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Untersberg: Rettung des verletzten Höhlenforschers hat begonnen

Mitarbeiter der Bergwacht haben Freitagnachmittag am Untersberg mit der Rettung des schwer verletzten deutschen Forschers Johann Westhauser aus der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden begonnen.

Für den verletzten Höhlenforscher Johann Westhauser hat der lange Weg nach oben begonnen. Am späten Freitagnachmittag ging der Transport los, wie die Bergwacht mitteilte. "Transport startet jetzt", hieß es um Punkt 17.28 Uhr über das spezielle Textnachrichtenprogramm, das der Bergwacht die Kommunikation mit Westhauser und seinem Arzt ermöglicht.

"Höhle heißt warten"

Wie lange der beschwerliche Aufstieg dauern wird, ist unklar. "Höhle heißt warten", sagte der Sprecher der Bergwacht Bayern, Stefan Schneider, in Berchtesgaden. "Die bisherige Kalkulation mit einer Woche bleibt bestehen, tendenziell eher länger." Schließlich seien die Bedingungen alles andere als angenehm. "Es ist zugig, es ist schwierig, es ist steil." Vor allem das letzte Stück vor dem Ausgang sei noch einmal besonders schwierig, weil es sich dabei um einen extrem langen, senkrechten Schacht handle.

Zustand stabil aber unsicher

Alle Rettungsteams, die sich in der Höhle befinden, konnten die letzte Nacht in den eingerichteten Biwaks, trotz Niederschlägen, sicher verbringen und sich für ihren weiteren Einsatz regenerieren. Der 52-jährige Höhlenforscher hatte am Sonntag durch einen Steinschlag ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten und ist seitdem in der Höhle in 1000 Metern Tiefe gefangen.Der Zustand des Verletzten, der von zwei Ärzten betreut werde, sei stabil. Aber: "Der Patient ist noch lange nicht über den Berg, es können Komplikationen auftreten." Eigentlich müsste er auf der Intensivstation liegen. Höhlenretter und zwei Ärzte - ein Österreicher und ein Italiener - sind bei ihm, um ihn zu versorgen und seinen Rücktransport auf einer Trage vorzubereiten.

Bald telefonischer Kontakt

Seit dem Aufbruch zur Reise zurück ans Tageslicht sei zunächst keine Kommunikation mehr mit Westhauser möglich. Die Retter hoffen jedoch, bald telefonisch Kontakt zu dem verletzten Höhlenforscher aufnehmen zu können. "Das Höhlentelefon wird bis zum Patienten runterverlegt", sagte Schneider. Die Retter sollen, während sie in die Riesending-Schachthöhle steigen, Kabel verlegen. Bisher gebe es von dem Verletzten und seinen Ärzten nur "wortweise SMS-Meldungen" über ein spezielles Textsystem. "Wir haben immer wieder Zeiten, Stunden ohne Meldung."

Keine Operation in der Höhle

Der verletzte Forscher müsse nach bisherigen Erkenntnissen nicht in der Höhle operiert werden. "Es kommt zu keiner Operation im Moment in der Höhle. Es ist auch nicht geplant", sagte Schneider. "Bei diesem Verletzungsmuster sind Schwellungen zu erwarten, wir sind aber heute in einem Bereich, in dem nicht mehr mit Schwellungen zu rechnen ist."

Hubschrauberstaffel am Untersberg

Beim Rettungseinsatz des schwer verletzten Höhlenforschers Johann Westhauser in der Riesending-Höhle in den Berchtesgadener Alpen ist die Polizeihubschrauberstaffel Bayern intensiv eingebunden. Die Besatzungen leisten seit Beginn der Rettungsarbeiten rund um die Uhr Dienst im Schichtbetrieb und gewährleisten so einen schnellen Zugriff auf die modernen Einsatzmittel der Bayer. Polizei.

 

Die Hubschrauberstaffel der Polizei Bayern ist am Untersberg im Einsatz. Foto: Polizei Bayern Salzburg24
Die Hubschrauberstaffel der Polizei Bayern ist am Untersberg im Einsatz. Foto: Polizei Bayern

Dichte Wolken über dem Untersberg

Freitagmorgen haben dichte Wolken über dem Hochplateau des Untersbergs die Rettungsaktion verzögert. Die Hubschrauberbesatzungen konnte nicht wie geplant die Personal- und Materialtransporte zum Höhleneingang durchführen. Auch wenn das Wetter mit Regen und Gewitter in Berchtesgaden nicht mehr angenehm sei, werde das die Rettungsarbeiten nicht behindern, betonte Schneider. "Sollten die Helikopter nicht fliegen können, werden die Sachen mit Maultieren nach oben getragen."

Flexible Trage für enge Passagen

Am frühen Donnerstagmorgen sind internationale Retterteams mit zusätzlichen Medikamenten und Rettungsmaterial in die Höhle eingefahren und  waren seit drei Uhr zum Verletzten unterwegs. Mittlerweile sind über 30 Retter in der Höhle. Die Ärzte bereiteten den Höhlenforscher medikamentös auf den Transport vor. Aufgrund der beengten Verhältnisse in der Höhle handelt es sich trotz des Einsatzes modernster Rettungsgeräte um eine große logistische Herausforderung. Insbesondere ist die Trage flexibel aufgebaut, um den Transport des Verunfallten auch in sehr engen Passagen zu ermöglichen. Es wird nicht zu vermeiden sein, dass einige Passagen ohne Trage zu bewältigen sind. Glücklicherweise kann der Verunfallte laut Entscheidung der Ärzte in diesen Passagen selbst mitarbeiten.

Zur Bergung wird eine Spezialtrage verwendet. Foto: Aktivnews Salzburg24
Zur Bergung wird eine Spezialtrage verwendet. Foto: Aktivnews

Durch die vorbereitende Arbeit der italienischen und österreichischen Höhlenretter wird die Arbeit der Transportteams sehr erleichtert. So wurden verschlissene Seile ausgetauscht, Seilstrecken verbessert, ergänzt und an einigen Stellen sogenannte Trittstifte in den Fels gebohrt, um das Vorankommen zu erleichtern. Die Biwakplätze wurden erweitert und so aufgerüstet, dass größere Rettungsgruppen lagern können. Das Personal wird im Schichtdienst durchgetauscht.

Ein Blick in den Untersberg

 

Die Riesending-Schachthöhle ist die längste und tiefste Höhle Deutschlands. Sie besteht aus engen Gängen, über hunderte Meter fast senkrecht abfallenden Kaminen, unterirdischen Wasserläufen und unwegsamen Canyons, die sich über eine Länge von 19 Kilometern erstrecken. Die Bergung eines Verletzten aus dieser Umgebung stellt laut Bergwacht eine enorme Herausforderung dar.

 

(SALZBURG24/APA)

(Quelle: S24)

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