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Wilderer aus dem Salzkammergut in Salzburg vor Gericht

Wegen Wilderei - im Juristendeutsch: schwerer Eingriff in fremdes Jagdrecht - hat sich am Donnerstag am Landesgericht Salzburg ein 46-jähriger Metzger und Jäger aus dem Salzkammergut am Landesgericht Salzburg verantworten müssen. Rund 60 Wildtiere soll der zurzeit Arbeitslose in den vergangenen 20 Jahren illegal erlegt haben.

Der Oberösterreicher gestand nur den Abschuss von zwei Gämsen und einem Hirsch. Ob heute ein Urteil ergeht, steht noch nicht fest.

Trophäenschau in der Garage

Das Geweih eines kapitalen 16-Enders - für jedermann sichtbar - in der Garage, eine beachtliche Trophäenschau im eigenen Haus: Irgendjemand schöpfte Verdacht und gab der Polizei Ende 2010 einen anonymen Wink: Und als Beamte den Fleischhauer bei einer Kontrolle anhielten, hatte dieser einen frisch erlegten Gamsbock und ein verbotenes Gewehr mit verkürztem Lauf, Hightech-Zielfernrohr und Schalldämpfer im Wagen. "Es muss ein Kurzschluss gewesen sein. Ich hab' die Gams im Schnee gesehen und die Waffe geholt", schilderte heute der Angeklagte, der nach eigenen Angaben 1985 die Jagdprüfung absolviert und seither bis auf ein Jahr immer eine Jagdkarte besessen hatte.

Wilderer seit 1990 "aktiv"

Bei einer Nachschau im Haus des Metzgers stieß die Polizei damals auf eine beachtliche Zahl Jagdtrophäen. Drei Füchse, 21 Gämsen, sechs Hirsche, drei Mufflons, 25 Rehe und einen Haubentaucher soll der Oberösterreicher von 1990 bis zu seinem Auffliegen illegal im Salzkammergut erlegt haben, so die Anklage der Staatsanwältin Karin Wolfer. Der 46-Jährige gab heute aber nur drei verbotene Abschüsse zu: Neben der Gams, die ihm zum Verhängnis wurde, noch eine weitere Gämse und einen Hirsch. In zwei Fällen habe er den Schaden inzwischen wiedergutgemacht, im dritten sei es nicht gelungen, Kontakt zum Geschädigten herzustellen, informierte der Gmundner Verteidiger Fritz Vierthaler. Außerdem sei der erste Fall bereits verjährt.

Angeklagte zeigte sich geständig

Geständig zeigte sich der Angeklagte auch wegen der verbotenen Waffe, die er von einem Arbeitskollegen schon so manipuliert erhalten habe, und zwar mit zehn Stück "unterladener" Munition: Den Patronen wurde ein Teil des Schießpulvers entnommen, weshalb das Knallgeräusch erheblich leiser wird. Fünf Stück davon habe er verwendet. Woher aber stammen die vielen anderen Trophäen? Er sei von Kunden seines früheren Arbeitgebers eingeladen worden. Dass auf all diesen Trophäen die Bewertungszeichen der Jagdbeschau fehlt, erklärte Vierthaler damit, dass diese Zeichen auf dem Kiefer angebracht würden, der Beschuldigte aber die Kiefer abgeschnitten habe, um die "Krickerl" zum Aufhängen auf Holzstücke montieren zu können. "Ich habe die Trophäen erhalten, sie selbst ausgekocht und dann wieder zur Beschau gegeben. Dann habe ich sie wieder zurückbekommen. Ich habe aber nicht geschaut, ob eine Bewertung drauf war", so der Metzger. Die Bewertungskarten, die er mit der Trophäe erhalten habe, "habe ich nicht aufgehoben". Auch für die Herkunft der kapitalen Hirsch-Trophäe in der Garage, die er unter anderem als Hutablage benützt haben will, hatte der 46-Jährige eine Erklärung: Ein inzwischen verstorbener Bekannter habe ihm diese als Geweih eines "Fallwildes" - also eines Tieres, das durch Sturz ums Leben kam - angeboten. "Sie hat mir auch nichts bedeutet, weil ich den Bock nicht selbst erlegt habe."

Verteidiger erhebt Anschuldigungen gegen Ermittler

"Ich will die Tat nicht glorifizieren, wir sind hier nicht in einem Heimatfilm", sagte der Verteidiger, der allerdings seinerseits Anschuldigungen gegen die Ermittler der Polizei erhob: Einer hätte gesagt, "wenn Du nicht mehr gestehst, werden wir Dir alles anhängen, was angefallen ist." Vierthaler: "Mein Mandant ist nicht der einzige Wilderer im Salzklammergut in den vergangenen 20 Jahren."

20 Zeugen geladen

Richterin Anna-Sophie Geisselhofer hat rund 20 Zeugen für die Verhandlung geladen, die bis 16.00 Uhr anberaumt ist, allerdings wegen des Fehlens eines Sachverständigen erst mit über einstündiger Verspätung begonnen hatte. Ob heute ein Urteil ergeht, ist unklar. (APA)
(Quelle: S24)

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