eingelegt. "Die Höhle ist extrem schwierig. Deshalb ist es wichtig, an Biwaks Pausen zu machen", sagte der Bergwachtsprecher. "Man darf sich nicht verausgaben, sonst steigt das Risiko, dass man sich selbst verletzt. Da ist keinem geholfen." Der Mediziner war am Dienstag aufgebrochen und gut einen Tag über senkrechte Wände und enge Schächte unterwegs, ehe er den 52-Jährigen erreichte. Der Verunglückte, der seit Jahren in der tiefsten und längsten Höhle Deutschlands forscht, hatte bei einem Steinschlag am frühen Sonntagmorgen ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten.

 

Die Grafik von der Riesending-Höhle im Untersberg. Salzburg24
Die Grafik von der Riesending-Höhle im Untersberg.

 

Verletzter gehört auf Intensivstation

"Es ist so, dass so ein Patient seit mehr als drei Tagen auf der Intensivstation liegen würde", sagte der Frankfurter Neurochirurg Michael Petermeyer in Berchtesgaden. Er habe aber wahrscheinlich das Schlimmste überstanden. "Die Schwelle der maximalen Gefährdung ist überschritten, aber er ist noch nicht über den Berg", sagte Petermeyer. "Was jetzt mehr oder minder schicksalhaft und nicht vorhersehbar ist, sind Blutungen." Der höhlenerfahrene Mediziner ist angereist, um die Einsatzleitung zu verstärken und bei Bedarf selbst in die Höhle zu gehen.

Therapie kann beginnen

Petermeyer berät die Retter und ist in Kontakt mit seinen beiden Kollegen unter der Erde, dem Arzt aus Österreich und einem aus Italien. Sobald beide oder einer von ihnen den Patienten erreicht habe, könne die Therapie beginnen - und möglicherweise auch schnell mit der tatsächlichen Rettung begonnen werden. Man müsse abwägen zwischen einer zusätzlichen Gefährdung des Patienten und einem weiteren Abwarten in der Tiefe bei etwa vier Grad, wo es zudem keine intensivmedizinische Betreuung gebe. Sein Zustand ist stabil. Der Höhlenforscher soll ansprechbar sein und mit Hilfe stehen können.

Route gesichert & ausgebaut

Inzwischen haben andere Helfer die Route zum Unglücksort gesichert. Unter anderem wurden an schwierigen Stellen Metallstifte in die glitschigen Felswände gebohrt. Zusätzliche Seile sollen den Rettern den Weg erleichtern. Teils wurden Seile ausgetauscht, weil sie verschlissen waren. Die Höhle sei extrem schwierig, sagte der Bergwachtler Schneider.

 

Die Retter arbeiten unermüdlich an der Rettung des Forschers. Foto: dpa Salzburg24
Die Retter arbeiten unermüdlich an der Rettung des Forschers. Foto: dpa

 

"Für mich ist das die absolute Ausnahme, wenn da einer runterkommt." Westhauser, der zu den extremsten Höhlenforschern Deutschlands zählt, hatte die Höhle mitentdeckt und erforscht sie mit seinen Kollegen seit Jahren. Die Einsatzkräfte haben mehere Biwaks mit Trinkwasser, Verpflegung und Schlafsäcken eingerichtet und weiter ausgebaut, sichern die bestehenden Seileinbauten der Höhlenforscher zusätzlich mit neuen Bohrhaken und Seilen redundant ab, erneuern alte Seile und betreiben eine Versorgungskette mit Personal und Material in den Berg. Schneider sagte, die ärztliche Untersuchung des Forschers sei ein "Meilenstein" im Verlauf der Rettungsarbeiten. Nach der Untersuchung sei möglicherweise klarer, wann und wie der Aufstieg mit dem Verletzten in Angriff genommen werden könne. Momentan scheint der Zustand des Mannes unverändert stabil zu sein.

