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Völlig verwahrlost

Todkranke Katze schleppt sich durch Lochen

Völlig verwahrlost streunte eine Katze in der Vorwoche durch das Ortszentrum von Lochen (Bez. Braunau) in Oberösterreich. Ein Tierarzt attestierte hochgradige Abmagerung, Katzenschnupfen und fortgeschrittene Austrocknung. Die leidende Samtpfote musste kurz darauf eingeschläfert werden.

Verwahrlost und verdreckt schleppte sich die Katze durch die Straßen von Lochen. Pfotenhilfe-Geschäftsführerin Johanna Stadler entdeckte das Tier schließlich. Ein Veterinärmediziner stellte bei dem Vierbeiner mehrere schwere Leiden fest. Trotz medikamentöser Behandlung konnte der schwarz-weißen Katze nicht geholfen werden. Sie musste rund 24 Stunden nach ihrem Auffinden eingeschläfert werden, berichtet die Pfotenhilfe am Dienstag in einer Aussendung.

Immer wieder verwahrloste Katzen in Lochen

"Ich möchte wirklich wissen, wer in Lochen seine Katze in dem Zustand unbehandelt dahinvegetieren und langsam und qualvoll sterben lässt“, empört sich Stadler. Sie bittet die Bevölkerung um Hinweise, wenn jemand die Katze erkennt und weiß, wem sie gehört.

"Schon letzten Herbst haben wir nur einige hundert Meter vom aktuellen Fundort einen Kater in einem ähnlich schlechten Zustand gefunden, der auch so todkrank war, dass er nur noch erlöst werden konnte."

Hahn, Lochen, Pfotenhilfe PFOTENHILFE LOCHEN
Der Hahn wird am Tierschutzhof aufgepäppelt.

Abgemagerter Hahn in Lengau ausgesetzt

Ebenfalls einfangen konnte Stadler am Freitag einen ausgesetzten Hahn in Lengau. Dieser war stark abgemagert und befindet sich am Tierschutzhof Pfotenhilfe auf dem Weg der Besserung.

(Quelle: SALZBURG24)

Darum werden Haustiere häufig ausgesetzt

APA PFOTENHILFE SONJA MÜLLNER.jpg APA/Pfotenhilfe/Sonja Müllner

Wie kommt es dazu, dass Tierhalter ihre Vierbeiner aussetzen und deren mögliches Ableben in Kauf nehmen?

Jürgen Stadler von der Pfotenhilfe Lochen klärt im SALZBURG24-Gespräch auf. Vor allem vor Ferienbeginn häufe sich die Zahl der ausgesetzten Tiere drastisch, sagt Stadler. "Viele wissen nicht, was sie mit ihren Tieren machen sollen, wenn sie verreisen." Gibt es im persönlichen Umfeld keinen geeigneten Sitter oder will sich der Besitzer keine Pension für sein Tier leisten, so wähle dieser häufig einen anderen Weg: Er setzt es kurzerhand aus.

Zwei Jahre Freiheitsstrafe drohen

"Wer sein Haustier aussetzt, ist oft zu feig, sich der Verantwortung zu stellen oder fürchtet die finanziellen Kosten, die die Abgabe des Tieres mit sich bringt", erläutert Stadler. Fakt ist jedoch: Wer ein Tier aussetzt, begeht Tierquälerei und macht sich strafbar. Bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe drohen. Denn: "Die ausgesetzten Tiere sind häufig in der freien Wildbahn nicht überlebensfähig", klärt der Experte auf.

Katzenbabys in Stadt Salzburg ausgesetzt

Ein anderer Grund, wieso Tiere ausgesetzt werden, sei häufig, dass diese verschenkt wurden – der angedachte Besitzer mit seinem Geschenk jedoch wenig Freude hat. So wurden Weihnachten 2017 neun Katzen samt Babys in der Stadt Salzburg in einem Karton neben einer Mülltonne gefunden, zum selben Zeitpunkt wurden acht herrenlose Hundewelpen ebenfalls zur Pfotenhilfe nach Lochen gebracht.

Pfotenhilfe Lochen versorgt 400 bis 500 Tiere

Werden die alleingelassenen Tiere von jemandem gefunden, finden sie in der Pfotenhilfe in Lochen oft ein neues Zuhause. "Zwischen 400 und 500 Tiere leben bei uns und werden von 15 Mitarbeitern versorgt", erzählt Stadler. Für den ersten Monat nach der Ankunft des Tieres erhält der Verein eine finanzielle Entschädigung von behördlicher Seite, die größte finanzielle Einkommensquelle seien jedoch Spender, betont er.

Haustier: Das gilt es zu beachten

Die Anschaffung eines Haustieres will gut überlegt sein. "Man sollte die Futter- und Tierhaltungskosten berechnen und sich überlegen, wer auf das Tier im Urlaubsfall aufpasst", erklärt der Tierschützer. Auch solle man sich fragen, ob das Tier seinen Besitzer möglicherweise überleben könnte. Und wenn ja: Wer kümmert sich dann darum? Wenn das Tier keinen mehr hat, landet es wie die zahlreichen ausgesetzten Tiere im Heim – oder in der Pfotenhilfe Lochen.

Ausgesetzte Katzen, Hunde – und ein Gecko

Die Besitzer ausgesetzter Tiere lassen sich nur schwer ausfindig machen. Dabei gibt es zumindest für Hunde seit 2008 eine Chip- und Registrierpflicht. "Rund zwei Drittel der Hunde sind gechipt, aber nur ein Drittel ist registriert", erläutert Stadler. Daher könne auch weiter ein Großteil der Besitzer nicht ausgeforscht werden. Am häufigsten würden jedoch Katzen ausgesetzt werden, dazu kommen Hunde, auch ein herrenloser Gecko wurde schon zur Pfotenhilfe gebracht. "Oft bringen Menschen Tiere zu uns und geben an, diese gefunden zu haben. Dabei liegt der Verdacht in vielen Fällen nahe, dass es ihre eigenen Tiere sind", spricht der Tierschützer eine Vermutung offen aus.

Wie soll es weitergehen?

Um die Zahl der ausgesetzten Tiere einzudämmen, bedürfe es einer neuen Gesetzesregelung. "Ein verpflichtender Impfpass mit einem Foto des Tieres wäre zum Beispiel eine Möglichkeit", betont der Experte – fügt aber hinzu: „Wer das kontrollieren soll, ist allerdings eine andere Frage.“ Fakt ist aber auch: Kommen Haustierbesitzer weiter ungeschoren davon, wenn sie ihre einstigen Lieblinge aussetzen, wird das Problem weiter bestehen bleiben.

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