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Salzburger Pflege-Skandal

Martina Berthold folgt auf LHStv. Schellhorn

Stadträtin wird Parteichefin und Spitzenkandidatin für die Landtagswahl

Landeshauptmann-Stellvertreter und Salzburgs Grünen-Chef Heinrich Schellhorn ist heute von seinen Ämtern zurückgetreten. Damit zieht er eigenen Aussagen zufolge die Konsequenzen aus dem zuletzt öffentlich gewordenen Skandal im Senecura-Pflegeheim in Salzburg-Lehen. Bürgerlisten-Stadträtin Martina Berthold folgt ihm nach.

Der Salzburger Sozialreferent und Landessprecher der Grünen, LHStv. Heinrich Schellhorn, hat am Freitag seinen Rücktritt angekündigt. Wie der 61-Jährige am Nachmittag in einer Pressekonferenz sagte, ziehe er damit die Konsequenzen für die vor zwei Wochen bekannt gewordenen Missstände in einem Senecura-Pflegeheim in der Stadt Salzburg. Über seine Nachfolge wurde am Abend entschieden: Stadträtin Martina Berthold (52) übernimmt. Die Amtsübergabe soll am 9. November erfolgen.

Mit Tränen in den Augen gab er heute sein Statement vor der Presse ab. Wir waren für euch dabei.

Schellhorn: "Viel Vertrauen verloren gegangen"

In seiner persönlichen Erklärung hat Schellhorn zuallererst betont, dass ihn die Vorfälle bei Senecura beschäftigen, seit er im April den Dringlichkeitsbericht der Volksanwaltschaft bekommen hat. „Das, was darin geschildert wurde, hat mich erschüttert und das darf nicht passieren“, so Schellhorn.

„Politische Verantwortung heißt für mich Hinschauen, Zuhören, Anpacken, Schützen, Verändern. Dafür werden wir Politiker und Politikerinnen gewählt. Dazu gehört, Verantwortung zu übernehmen, wenn Fehler passieren und wenn Schutzmechanismen nicht ausreichend waren. Verantwortung zu übernehmen, heißt für mich auch zu erkennen, dass man nicht mehr stark genug ist. In der Politik muss man fest verankert sein und Vertrauen bekommen, um etwas bewegen zu können. Ich habe feststellen müssen: Durch die Vorfälle bei Senecura ist viel Vertrauen verloren gegangen. Vertrauen in Pflegerichtungen, aber auch Vertrauen in die Politik selbst. Auch das Vertrauen mir gegenüber ist nicht mehr im nötigen Umfang gegeben“, so Schellhorn in seiner persönlichen Erklärung.

Berthold folgt auf Schellhorn und wird Spitzenkandidatin

Auf Schellhorn folgt die Salzburger Bürgerlisten-Stadträtin Martina Berthold. Sie saß bereits von 2013 bis 2018 eine Legislaturperiode lang als Landesrätin in der Landesregierung. Wie in einer Pressekonferenz am Abend mitgeteilt wurde, hat sich der Landesausschuss der Grünen – das zweithöchste Parteigremium – einstimmig dafür ausgesprochen, dass die 52-Jährige Schellhorns Funktionen übernimmt.

Die grüne Landesversammlung muss den Wechsel am 29. Oktober allerdings noch offiziell absegnen: Berthold soll dann nicht nur LHStv., sondern auch neue Landessprecherin und Spitzenkandidatin für die anstehende Landtagswahl am 23. April 2022 werden.

Ich möchte Heinrich Schellhorn meinen Dank für sein jahrzehntelanges Engagement für das Land Salzburg und die Grünen...

Gepostet von Martina Berthold am Freitag, 23. September 2022

„Mit Martina Berthold ist eine erfahrene und krisenerprobte Politikerin bereit, das Amt als Landeshauptmann-Stellvertreterin und Chefin der Grünen Salzburg zu übernehmen“, teilt Simon Heilig-Hofbauer, Landesgeschäftsführer der Grünen Salzburg am Abend mit. „Martina Berthold zeichnet sich durch Kompetenz, Sachverstand und Empathie aus. Mit ihrer Erfahrung werden ein guter Übergang und Stabilität in schwierigen Zeiten sichergestellt“, ergänzt Heilig-Hofbauer. „Ich wünsche Martina für die neue Aufgabe alles Gute und sichere ihr unsere volle Unterstützung zu!“

Meldungsliste(1)(33).jpg APA/FRANZ NEUMAYR
Salzburgs Grüne in früheren Zeiten: Heinrich Schellhorn, Martina Berthold und Astrid Rössler (im Bild von links) am  03. Mai 2018 vor Beginn der Koalitionsverhandlungen zwischen ÖVP, Grünen und NEOS in Salzburg.

Herausforderung für Salzburgs Grüne

Die Personalrochade stellt die Grünen im Bundesland vor der Landtagswahl vor große Herausforderungen. Schellhorn war erst am 2. Juli bei der Landesversammlung mit über 91 Prozent der Stimmen zum Spitzenkandidaten gewählt worden. Nicht ganz so hoch war die Zustimmung bei seiner (Wieder-)Wahl zum Landeschef Mitte Jänner 2022. Die knapp über 83 Prozent waren deutlich weniger als die fast 97 Prozent vom November 2018.

Koalitionspartner im Vorfeld informiert

Die beiden Koalitionspartner ÖVP und NEOS sowie Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) sind im Vorfeld von Schellhorn über seinen Rücktritt informiert worden. "Wir haben in der Regierung gut zusammengearbeitet und uns auch menschlich gut verstanden", sagte Haslauer in einer ersten Reaktion. Schellhorn habe aber offenbar der parteiinterne Rückhalt bei den Grünen gefehlt. Auch Neos-Landesrätin Andrea Klambauer bedankte sich für die gute Zusammenarbeit. Sie schätze sein fröhliches Wesen und seine Verlässlichkeit, sagte sie über Schellhorn. "Von seiner Nachfolgerin erwarte ich, dass die Energiewende in Salzburg kraftvoll vorangetrieben wird und wir bald ein erstes Windrad in Salzburg haben", forderte die Neos-Chefin raschere Lösungen in diesem Bereich.

Weitere Reaktionen auf Schellhorns Rücktritt

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(Quelle: APA/SALZBURG24)

Aufgerufen am 24.09.2022 um 07:50 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/heinrich-schellhorn-tritt-zurueck-martina-berthold-folgt-127426777

Kommentare

Siegfried1968

Die Frage ist auch, wie es mit den Konsequenzen im Amt aussieht. Da gibt es ja jede Menge Beamte und Spitzenbeamte, die eigentlich dafür zuständig waren. Schellhorn trägt die politische Verantwortung, aber wer die disziplinarische?

networld

vom regen in die traufe mit berthold

Al2222

Hat die Psychologin dort im Senecurahaus in Lehen nichts mitbekommen von den Missständen? Warum hat AUCH sie nichts dagegen unternommen?

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