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Hass-Posts: Warum lässt Facebook die öffentliche Hetze zu?

Das Soziale Netzwerk Facebook gerät derzeit in die Kritik, da die Social Media-Plattform hetzerische Posts kaum löscht oder zensiert. Bei einem Mann in Deutschland stand am Samstag die Polizei vor der Tür, weil er unter das Foto des Flüchtlingskindes Aylan einen Hass-Kommentar abgegeben hatte. Warum zensiert Facebook derartige Posts nicht sofort? Wir haben mit Ursula Maier-Rabler vom ICT&S Center in Salzburg gesprochen.

Unter dem Bild des Flüchtlingsjungen habe der Berliner die folgenden Worte auf Facebook gepostet, wie die Morgenpost berichtete: „WIR TRAUERN NICHT SONDERN WIR FEIERN. Nur ein Flüchtling, ein Flüchtling ist zu wenig: Das Meer hat schon mehr Flüchtlinge geschluckt". Das Foto des toten syrischen Jungen am Strand ging um die Welt. Erst durch das Aufgreifen einer Berliner Zeitung wurde der Fall bekannt und Facebook reagierte.

Benjamin S. postete einen Hass-Kommentar zum ertrunkenen Flüchtlingskind Aylan. Nun stand die Polizei vor seiner Tür.

Posted by Berliner Morgenpost on Samstag, 5. September 2015

Facebook im Zwiespalt

„Für Facebook sei die Entscheidung nicht einfach, welche Posts gelöscht gehören“, wie Ursula Maier-Rabler im Gespräch mit SALZBURG24 meint. Das global agierende Netzwerk könne die Posts und die Wichtigkeit der Situation in Europa nicht einschätzen. Die Flüchtlingsdebatte sei derzeit ein europäisches Problem. In der amerikanischen Kultur sei die Thematik kaum bis gar nicht präsent. Beim Thema Pornographie beispielsweise, sehe das anders aus. „Hier konnten sich alle Nationen auf die Bekämpfung pornografischer Inhalte einigen“, wie Maier-Rabler erklärt.

Counter-Speech-Prinzip

Facebook setze bei seinen Inhalten auf das Counter-Speech-Prinzip, das sogenannte Selbst-Regulativ-Gesetz des Internets. Damit ist gemeint, dass die Menschen Gegen-Posts zu den Hass-Beiträgen verbreiten sollen. „Das Problem hier ist die schweigende Mehrheit, die sich nicht meldet. Von diesem Prinzip halte ich nichts“, positioniert sich Maier-Rabler klar. Für Facebook sei das Prinzip ein willkommenes Alibi. „Das Netzwerk ist so aus dem Schneider und hat gleichzeitig weniger Aufwand mit der Fülle an Posts“, so Ursula Maier-Rabler.

Facebook-Gruppen gegen rassistische Posts

Eine Art der Gegenwehr auf Facebook nach dem Counter-Speech-Prinzip, sind Gruppen, die bewusst gegen rassistische und rechtsradikale Posts vorgehen und diese melden. In weiterer Folge werden die Posts dem Verfassungsschutz gemeldet und entsprechend verfolgt. Ein Beispiel ist ein Lehrling aus Wels, dessen Post gegen ein syrisches Mädchen die Lehrstelle kostete. User, die sich bewusst gegen Hetz-Kommentare wehren, sind wenige.

Diskussion auf UNO-Ebene

Aber wer soll nun mit Facebook über das Problem der Hetz-Posts verhandeln? Maier-Rabler findet, man müsse die Diskussion auf UNO-Ebene bringen. Erst dann sei der Rahmen gegeben, um eine mögliche Änderung der bestehenden Richtlinien zu fördern. Auch das weltweite Tabu von Kinderpornographie konnte so durchgesetzt werden.

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(Quelle: S24)

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