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Stiefenkelin wöchentlich sexuell missbraucht: Sechs Jahre Haft

Jener 66-jährige Pensionist, der wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt war, wurde am Mittwoch zu sechs Jahren Haft am Landesgericht Salzburg verurteilt.

Ein 14-jähriges Mädchen aus Salzburg hat ihrem Tagebuch anvertraut, wie es vom 11. Lebensjahr an drei Jahre lang von seinem Stiefgroßvater sexuell schwer missbraucht und zum Beischlaf gezwungen worden war. "Er sagte, das sei Aufklärung. Aber das ist Vergewaltigung", las Staatsanwältin Barbara Feichtinger am Mittwoch bei dem Prozess gegen den 66-jährigen Pensionisten am Landesgericht Salzburg den Hilfeschrei des Kindes vor. Der Angeklagte zeigte sich zuerst kaum geständig und beteuerte, die Initiative sei von dem Mädchen ausgegangen. Dann legte er ein volles Geständnis ab. Das rechtskräftige Urteil: sechs Jahre Haft.

14-Jährige wurde jahrelang missbraucht

Das mutmaßliche Opfer wurde im Jahr 2000 seiner Mutter entzogen und kam mit seiner Schwester in das Haus der Großmutter im Flachgau. Dort soll es der Ehemann der Großmutter - ein ehemaliger Berufskraftfahrer, den das Kind dann "Papa" nannte - von 2008 bis Februar 2011 wöchentlich sexuell missbraucht und des Öfteren auch mit Gewaltanwendung zum Beischlaf gezwungen haben.

Das Martyrium endete im März dieses Jahres: "Zwei Mitschülerinnen machen sich Sorgen, sie sprechen eine Vertrauenslehrerin in der Schule an. Sie erzählen, dass sich das Mädchen aufritzt und Selbstmordgedanken hat", schilderte Staatsanwältin Feichtinger. Nach einem Gespräch zwischen der Lehrerin und der 14-Jährigen wurde das Kinderschutzzentrum eingeschaltet. Am 17. März wurde die Schülerin in die Jugendpsychiatrie aufgenommen, zwei Tage später kam der Verdächtige in Untersuchungshaft

?Sie hat es herausgefordert?

Bei dem Prozess bestritt der aus Oberösterreich stammende, bisher unbescholtene Pensionist zuerst jegliche Gewaltanwendung. Er habe auch keinen Beischlaf durchgeführt und auch nicht das Autoritätsverhältnis missbraucht. Von 2009 bis 2010 habe er allerdings mehrmals in der Woche seine Stief-Enkelin mit dem Finger im Genitalbereich berührt. "Sie hat sich zu mir ins Bett gelegt und das herausgefordert", sagte er zu Richter Roland Finster. Doch im Laufe der Verhandlung legte er ein volles Geständnis ab.

Das Mädchen leidet an einer posttraumatischen Belastungsstörung, die in rechtlicher Beurteilung einer schweren Körperverletzung gleichkommt. Sogar die Großmutter habe keinen Zweifel an der Glaubwürdigkeit ihrer Enkelin gelassen, betonte die Staatsanwältin. "Bei dem Angeklagten wurde eine pädophile Neigung festgestellt. Wenn der Umgang mit adäquaten Sexualpartnern nicht funktioniert, dann kann es zu sexuellem Missbrauch von Kindern kommen", berief sich Feichtinger auf wissenschaftliche Studien. "Der Angeklagte erlitt 2004 einen Herzinfarkt und hatte seither mit seiner Ehefrau keinen sexuellen Kontakt mehr."

Die Rechtsvertreterin des Mädchens nahm 25 Tage schwere psychische Schmerzen und 125 Tage leichte psychische und physische Schmerzen an. Der Richter anerkannte das geforderte Teilschmerzensgeld von 20.000 Euro. "Die Kindheit des Opfers wurde genommen, gestohlen. Es hat lebenslang mit den Spuren der Tat zu kämpfen", erklärte die Privatbeteiligtenvertreterin. Der Strafrahmen beträgt bei schwerem sexuellen Missbrauch von Unmündigen mit Folgen einer schweren Körperverletzung fünf bis 15 Jahre unbedingte Haft.

(APA)

(Quelle: S24)

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