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Corona-Cluster

Land OÖ macht 1 Mio. Euro für St. Wolfgang locker

Geld für Medienkampagne und Betriebe

St. Wolfgang APA/BARBARA GINDL
In St. Wolfgang bekommt nach den Coronavirus-Fällen eine Finanzspritze. (ARCHIVBILD)

Das Land Oberösterreich hat nach den Gäste-Stornos als Folge eines Corona-Clusters in St. Wolfgang im Bezirk Gmunden einen "Comeback-Plan" für den Tourismus geschmiedet. Es macht dafür eine Million Euro locker - für Zuschüsse an die betroffenen Betriebe und eine Medienkampagne.

Der für den Tourismus zuständige Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner, der Bürgermeister von St. Wolfgang Franz Eisl (beide ÖVP) und der Geschäftsführer der Wolfgangsee Tourismus Gesellschaft Hans Wieser kündigten in einer gemeinsamen Pressekonferenz am Mittwoch im Ort einen nicht rückzahlbaren Zuschuss für mehr als 200 besonders betroffene Betriebe der Sparten Tourismus- und Freizeitwirtschaft an.

Die Höhe orientiert sich am Tourismusbeitrag des Jahres 2018 und wird aufgrund der besonderen Situation um den Faktor vier erhöht. Das ergibt eine Unterstützungsleistung des Landes mit rund 700.000 Euro.

Sonderförderung für Jungunternehmer

Das Geld soll unter anderem an Beherbergungs- sowie Gastronomiebetriebe gehen, an Privatzimmervermieter, Taxiunternehmen, Bäckerei- und Konditoreibetriebe, verschiedene Einzelhandelsunternehmen - beispielsweise Andenken- und Souvenirshops - Bootsverleihe, Berg- und Fremdenführer. Auch Jungunternehmer, die 2018 noch nicht tätig waren, sollen eine Sonderförderung im Einzelfall bekommen.

Werbespots im In- und Ausland

Der Wolfgangsee Tourismus startet zudem eine Medienkampagne mit werblichen Sofort-Maßnahmen wie TV-Spots, Kampagnen in München, Wien und Linz und einem Image-Video. Der Oberösterreich Tourismus unterstützt diese mit 300.000 Euro für weitere imagefördernde Maßnahmen wie Radio- und TV-Spots, Online-PR, Direktvertrieb über Reiseveranstalter und Kooperationen mit Medien mit starker Reichweite.

Achleitner beurteilt die Corona-Situation in St. Wolfgang als "unter Kontrolle". Einem Urlaub dort stehe nichts im Wege. Aber es brauche rasche Maßnahmen um Vertrauen aufzubauen. Das von ihm präsentierte "Power-Paket" muss noch in der kommenden Sitzung der Landesregierung beschlossen werden.

80 Prozent der Jahresnächtigungen in St. Wolfgang

Gesamt-Oberösterreich hat in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Nächtigungen um 24 auf 8,5 Millionen gesteigert. Das Salzkammergut legte um 36 Prozent zu, St. Wolfgang gar um 43 Prozent. Dort wurden zuletzt von Mai bis Oktober mit 340.000 Nächtigungen rund 80 Prozent der Jahresnächtigungen erzielt. Insgesamt verzeichnete der Ort 2019 oberösterreichweit die zweit-meisten Nächtigungen hinter der Landeshauptstadt Linz, rechnete Achleitner vor. Der August war dabei der nächtigungsstärkste Monat in St. Wolfgang. Nach der schwierigen Ausgangslage aufgrund des Coronavirus war die heurige Saison gut angelaufen, die Buchungslage war gut.

Corona-Cluster in Urlaubsort

Aber am 21. Juli seien erstmals bei einer Mitarbeiterin eines Beherbergungsbetriebes Symptome von Covid-19 aufgetreten. Der Cluster umfasste bis zu 79 infizierte Personen. Inzwischen verblieben 56 Fälle in der Gemeinde St. Wolfgang, von denen 43 Mitarbeiter oder Praktikanten, acht Personen aus deren Umfeld und fünf Gäste sind. Der rasche Schwund ergibt sich auch daraus, dass Fälle an die Bezirkshauptmannschaften der Hauptwohnsitze in anderen Bundesländern übertragen wurden. Ein Großteil der Erkrankten ist wieder genesen beziehungsweise auf dem Weg der Besserung.

(Quelle: APA)

Corona-Zahlen in St. Wolfgang vorerst stabil

Die Zahl der vom Coronavirus Infizierten im Tourismusort St. Wolfgang im Bezirk Gmunden ist mit 62 gleich geblieben. Das teilte der Krisenstab des Landes Oberösterreich nach der zuletzt noch ausständigen Auswertung von 38 von 1.183 Tests in einer Presseaussendung am Dienstag mit.

Die Zahl der Erkrankten entspricht 5,2 Prozent der Getesteten. Unter den positiven Fällen befinden sich 56 Mitarbeiter, drei Gäste eines Hauses im Ort und drei Jugendliche aus der Umgebung. Die für St. Wolfgang zuständige Bezirkshauptmannschaft Gmunden informiert alle Bezirksverwaltungsbehörden österreichweit, in denen die betroffenen Personen ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben. So befinden sich unter den Erkrankten nach den jüngsten Zahlen 16 aus Niederösterreich, um zwei mehr als zunächst angenommen.