 

BRK Salzburg24
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Verletzter muss mithelfen

Für den Aufstieg wäre es hilfreich, wenn der Verletzte mithelfen könnte - etwa an Engstellen. Der Höhlenretter und Einsatzleiter Nils Bräunig sagte am Mittwoch, er sei zuversichtlich, den Verletzten mit einer Trage auch an engen Stellen vorbei zu bringen. Sehr aufmerksam beobachten die Helfer den Wetterbericht. Unter anderem soll es Wärmegewitter geben. Starker Regen kann auch in Höhlen die Schluchten und Canyons gefährlich mit Wasser anschwellen lassen. Durch "geschickte Planung" sei hier inzwischen Vorsorge getroffen worden, sagte Schneider. "Wir haben die Leute aus dem wassergefährten Bereich abgezogen."

 

BRK Salzburg24
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Höhlenforscher kann sich bewegen

Der Verletzte könne Körperbewegungen teils selbstständig ausführen, was bei der Bergung aus dem stellenweise sehr engen Schachtsystem von Vorteil sei. Die Entscheidung, wann der erste Schritt zum Abtransport des Stuttgarter Höhlenforschers falle, liege bei den Ärzten, sagte der Bergwacht-Sprecher. Die Bergung werde in einigen Abschnitten, wo das Gangsystem nicht zu eng ist, mit einer speziellen, flachen Trage erfolgen.

Höhlenretter aus ganz Österreich

Mittlerweile halten sich nicht nur Höhlenretter aus Salzburg, sondern aus ganz Österreich einsatzbereit. Das wurde bei einer Einsatzbesprechung der Salzburger Höhlenrettung mit dem Bundesverband am Dienstagabend beschlossen. "Das Ergebnis war der Zusammenschluss aller österreichischen Höhlenrettungskräfte. Sie gehen in den Einsatz, sobald sie von der Einsatzstelle in Berchtesgaden angefordert werden", sagte Norbert Rosenberger von der Salzburger Höhlenrettung. Bereits in der Nacht auf Montag sind Salzburger Höhlenretter in die rund 1.000 Meter tiefe Höhle eingestiegen und haben sich an der Vorbereitung der Rettungsmaßnahmen beteiligt.

 

Im Berg wird mit Hochdruck an der Rettungsaktion gearbeitet. (c) BRK Salzburg24
Im Berg wird mit Hochdruck an der Rettungsaktion gearbeitet. (c) BRK

Hoffen auf Wetter

Bei den Bemühungen zur Rettung des in rund 1.000 Meter Tiefe gefangenen Höhlenforschers spielt der Wetterbericht eine immer größere Rolle. Die Helfer, die seit Tagen die Bergung aus der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden vorbereiten, hoffen, dass der für Donnerstag erwartete Regen die Arbeiten nicht verzögert. Regen könnte Teilstrecken in der Höhle zeitweise unpassierbar machen. Läuft dagegen alles glatt, könnte der Forscher auf eine Rettung binnen einer Woche hoffen - sofern ein Arzt ihn für transportfähig erklärt.

Das Medieninteresse rund um den Untersberg ist riesig. (c) Aktivnews Salzburg24
Das Medieninteresse rund um den Untersberg ist riesig. (c) Aktivnews

Unglück im Untersberg

Der 52-jährige Johann Westhauser harrt seit Tagen in der tiefsten und längsten Höhle Deutschlands aus. Er war am frühen Sonntag mit zwei Begleitern in rund 1.000 Metern Tiefe unterwegs, als es zu einem Steinschlag kam. Dabei wurde er am Kopf schwer verletzt und wartet seitdem im Untersberg auf Hilfe.
(APA).

Bergwacht übt den Ernstfall

Die Bergwacht Bayern hat für Fälle wie diesen bereits Trainiert. In diesem Video ist zu sehen, wie sie den Ernstfall üben.

 

Links zu diesem Artikel:

(Quelle: S24)

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