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Interview zum Welt-Herztag

Wie ihr Herzinfarkt und Schlaganfall vorbeugt

Primaria Hoppe: "Die Gefäße naschen immer mit"

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Bei einem Herzinfarkt braucht der Betroffene schnelle medizinische Hilfe. (SYMBOLBILD)

Ein Herzinfarkt oder Schlaganfall kommt zwar vermeintlich plötzlich, passiert aber oftmals gar nicht so überraschend: Denn es gibt zahlreiche Risikofaktoren für das Herz und die Gefäße, die einfach zu minimieren sind, erklärt Primarärztin Prof. Uta Hoppe zum heutigen Welt-Herztag gegenüber SALZBURG24.

Mit über 1.700 Verstorbenen im Jahr 2020 wird ein Drittel aller Todesfälle im Land Salzburg laut Statistik Austria den Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems zugeordnet. Bei unseren Nachbarn in Deutschland waren kardiovaskuläre Erkrankungen im Jahr 2019 für 35 Prozent aller Todesfälle verantwortlich. "Weltweit ist es die Todesursache Nummer eins – noch vor Krebs", sagt Primaria Prof. Dr. Uta Hoppe, Kardiologin und Vorstandschefin der Salzburger Landeskliniken (SALK) für Innere Medizin, im Interview mit S24.

SALZBURG24: Was ist ein Herzinfarkt bzw. Schlaganfall?

PROF. DR. UTA HOPPE: Im weitesten Sinne handelt es sich beim Herzinfarkt und Schlaganfall um Erkrankungen im Gefäßsystem. Zwar ist die Symptomatik unterschiedlich, die Risikofaktoren sind jedoch sehr ähnlich.

Was gibt es für Risikofaktoren?

Übergewicht steht in Zusammenhang mit einem erhöhten Herzinfarkt-Risiko. Und Übergewicht geht oft einher mit weiteren Risikofaktoren, wie einem erhöhten Cholesterinspiegel, Diabetes oder grundsätzlichem Bewegungsmangel. Bluthochdruck zählt auch zu den Risikofaktoren, die etwa einen Schlaganfall begünstigt. Genauso wie das Rauchen, dessen gesundheitliche Folgen vor allem die Beingefäße betreffen. Darüber hinaus gibt es auch genetische Faktoren, also familiäre Veranlagungen. Solche Risikofaktoren werden oft unterschätzt oder bleiben jahrelang unbemerkt und können die Gefäße dauerhaft schädigen.

Was passiert konkret bei dieser kardiovaskulären Erkrankung?

Ein Herzinfarkt entsteht, wenn ein oder mehrere Herzkranzgefäße aufgrund von Risikofaktoren durch Blutgerinnsel verschlossen werden. Bei einer solchen Arteriosklerose entstehen in den Blutgefäßen Ablagerungen aus Fett und Kalk, die Plaques genannt werden. Dadurch verengt sich die innere Öffnung der Gefäßwand, wodurch das Blut schlechter durchströmen kann und es zu Durchblutungsstörungen kommt. Die Folge bei einer Nichtbehandlung ist das Sterben des betroffenen Herzmuskels und der Tod des Patienten. Je länger die Blutversorgung unterbrochen ist, desto massiver ist der Schaden.

Wie bemerkt man einen Herzinfarkt?

Ein Herzinfarkt äußert sich weniger durch ein Kribbeln im linken Arm, sondern eher durch ein Zwicken oder Drücken. Dazu kommen starke, dumpfe Schmerzen in der Brust, die bis auf den Rücken oder in den Kiefer ausstrahlen können. Bei Frauen kann sich ein Herzinfarkt durchaus mit atypischen Symptomen ankündigen, wie Atemnot, starken Bauchschmerzen, Übelkeit und Erschöpfung.

Bei der Behandlung – das gilt wieder für beide Geschlechter – muss das betroffene Gefäß so schnell wie möglich geöffnet und ein Stent eingesetzt werden. Anschließend ist dank der Fortschritte der Medizin ein Leben mit körperlicher Belastung und ohne Einschränkungen sehr gut möglich.

Und wie schaut es beim Schlaganfall aus?

Bei einem Schlaganfall werden bestimmte Bereiche des Gehirns nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt, was zu einem plötzlichen Ausfall bestimmter Gehirnfunktionen führt. Von einer Hirnblutung spricht man hingegen, wenn ein Gefäß im Gehirn platzt.

Und hier ist das Zeitfenster für eine medizinische Behandlung noch kürzer als beim Herzinfarkt. Es werden Medikamente verabreicht, die das Blutgerinnsel auflösen sollen. Bei einer verminderten Durchblutung sterben so viele Gehirnzellen ab, dass bleibende Schäden, wie Lähmungen oder massive Sprachstörungen, auftreten. Nach einem klassischen Schlaganfall kann der Patient oft eine Köperhälfte gar nicht oder nur noch sehr eingeschränkt bewegen. Das Risiko nach einem Schlaganfall einen weiteren zu erleiden, ist sehr hoch.

Welchen Einfluss hat Corona auf kardiovaskuläre Erkrankungen?

Wir werden wohl mit einer zeitlichen Verzögerung sehen, dass da ein Problem auf uns zukommen kann. Die Lockdowns waren bei vielen Menschen gekennzeichnet durch Bewegungsmangel, was sich oft aufs Übergewicht niedergeschlagen hat. Die Gefäße naschen beim Essen immer mit, weshalb Bewegung der Schlüssel zur Prävention ist. Körperliche Aktivität beeinflusst alle Risikofaktoren positiv.

symb_Übergewicht, symb_Adipositas, APA/dpa/Peter Steffen
(SYMBOLBILD)

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Nachdenklich macht mich deshalb auch die Situation bei den Kindern. Adipositas beobachten wir immer öfter bei den Jüngeren und die Langzeitschäden, wie Diabetes oder eine Fettleber, sind gravierend. Das erhöht das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erheblich.

Vielen Dank für das Gespräch.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 22.10.2021 um 12:57 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/herzinfarkt-und-schlaganfall-vorbeugen-interview-mit-uta-hoppe-110172799

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