Jetzt Live
Startseite Salzburg
Nach 30 Jahren Politik

Das glücklose Ende eines Polit-Pragmatikers

Was Schellhorn in der Landesregierung erreicht hat

Heinrich Schellhorn APA/FRANZ NEUMAYR
Der Salzburger Sozialreferent und Landessprecher der Grünen, LHStv. Heinrich Schellhorn, hat am Freitag seinen Rücktritt angekündigt. Im Bild: Heinrich Schellhorn im Rahmen der Pressekonferenz zu seinem Rücktritt, am Freitag, 23. September 2022 in Salzburg. 

Mit dem Rücktritt von Heinrich Schellhorn (61) als Grünen-Chef und LHStv. verliert die Öko-Partei nun einen ihrer erfahrensten Politiker. Der gebürtige Tiroler blickt auf drei Jahrzehnte in der Politik zurück.

Mit Heinrich Schellhorn tritt nicht nur ein Mitglied der Salzburger Landesregierung und der Chef der Grünen im Bundesland zurück: Die Öko-Partei verliert unzweifelhaft einen der erfahrensten Politiker in ihren Reihen. Der gebürtige Tiroler war Ende der 1980er-Jahre in seiner Wahlheimat Hallein erstmals mit einer grünnahen Bürgerliste in Kontakt geraten. Seine Karriere führte ihn schließlich bis an die Spitze der Partei. Nun muss er vorzeitig den Hut nehmen.

Heinrich Schellhorn APA/FRANZ NEUMAYR
Der Salzburger Sozialreferent und Landessprecher der Grünen, LHStv. Heinrich Schellhorn, hat am Freitag seinen Rücktritt angekündigt. Im Bild: Heinrich Schellhorn im Rahmen der Pressekonferenz zu seinem Rücktritt, am Freitag, 23. September 2022 in Salzburg. 

Schellhorn begann 1992 als Gemeinderat

Schellhorn blickt auf drei Jahrzehnte in der Politik zurück. Ab 1992 saß der Rechtsanwalt erstmals als Ein-Mann-Fraktion im Gemeinderat von Hallein, ab 1994 war er fünf Jahre lang Stadtrat für Raumordnung und von 1999 bis 2004 Stadtrat für Kultur und Jugend. Nach Verlusten bei der Wahl 2004 schied er aus der Stadtpolitik aus. Im Jahr 1999 wäre er überdies schon fast einmal an der Spitze der Partei gestanden. Damals hätte er die Grünen als Spitzenkandidat in die Landtagswahl führen sollen. Doch ein Parteisekretär "putschte" sich mit der Hilfe kurzfristig rekrutierter neuer Parteimitglieder auf den ersten Listenplatz und verhinderte die Wahl. Die drohende Parteispaltung konnte damals nur durch einen Kompromisskandidaten abgewendet werden.

Landeshauptmannstellvertreter seit 2018

2005 wurde Schellhorn Vorstandsmitglied und Finanzreferent der Salzburger Grünen. Nach dem großen Wahlerfolg 2013 im Soge des Salzburger Finanzskandals wurde er Landesrat für Soziales, Pflege, Kultur, Volkskultur und Museen. Nach den starken Verlusten bei der Wahl 2018 verblieb er als einziger von drei grünen Regierungsmitgliedern in der Landesregierung und hatte das Amt eines der beiden Landeshauptmannstellvertreter inne. Seine Aufgaben wurden um die der Museen reduziert, dafür kamen die Agenden für Umwelt- und Klimaschutz und Energie hinzu. Gleichzeitig wurde er nach dem Rücktritt der damaligen Parteichefin und heutigen Nationalratsabgeordneten Astrid Rössler Ende 2018 zum neuen Landessprecher der Salzburger Grünen gewählt.

Kulturaffin, gut gelaunt und hartnäckig

Schellhorn gilt als gelassener Pragmatiker, den nichts so schnell aus der Ruhe bringt, zugleich aber als hartnäckig und durchsetzungsfähig - auch wenn es um eigene Interessen geht. Er lacht gerne und laut, hat aber bei Verhandlungen Steherqualitäten bewiesen. Dass der kulturaffine Politiker den Konflikt nicht scheut, zeigte er zuletzt etwa bei seinem Veto gegen die Erweiterung des Einkaufszentrums Europark, um Geschäfte in den Ortskernen zu schützen.

Das hat Schellhorn umgesetzt

Als Landesrat brachte er nicht nur das neue Kinder- und Jugendhilfegesetz, den Salzburger Kulturentwicklungsplan, den Salzburger Landeskulturbeirat und ein "fair-pay"-Modell für Kulturarbeiter auf Schiene. Er machte sich zudem für die freie Kulturszene und die Kulturangebote am Land stark. Im Sozialbereich wurden unter anderem Entlastungsangebotes für pflegende Angehörige eingeführt, die persönliche Assistenz für behinderte Menschen oder die Pflegeberatung ausgebaut. Im Umweltbereich wurde etwa der unter ihm eingeführte Reparaturbonus vom Bund übernommen.

Es gilt als kein Geheimnis, dass Schellhorn noch gerne eine Legislaturperiode im Amt geblieben wäre - nun aber stolperte er als politisch verantwortliches Regierungsmitglied über den Salzburger Pflegeskandal. Es wäre aber nicht Schellhorn, könnte er dieser Tatsache nicht auch etwas Positives abgewinnen: So bleibe ihm wieder mehr Zeit mit seiner Frau, meinte er in der Rücktrittserklärung.

Rücktrittserklärung zum Nachlesen

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 26.09.2022 um 01:44 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/heinrich-schellhorn-glueckloses-ende-eines-polit-pragmatikers-127438876

Kommentare

r_hutyaq

Bleibt die Frage, warum "das" übersehen wurde!

r_hutyaq

Bleibt die Frage, Warum "das" übersehen wurde!

FKR

demokratie oder???

Kommentare anzeigen K Kommentare ausblenden Esc Teile uns deine Meinung mit.

Mehr zum Thema