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Gründonnerstag und die Ratschen

An Ostern wird der Auferstehung Jesu gedacht. Bilderbox
An Ostern wird der Auferstehung Jesu gedacht.

Der Gründonnerstag ist der letzte der 40 Tage der sogenannten Quadragesima vor den drei österlichen Tagen. Am Gründonnerstag ersetzen Ratschen die Glocken.

"Die Herkunft seines Namens ist umstritten, wird aber meist mit dem Wort 'greinen' für weinen erklärt. Seit dem 5. Jahrhundert werden am Gründonnerstag die heiligen Öle geweiht. Am Abend wird die Messe zum Gedächtnis des letzten Abendmahles gefeiert", erklärt Ulrike Kammerhofer, Leiterin des Salzburger Landesinstitutes für Volkskunde.

Das Gebetsläuten übernehmen am Gründonnerstag Ratschen und Klappern. In den Pinzgauer und Pongauer Bauernhäusern schwiegen im Winter auch die Essensglocken – da niemand auf den Feldern und Wiesen gearbeitet hat. Am Ostersonntag wurde erstmalig nach dem Winter wieder die Essensglocke geläutet, womit die Sommerarbeitszeit begonnen hat.

Hölzerne Essens- wie Karwochenklappern, die "Klapperl" oder "Kleibei" (ein ausgehöhltes Holzstück bzw. eine Kiste, an der an einem Lederriemen die Kugel zum Klappern hängt) werden im Brixental und im Pinzgau von Burschen verwendet. Das Klappern an den Kartagen kann auch als Spott auf den Verräter Judas gedeutet werden. Im 19. Jahrhundert klapperten die Burschen mit dem Klapperl hinter Missliebigen her, um sie "anzustänkern" und riefen dazu "Traust dö? Gfrier!", um eine Rauferei zu provozieren.

Das Karwochenratschen in seiner heute am Land noch bekannten Form geht auf die Gegenreformationszeit zurück. Der älteste Beleg für unseren Raum stammt aus Laufen. Dort gestatteten die Jesuiten ihren Schülern, nach den Pumpermetten am Gründonnerstag und Karfreitag mit Rumpelfässern und Lärminstrumenten im Dorf den Verrat des Judas kundzutun und den Aufruhr der Elemente beim Tode Jesu nachzuvollziehen.

In diese Pumpermetten, die Trauermessen der Karwoche, hatte das Ratschen und Klappern bereits zwischen dem dritten und achten Jahrhundert Einzug gehalten. Es wurde als Zeichen der Klage aus den jüdischen Purimfeiern übernommen. Erst die Nationalsozialisten wollten darin einen alten germanischen Lärmzauber entdecken, was jedoch zweifellos widerlegt ist.

(Quelle: S24)

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