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Hitze gefährdet Fische

Saibling im Irrsee ausgestorben

Irrsee, Angler, Fischen, SB Neumayr/ARCHIV
Am Irrsee ist der Saibling bereits ausgestorben, er ist in Salzburg besonders bedroht.

Die aktuelle Hitzewelle ist in ganz Salzburg spürbar. Doch nicht nur an Land, auch unter Wasser sind die steigenden Temperaturen messbar. Während sich Badegäste über die warmen Seen freuen, ist genau das für heimische Fische eine Bedrohung.

Daten des Hydrographischen Diensts des Umweltministeriums in Wien zeigen, dass sich die Seen von 1986 bis 2016 im Jahresschnitt um 0,02 bis 0,06 Grad Celsius erwärmt haben. An der Wasseroberfläche sind es bei den heimischen Seen somit heute etwa zwei Grad mehr als vor 40 Jahren, erklärt Martin Luger vom Bundesamt für Wasserwirtschaft, Institut für Gewässerökologie und Fischereiwirtschaft in Scharfling am benachbarten Mondsee (Bez. Vöcklabruck).

Klimawandel lässt See-Temperatur steigen

Ab 20 Metern Tiefe hat das Wasser allerdings immer noch ganzjährig etwa vier bis sechs Grad. Mit der Klimaerwärmung wird der Temperaturunterschied im See zwischen Oberflächen- und Tiefenwasser immer größer. Dies spielt vor allem in Hinblick auf die sogenannte Schichtung und Durchmischung eine entscheidende Rolle. Seen können nur bei etwa gleicher Temperatur – vier bis sechs Grad – von der Oberfläche bis zum Grund durchmischen. Das passiert im Frühling sowie im Herbst und im Winter.

Zu wenig Sauerstoff für Fische

Im Sommer sind die Seen durch den großen Temperaturunterschied geschichtet und es findet kein Wasseraustausch zwischen oben und unten statt. Es kommt also kein Sauerstoff mehr in tiefe Schichten. „Durch den Klimawandel hat sich die Schichtungszeit um bis zu fünf Wochen verlängert, der Sauerstoff in der Tiefe wird dramatisch weniger“, erläutert Luger gegenüber SALZBURG24. Einige Fischarten stehen vor einem Dilemma: Unten zu wenig Sauerstoff, oben zu warmes Wasser.

Saibling in Salzburg besonders bedroht

Genau das sei vor allem für die forellenverwandten Fischarten – Saiblinge, Seeforellen und Reinanken – ein Problem. Sie verlieren so ihren bevorzugten Lebensraum oder haben ihn verloren. Besonders betroffen ist der, auch in Salzburg weit verbreitete, Seesaibling. In der Tiefe ist er normalerweise die dominante Fischart „Die Auswirkungen speziell auf den Seesaibling sind bereits dramatisch“, schildert Luger.

„Als Forellenverwandter hat er einen sehr hohen Sauerstoffbedarf. Und in oberen Wasserbereichen, wo der Sauerstoff vorhanden ist, ist die Temperatur zu hoch“, weiß der Experte. Ab 22 Grad stirbt der Seesaibling. Zum Vergleich: In Salzburg ist der Wolfgangsee (Flachgau) mit 21,5 Grad der einzige See, der noch unter diesem Wert liegt. Der Wallersee (Flachgau) hat im Moment 26,5 Grad (Stand Freitag, 12.15 Uhr).

Saiblinge im Irrsee ausgestorben

Dramatische Auswirkungen hat diese Entwicklung vor allem in seichteren Seen bis etwa 30 Meter Wassertiefe. Luger verdeutlicht: „Am Irrsee sind bis in die 60er-Jahre jährlich drei bis sechs Tonnen Saiblinge gefangen worden. Mittlerweile findet diese Fischart dort keinen ganzjährigen Lebensraum mehr und gilt als ausgestorben.“

Sterben die Fische, betrifft das auch die Fischerei: „Reinanken und Seesaiblinge sind die Hauptwirtschaftsfische für die Berufsfischer an unseren Seen.“ In Seen, die tiefer als 40 Meter sind, wird es für die kälteliebenden Fische noch viele Jahre ein Refugium geben. Geht es aber so weiter, werde es auch die irgendwann treffen.

Allerdings gäbe es auch Gewinner dieser Entwicklung, fügt Luger hinzu. Die barsch- und karpfenverwandten Fische, oder etwa auch der Wels, mögen es wärmer. Ihr Lebensraum wird größer. Ebenso jener von bestimmten Algen. „Für wen die Bedingungen passen, der setzt sich in der Natur durch.“

Luger: Erderwärmung begrenzen"

Ein Ende des Temperaturanstiegs ist laut Hydrografischen Dienstes derzeit nicht in Sicht. Messdaten der vergangenen Jahre zeigen: Die Wasser- als auch die Lufttemperatur würden sich weiterhin ungebremst erhöhen.

Die Folgen seien noch nicht abschätzbar: „Der See ist ein komplexes Ökosystem. Wir sehen, dass es massive Veränderungen gibt und können nur beobachten, mit dem Verstehen der Zusammenhänge hinken wir der Natur aber zum Teil hinten nach.“ Unternehmen kann man gegen diese Entwicklung nicht viel, sagt Luger: „Wir können nur schauen, dass wir unsere Klimaziele erreichen und die Erderwärmung begrenzen.“

(Quelle: SALZBURG24)

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