Jetzt Live
Startseite Salzburg
Sorgenkind britische Variante

Steuern wir auf harten Lockdown zu?

Salzburger Experte für mehr Corona-Tests in Betrieben

Corona-Lockdown Pixabay
Der Salzburger Informatiker Robert Elsässer hat mit seinem Team festgestellt, dass unter anderem mehr Corona-Tests in Betrieben helfen könnten, einen harten Lockdown abzuwenden. (SYMBOLBILD)

Besorgt über die rasante Ausbreitung der ansteckenderen britischen Mutationsvariante zeigt sich der Salzburger Informatiker Robert Elsässer. Er hat mithilfe einer Simulation herausgefunden, dass vermutlich nur mit konsequenten Tests und "eisener Disziplin" ein harter Lockdown verhindert werden kann.

Robert Elsässer und mehrere Mitglieder seines Teams an der Universität Salzburg haben die britische Virusvariante mit einer erhöhten Infektiosität von 25 bis 50 Prozent ihrer neuesten Simulation zugrunde gelegt. „Im Anschluss an die Simulationen, die wir Anfang Jänner bezüglich des weichen Lockdowns noch ohne Berücksichtigung der britischen Variante durchgeführt haben, haben wir das Simulations-Framework nun so erweitert, dass wir auch den derzeit umgesetzten Lockdown simulieren können“, sagt Elsässer.

Britische Virusmutation im Fokus

Die Informatiker konzentrierten sich auf die Übertragung der britischen Virusvariante in Schulen, Familien und an Arbeitsplätzen. Um die unterschiedlichen Verbreitungsmuster zu erfassen, wurde eine Reihe von Parametern variiert, wie zum Beispiel das Ausmaß von Distance Learning, der Anteil von Homeoffice oder die Wahrscheinlichkeit, mit der eine Person zuhause eine andere zuhause ansteckt.

Mehr Corona-Tests in Betrieben nötig

„Wenn man optimistische Szenarien zugrunde legt, dann könnten die Maßnahmen durchaus wirken, vorausgesetzt die Menschen halten sich mit eiserner Disziplin an die jetzigen Regeln. Mit wenig aufwendigen Nachschärfungen wie häufigem Testen in allen Betrieben könnte man im Moment noch die Situation in den Griff bekommen.

Harter Lockdown könnte drohen

Doch wenn die Zahlen in die Höhe schnellen und die Krankenhäuser an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, wird man einen neuerlichen harten Lockdown wahrscheinlich nicht mehr vermeiden können,“ so Robert Elsässer.

Uni Salzburg, Informatik, Robert Elsässer Kolarik
Die Informatiker um Robert Elsässer an der Uni Salzburg konzentrieren sich auf die Übertragung der britischen Virus-Variante in Schulen, Familien und an Arbeitsplätzen.

Strategie in Schulen wirkt

Bezüglich des Infektionsgeschehens in den Schulen zeichnen die Simulationen eine günstige Entwicklung. Die Forscher beobachten, dass insbesondere die wöchentlichen Tests in den Schulen eine nicht zu unterschätzende Wirkung haben. „Man erkennt, dass im Gegensatz zum weichen Lockdown im November innerhalb der Schulklassen meist keine Wellen gebildet werden, sondern die Weitergabe der Infektion relativ zügig unterbunden wird. Selbst wenn man lediglich von 50 Prozent Treffsicherheit in Bezug auf das Erkennen einer Infektion ausgeht, lassen sich dank dieser Tests längere Infektionsketten und Clusterbildungen in den Schulen gut unter Kontrolle bringen, vorausgesetzt man ist sehr konsequent bei der Umsetzung der Quarantänemaßnahmen“ sagt Elsässer.

Mehr Ansteckungen in Büros

In Betrieben führe jedoch die erhöhte Infektionswahrscheinlichkeit durch die britische Mutationsvariante zu einem vermehrten Infektionsgeschehen – gerade in den Büros, die von mehreren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern geteilt werden. „Daher wären aus unserer Sicht in denjenigen Betrieben, in denen die Mitarbeiter keine Homeoffice-Möglichkeiten haben, wöchentlich mehrere Testungen notwendig, um die Ausbreitung der Infektion in den Griff zu bekommen,“ schlussfolgert Elsässer, fügt aber sogleich hinzu, dass er nicht beurteilen könne, ob eine solche Maßnahme wirtschaftlich und gesellschaftspolitisch umgesetzt werden kann. „Aber falls sich eine solche Maßnahme umsetzen ließe, könnte damit eine stetige Steigerung der Neuinfektionen wahrscheinlich verhindert werden.“

Für die Modellierung der Infektionswahrscheinlichkeit in Schulen griffen die Forscher auf die existierende Fachliteratur bezüglich der Übertragung von Covid-19 unter Kindern zurück. Die Übertragungswahrscheinlichkeit in den Familien wurde mit empirischen Werten abgeschätzt, die auf entsprechenden Statistiken beruhen. „Am Arbeitsplatz sind wir davon ausgegangen, dass Tröpfcheninfektion mit Hilfe geeigneter Maßnahmen wie Trennglas zwischen den Arbeitsplätzen verhindert wird. Wir haben ausschließlich die Übertragung der Krankheit durch Aerosole - mit einem Durchmesser von höchstens 5 Mikrometern - berücksichtigt. Zudem standen uns diesmal auch aktuelle Daten zu den Homeoffice-Zahlen in Österreich zur Verfügung“, erläutert der Informatiker.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 17.04.2021 um 11:09 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/harter-lockdown-durch-mehr-corona-tests-in-betrieben-vermeidbar-101094466

Kommentare

Mehr zum Thema