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Mediziner beantwortet Fragen

Wie sich Salzburg für Grippesaison rüstet

"Gelegentliches kränkeln wichtig für Immunsystem"

In den vergangenen Herbst- und Wintermonaten ist eine große Grippewelle aufgrund der Corona-Kontaktbeschränkungen ausgeblieben. Wie sich Salzburg auf die heurige Influenza-Saison vorbereitet, wann der ideale Zeitpunkt für eine Impfung wäre und worauf man in Zusammenhang mit der Corona-Impfung achten muss, erklärt der Referent für Allgemeinmedizin der Salzburger Ärztekammer.

Zwischen fünf und 15 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher infizieren sich laut Gesundheitsministerium meist in den Herbst- und Wintermonaten mit Influenza-Viren, die eine „echte Grippe“ auslösen. Viele der Infizierten erkranken auch. In der vergangenen Saison war das jedoch aufgrund von Corona-Maßnahmen, wie Kontaktreduktion, nicht der Fall.

 

Milde Grippesaison?

Aber worauf müssen wir uns heuer einstellen? „Das ist ganz schwer einschätzbar. Heuer könnte uns wieder eine Grippesaison bevorstehen, allerdings könnte diese erneut milder ausfallen“, erklärt Dr. Richard Barta, Referent für Allgemeinmedizin der Salzburger Ärztekammer im SALZBURG24-Interview. Grund für einen milderen Verlauf könnten laut Barta auch heuer die reduzierten Kontakte sein. Die „echte Grippe“ oder Influenza ­­– nicht zu verwechseln mit einem grippalen Infekt – kann nämlich entweder durch Husten oder Niesen (Tröpfcheninfektion) oder das gemeinsame Berühren von Gegenständen (Schmierinfektion) übertragen werden. Eine ausführliche Erklärung der beiden Erkrankungen findet ihr HIER.

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(SYMBOLBILD)

Keine Grippewelle, kein Masernfall in Österreich

Erstmals seit Jahrzehnten gab es keine Grippewelle in Österreich. Gerade einmal zwei Influenzafälle wurden von November 2020 bis heute nachgewiesen. Außerdem gibt es bislang keinen einzigen …

Fieber als "wichtiger Reinigungsprozess"

Es gibt aber auch Theorien, dass die reduzierten Kontakte uns in Bezug auf die Grippe nicht nur zugute kommen. Das Gesundheitsministerium etwa schreibt am 8. September, dass es womöglich zu einer "deutlich höheren Influenza-Aktivität" kommen könnte, weil der Anteil jener Personen, die kürzlich keine Kontakte zu Influenzaviren hatten, "deutlich gestiegen ist." Laut Barta sei das aber noch nicht nachweisbar. Was aber klar sei: Aufgrund von Corona und den Sicherheitsmaßnahmen bekomme unser Immunsystem noch immer weniger „Training“: „Gelegentliches Kranksein ist wichtig und gut für das Immunsystem. Wer ein bis zwei Mal im Jahr einen fieberhaften Infekt hat, hat eine höhere Lebenserwartung“, schildert der Mediziner. Grund dafür sei, dass Fieber einen „wichtigen Reinigungsprozess“ im Körper starte. „Deshalb sollte man auch nicht unbedingt jedes Fieber sofort senken.“ Und die Influenza sei eben einer der häufigsten Gründe, warum Menschen in der Grippesaison fiebern würden.

25.000 Impfdosen in Salzburgs Apotheken

Dennoch sei es wichtig, dass sich gewisse Gruppen vor einer Grippeerkrankung schützen. Denn bei Risikopatienten kann diese im Ernstfall sogar tödlich enden. Eine Möglichkeit bietet die Impfung. Etwa 25.000 Impfdosen von vier verschiedenen Herstellern stehen heuer in den Salzburger Apotheken zum freien Verkauf zur Verfügung, heißt es von der Apothekerkammer. Hinzukommen würden noch Gratiskontingente für Kinder, Lehrpersonal, Heimbewohner und -betreuende. Derzeit sei die Situation noch „entspannt“. Einige Salzburgerinnen und Salzburger würden sich die Impfstoffe schon holen. Es seien aber genügend vorhanden.

