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Künftiger Floriani-Chef

"Feuerwehr soll ehrenamtlich bleiben"

Die Feuerwehr gehört zu seinem Leben, "seit ich denken kann", sagt Günter Trinker voller Überzeugung. Kürzlich wurde er zu Salzburgs künftigem Landesfeuerwehrkommandanten (LFK) gewählt. Wir haben mit dem Tennengauer über die Faszination Feuerwehr und anlässlich des Salzburger Freiwilligentages über die Bedeutung des Ehrenamts gesprochen.

Adnet

"Ich komme aus einer Feuerwehrfamilie. Mein Großvater, Vater und auch Bruder waren in meiner Kindheit bei der Feuerwehr aktiv", erzählt der 51-Jährige. Großvater Hans Buttinger war sogar Bezirksfeuerwehrkommandant im Tennengau.

Trinker seit 40 Jahren bei der Feuerwehr

Trinker selbst blickt inzwischen auf eine 40-jährige Floriani-Karriere zurück, davon über 20 Jahre auch beruflich im Landesfeuerwehrverband. Am 17. Juni erfährt diese ihren vorläufigen Höhepunkt. Nach dem Amt des Ortsfeuerwehr- und Bezirksfeuerwehrkommandanten wird er offiziell zum Chef aller Feuerwehren im Bundesland. Damit beerbt er Leopold Winter, der sich nach zehn Jahren an der Spitze zurückzieht. "Ich war zuerst Adneter, jetzt bin ich Tennengauer und dann ein Salzburger", sagt der neugewählte LFK.

Salzburger Feuerwehren leisten 1,1 Mio. Stunden

Ihm sind dann knapp 17.000 Mitglieder, davon rund 10.000 aktive unterstellt. Dazu kommen noch an die 1.200 Burschen und Mädchen bei den 86 Jugendfeuerwehren im Land. Es gibt mehr als 14.000 Ausrückungen, davon rund 1.850 Brand- und 11.500 technische Einsätze. Durchschnittlich werden im Jahr über 1,1 Millionen Einsatzstunden geleistet.

Diese werden nicht bezahlt. Und das soll auch so bleiben, geht es nach Trinker. Anders sei es nicht finanzierbar. "Eine Aufsplittung in Hauptamtliche und Ehrenamtliche würde das Freiwilligensystem zerstören", ist er überzeugt.

 

Anreize für feuerwehrfreundliche Betriebe

"Wir sind aber auch keine Freizeitfeuerwehr, sondern 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr einsatzbereit", so Trinker. Ein wichtiges Anliegen ist ihm daher, die Rahmenbedingungen sicherzustellen, "so dass Ehrenamtliche zu Einsätzen während der Arbeitszeit ausrücken können und auch Ausbildungen nicht immer während des Urlaubs absolviert werden müssen". Ein Arbeitnehmer dürfe keine Nachteile erleiden, nur weil er sich bei der Feuerwehr engagiere. Aber auch für die Firmen dürfe es keine Einbußen geben, wenn sie einen aktiven Feuerwehrler einstellen. Vorstellen kann er sich dabei Anreize in Form von Steuererleichterungen oder Boni für feuerwehrfreundliche Betriebe.

"Egoismus hat in der Feuerwehr keinen Platz"

Auch als künftiger Chef aller Salzburger Feuerwehren will Trinker selbst weiterhin in seiner Heimatgemeinde Adnet bei Einsätzen ausrücken, und zwar "als ganz normales Mitglied." Die Kameradschaft innerhalb einer Wehr will er keinesfalls missen. "Das Stichwort 'Gemeinsam' steht bei mir in Bezug auf die Feuerwehr ganz weit oben: Gemeinsam helfen, gemeinsam etwas unternehmen, gemeinsam etwas leisten", erklärt der Tennengauer. Gemeinsam verarbeiten müsse man auch schwierige Einsätze. "Im Kopf bleiben dabei leider jene Situationen, in denen wir nicht mehr helfen können", erinnert er sich insbesondere an das tragische Busunglück am Dürrnberg im Jahr 2004 zurück. Damals starben fünf Menschen, 43 weitere wurden verletzt. "Das ist zwar schon einige Jahre her. So etwas vergisst man aber nicht. Solange ich beschäftigt bin, kann ich das, was ich an der Unfallstelle sehe, ausblenden. Man funktioniert. Die Abläufe, die jahrelang in den Übungen antrainiert werden, spult man nahezu automatisch ab. Was passiert ist, realisiert man erst danach." Die Gruppendynamik innerhalb der Feuerwehr lasse aber niemanden zurück. "Wir helfen uns gegenseitig. Egoismus hat in der Feuerwehr keinen Platz", so der Floriani.

Seine Söhne tragen das Familienerbe Ehrenamt inzwischen in vierter Generation weiter. So ist der Älteste (23 Jahre) beim Roten Kreuz aktiv, der Mittlere (13 Jahre) engagiert sich bei der Feuerwehrjugend in Adnet, und auch der Jüngste (11 Jahre) steht bereits in den Startlöchern. "Die Entscheidung, ob Rotes Kreuz oder doch die Feuerwehr, ist allerdings noch nicht gefallen", schmunzelt Günter Trinker.    

(Quelle: SALZBURG24)

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