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„Wastediving“: Stiller Protest gegen die Konsumgesellschaft

„Mülltauchen“, „Containern“ oder „Dumpstern“ –  Lebensmittel direkt aus der Mülltonne zu ergattern hat viele Bezeichnungen. Weltweit gibt es viele Menschen, die sich von Lebensmitteln aus der Mülltonne ernähren - sie bezeichnen sich als „Freeganer“ und sie holen sich das, was andere wegwerfen. Erik Schnaitl ist einer davon und erzählt im SALZBURG24-Interview vom Mülltauchen in Salzburg.

Der „Lobbyist für Mensch und Natur“, wie sich Erik Schnaitl selbst bezeichnet, ist seit rund sieben Jahren in der Mülltaucher-Szene in und rund um Salzburg aktiv. Anfangs war das „Wastediving“ für den 35-Jährigen bloß ein Weg um Geld zu sparen und sich von dem vorhandenen Lebensmittelüberschuss zu ernähren. Mittlerweile steht er aber öffentlich dazu und möchte darüber aufklären: „Das ist für mich ein Thema, das an die Öffentlichkeit gehört – es ist ja pervers – zum einen gibt es diesen Überschuss, zum anderen sterben Menschen an Unterernährung. Menschen werden dazu ausgebildet, um etwas zu produzieren, was sogleich weggeschmissen wird.“

Sorgsamer Umgang mit Müll gefordert

Einen Tag, bevor die Mülltonnen in den Supermärkten entleert werden, geht der gebürtige Innviertler zum „Wastediving“. "Dann sind die Mülltonnen voll und die noch frischen Lebensmittel liegen ganz oben." sagt Erik Schnaitl im Gespräch mit SALZBURG24. "Wünschenswert wäre es natürlich für uns Mülltaucher, wenn das was die Geschäfte nicht mehr brauchen, in einem ordentlichen Zustand und überdacht bereitgestellt wird. Denn was für den einen Müll ist, heißt für den anderen nicht gleich, dass es schlecht ist. Es wäre schön, wenn Müll einen sauberen Zugang hätte – man sollte ihn auch sehen und nicht verstecken, um vielleicht in der Bevölkerung ein Bewusstsein zu schaffen.“

Wastediving-Community macht große Beute

Zur „Wastediving“ -Community zählen vor allem Menschen zwischen 20 und 35 Jahren, leben meist in Wohngemeinschaften oder sind aus der Studentenszene. Neo-Mülltaucher, die zum ersten Mal „Containern“ gehen, seien begeistert, denn neben einer großen Ausbeute (darunter Käse, Joghurt, Milch, Brot, Bio-Reis, Obst und sogar Einweg-Rasierer) sei vor allem das Gefühl, nicht erwischt zu werden, ein ganz besonderer Kick. „Es ist fast wie jagen - du weißt vorher nicht genau was sich in welcher Mülltonne befindet, zudem ist es allemal aufregender, als mit dem Einkaufszettel in den Supermarkt zu gehen, wo du genau weißt, wo sich was befindet und du so ziemlich alles bekommst“, beschreibt Erik Schnaitl den Reiz am „Wastediving“.

„Wastediving“: Rechtliche Grauzone

Bis dato befindet sich das „Wastediving“ in einer Grauzone, da es sich dabei nicht um Diebstahl handelt. Den Supermärkten sind bisher in Salzburg keine Härtefälle bekannt. „Wir wissen über das Mülltauchen Bescheid und tolerieren es, solange sich die Mülltaucher ordentlich verhalten. Bisher hat es noch nie ein Problem gegeben“, sagt etwa SPAR-Pressesprecherin Nicole Berkmann auf Anfrage von SALZBURG24. Auch der Salzburger Polizei sind keine Probleme bekannt: „Streng genommen handelt es sich sich um eine Verwaltungsübertretung nach dem Salzburger Abfallwirtschaftsgesetz. Aber die Polizeibeamten fahnden nicht gezielt danach, bei Problemen kümmert sich das Referat für Abfallwirtschaft darum“, so Polizeisprecherin Irene Stauffer.

Fünf goldene Tipps für naturbewussten Umgang mit Lebensmitteln

Für diejenigen, die das „Wastediving“ selbst nicht ausprobieren möchten, hat Erik Schnaitl wertvolle Alltagstipps, die einen naturbewussten Umgang mit Lebensmitteln möglich machen, und mit denen man auch Geld sparen kann:
  • Nicht zu viele Lebensmittel im Kühlschrank horten
  • Weniger Einkaufen (kein Großeinkauf für eine Woche) und beim Kochen improvisieren (alte Lebensmittel aufbrauchen)
  • Saisonale und regionale Produkte kaufen
  • Selbst Obst, Gemüse und Kräuter anbauen, um einen Bezug zu bekommen
  • Zu Fuß einkaufen gehen
(Quelle: S24)

Aufgerufen am 15.04.2021 um 12:52 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/grenznah/wastediving-stiller-protest-gegen-die-konsumgesellschaft-59345281

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