Freiwillige Corona-Tests für Mitarbeiter

Die nach dem Bekanntwerden der Fälle in St. Wolfgang seit dem Wochenende dort angebotenen Tests für Tourismusmitarbeiter, Bewohner und Gäste sind beendet worden. Der Chef der Tourismus Wolfgangsee Gesellschaft Hans Wieser gab jedoch auf APA-Anfrage bekannt, dass ein seit 1. Juli auf ganz Österreich ausgerolltes Programm, bei dem sich alle Tourismusmitarbeiter mit Gästekontakt freiwillig auf Covid-19 testen lassen, bereits am vergangenen Freitag auch am Wolfgangsee angelaufen ist. 536 Mitarbeiter aus 31 Betrieben haben sich dafür angemeldet. Das entspricht in etwa der Zahl aller im Tourismus und Beherbergungsbereich Beschäftigten in St. Wolfgang. Sie werden aufgeteilt auf mehrere Tage wöchentlich getestet.

Das Land Salzburg wird am Dienstagnachmittag beginnen, Tourismuspraktikanten in St. Gilgen und Strobl auf der Salzburger Seite des Wolfgangsee zu testen. Wie Tourismusdirektor Wieser am Vormittag sagte, habe es bisher 40 bis 45 Anmeldungen für die freiwilligen Abstriche gegeben. "Diese Zahl dürfte sich nicht mehr groß erhöhen." Die Maßnahme dient laut dem Land Salzburg als Vorsorge, um eine mögliche weitere Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Wolfgangsee-Cluster betrifft auch Salzburg

Betroffen waren demnach 17 Hotels bzw. Lokale und ein Geschäft in St. Wolfgang, ein Gasthaus und ein Badeplatz in der Ortschaft Ried/St. Gilgen im Bundesland Salzburg sowie ein Gasthof in Strobl (ebenfalls Bundesland Salzburg).

Von den 62 Infizierten haben fünf Personen ihren Wohnsitz im Bundesland Salzburg, informierte das Land am Montagabend.

Salzburg ebenso vom Corona-Cluster betroffen

Am Dienstag hatte eine Hotelmitarbeiterin in St. Wolfgang Corona-Symptome gezeigt. Sie wurde noch am selben Tag getestet. Mittwochfrüh wurde der Krisenstab des Landes über das positive Ergebnis informiert. Man habe sofort mit groß angelegten Testungen und dem Kontaktpersonenmanagement begonnen, hieß es dort. Die Öffentlichkeit wurde allerdings erst am Freitag unterrichtet, damals waren acht Fälle bekannt.

Politik verteidigt Vorgehen im Salzkammergut

LHStv. Christine Haberlander (ÖVP) und Mitglieder des Krisenstabs des Landes verteidigten das bisherige Vorgehen der Behörden in der Causa St. Wolfgang (Bezirk Gmunden). Weitere Maßnahmen halten sie derzeit nicht für nötig, allerdings sollen u.a. die Mitarbeiter der Hotline 1450 auf St. Wolfgang sensibilisiert werden.

Man habe am Mittwoch um 8.15 Uhr von der ersten Infektion erfahren und begonnen, die Quelle zu suchen, schilderte Carmen Breitwieser, Bezirkshauptfrau von Steyr-Land und Mitglied des Krisenstabs. "Ab dem Zeitpunkt, wo klar war, dass es sich um einen Cluster handelt, wurde auch die Öffentlichkeit informiert."

Weitere Maßnahmen nicht geplant

Wenn Infizierte in ihre Heimatbezirke zurückkehren, werden die zuständigen Bezirkshauptmannschaften informiert, erklärte Breitwieser. Ob im Kreis der Kontaktpersonen auch Leute aus dem Ausland dabei seien, blieb unklar. Sie gehe aber davon aus, dass es so sei. Insgesamt sei man zuversichtlich, die Gruppe "einclustern" zu können, beim Contact-Tracing stoße man immer wieder auf Personen, die man bereits erfasst habe. Seit Montag müssen Abreisende zudem ihre Daten verpflichtend hinterlassen.

 

Weitere Maßnahmen, wie etwa eine Quarantäne für den Ort oder Betriebsschließungen halten Haberlander und der Krisenstab daher derzeit nicht für nötig. Man habe zwar eine Schließung von Nachtlokalen überlegt, aber die beiden, die es im Ort gibt, hätten ohnehin freiwillig geschlossen, so die Landeshauptmann-Stellvertreterin.

Sie habe mit Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) aber vereinbart, dass die Mitarbeiter der betroffenen Betriebe in sieben bis acht Tagen erneut durch die AGES getestet werden, so Haberlander. Zudem werden erneut alle Gäste ersucht sich zu melden, die Lokale "13er Haus" und "W3", wo infizierte Praktikanten gefeiert hatten, seit dem 15. Juli besucht haben

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