 

Die Influenza-Impfaktion ist in Salzburg bereits am 1. Oktober gestartet und läuft noch bis 31. Dezember. Der beste Zeitpunkt für eine Influenzaimpfung sei Ende Oktober bis Mitte November, erklärt das Gesundheitsministerium. Barta führt aus: „Eine Impfung braucht immer Zeit, um einen Schutz durch einen hohen Antikörperspiegel aufzubauen.“ Meist würde das etwa zwei bis drei Wochen dauern. „Weil wir nicht wissen, wann die erste Welle bevorsteht, wird eine Impfung Ende Oktober oder Mitte November empfohlen. Denn meistens erreicht die erste Welle ihren Gipfel Anfang bis Mitte Dezember.“

Stich beim Hausarzt

Den Stich kann man sich bei den Hausärzten abholen. Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) übernimmt die Kosten für folgende Risikogruppen:

  • Alle Personen über 60 Jahre (60. Geburtstag bis inklusive 31.12.2021)
  • Bewohner (altersunabhängig) von Alters- und Pflegeheimen und betreuten Wohneinrichtungen
  • Beschäftigte (altersunabhängig) in Alters- und Pflegeheimen und betreuten Wohneinrichtungen

Auch Personen, die aufgrund dieser Faktoren gefährdet oder chronisch krank sind, müssen den Stich nicht selbst bezahlen:

  • Diabetes mellitus („Zucker“)
  • COPD (Chronische Lungenerkrankung)
  • Asthma bronchiale
  • Respiratorische Insuffizienz
  • KHK (bestimmte koronare Herzerkrankungen)
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
  • Vitien (Herzklappenerkrankung)
  • Niereninsuffizienz
  • Verschlechterte Atemmuskelkraft infolge neurologischer Erkrankungen
  • Immundefekte (auch durch Chemotherapie verursacht)
  • Kinder/Jugendliche unter Langzeit-Aspirintherapie zur Verhütung eines Reye Syndroms
  • Schwangere
  • Massiv Übergewichtige (Adipositas mit BMI größer als 40)

Kinder geben Virus oft weiter

Zudem sei eine Impfung von Kindern wichtig, weiß Allgemeinmediziner Barta: „Bei der Influenza sind Kinder der Ort der Infektion. Sie werden zwar oft nicht krank, aber verbreiten das Virus.“ Deshalb gebe es auch die Gratis-Impfaktion für Kinder in Salzburg. Gefahren oder Nebenwirkungen aufgrund einer zeitgleichen Corona-Impfung gebe es laut Barta jedenfalls nicht: "Das ist auch eine häufige Frage, die aufgetaucht ist. Wenn man einen Abstand von 14 Tagen einhält, ist man auf der sicheren Seite." Da die Kostenübernahme für den Influenza-Impfstoff selbst nicht in die Zuständigkeit der Krankenversicherung fällt, muss der Impfstoff privat bezahlt werden, heißt es von der ÖGK.

In Salzburgs Apotheken werden ausschließlich Vierfach-Impfstoffe angeboten. Hier kann man sich auch über den geeigneten Grippe-Impfstoff informieren:

  • Influvac Tetra
  • Vaxigrip Tetra
  • Flucelvac Tetra
  • Fluad Tetra (heuer neu für immunschwache Menschen über 65 Jahre)
  • Fluarix Tetra für Kinder und Fluenz Tetra als Nasenspray
  • Vaxigrip Tetra für Lehrpersonal
  • Elfluelda und Fluad Tetra für Heimwohnerinnen und -bewohner

Nur zwei Influenza-Fälle sind von November 2020 bis Ende März 2021 nachgewiesen worden. Ob diese Zahl heuer wieder ansteigt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

(Quelle: SALZBURG24)

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