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Hoffnung trotz Ungewissheit

Wie Salzburgs Hüttenwirte in den Sommer blicken

"Was heute gesagt wird, kann sich morgen wieder ändern"

Pofesen-Jause auf der Genneralm APA/BARBARA GINDL
Bleiben die von der Regierung angekündigten Öffnungsschritte aufrecht, können sich Gäste bald schon wieder Pofesen und andere Schmankerl von Salzburgs Hüttenwirten schmecken lassen. 

Ausflüge auf Salzburgs Almhütten oder Berggasthöfe können eine willkommene Abwechslung zum sonst oft tristen Corona-Alltag sein. Die vergangenen Monate waren für die Wirte jedoch von Ungewissheit geprägt. Wird ein Sommer mit Gästen überhaupt möglich sein? Wir haben uns im Land umgehört.

„Weil wir selbst produzieren, sind wir natürlich froh, wenn wir endlich wieder aufsperren können. Denn wir bleiben sonst auf vielen Lebensmitteln sitzen. Das Fleisch vom Winter ist noch im Tiefkühler“, schildert Brigitte Rohrmoser, Chefin des Berggasthofs Loosbühelalm in Großarl (Pongau), im Gespräch mit SALZBURG24. Auch für die Angestellten sei die Lage belastend. Im Sommer sind laut Rohrmoser zwischen zehn und zwölf Mitarbeiter im Betrieb beschäftigt.

 

Einnahmen von Tagestouristen zu gering

Damit diese weiterhin bezahlt werden können, sei man auf die Nächtigungen angewiesen: „Allein mit den Tagestouristen haben wir nicht genug Einnahmen, um das Personal zu bezahlen“, erklärt die Hüttenwirtin. Die Ungewissheit sei zwar belastend: „Was heute gesagt wird, kann sich morgen schon wieder ändern.“ Dennoch blickt Rohrmoser zuversichtlich in Richtung Sommer, auch wenn sie mit strengen Corona-Auflagen rechnet. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) kündigte vergangenen Freitag Öffnungsschritte ab dem 19. Mai an. Für einen Besuch im Gasthaus ist aus derzeitiger Sicht etwa ein "Grüner Pass" nötig, sprich man muss geimpft, genesen oder getestet sein. Das umfassende Dokument selbst wird aus jetziger Sicht jedoch wohl noch nicht im Mai umgesetzt. Ein normales Testergebnis, der Nachweis einer überstandenen Corona-Infektion oder ein Eintrag im Impfpass sollen vorübergehend ausreichen.

symb_Öffnungskommission, Kurz, APA/HELMUT FOHRINGER
Die Pressekonferenz nach Verhandlungen der Öffnungskommission über Öffnungen im Mai im Weltmuseum in Wien.

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"Gäste halten sich an Maßnahmen"

Dafür, dass die Gastronomie erst jetzt öffnen durfte, hat Theresia Dorfer, Seniorchefin des Almgasthauses Schliereralm in Zederhaus (Lungau), wenig Verständnis: „Ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum die Gastro eigentlich als letztes drankommt, obwohl dort wenige Corona-Fälle auftreten. Im Sommer hatten wir überhaupt keine Probleme und die Gäste halten sich ja an die Maßnahmen und tragen Masken wenn sie vom Tisch aufstehen.“

Personal verzweifelt wegen Unsicherheit

Viele Gäste würden auch gerne für mehrere Tage auf der Alm bleiben: „Leute bleiben oft gern eine, zwei oder drei Nächte bei uns.“ Ob das heuer möglich sein wird, ist schwer vorauszusagen. Auch bei den Mitarbeitern hinterlasse Corona Spuren: „Eine Kellnerin ist uns leider abhanden gekommen. Sie war aufgrund der Lage schon sehr verzweifelt. Eigentlich wollte sie einen Job finden, um den Winter zu überbrücken. Jetzt beginnt dieser aber erst im Mai, und das ist eigentlich genau die Zeit, in der wir normalerweise aufsperren.“ 

Melken auf der Alm ohne Gäste zu teuer

Auf der Genneralm in Hintersee (Flachgau) liegt derzeit noch Schnee, eine Öffnung ist laut Almbewirtschafter Franz Mösenbichler wahrscheinlich erst ab der ersten Juniwoche möglich. Auf der Reithütte werden Gäste mit jenen Produkten versorgt, die selbst auf der Alm produziert werden. Außerdem bieten Mösenbichler und seine Frau Nächtigungen in Zwei- bis Vierbettzimmern oder in einer Selbstversorgerhütte mit Platz für bis zu sechs Personen an. Im Vordergrund stehe zwar der Milchbetrieb, davon allein könne man aber nicht leben: „Wir müssen jeden zweiten Tag mit der Milch hinunter fahren. Fallen die Einnahmen von den Gästen komplett weg, entstehen zu hohe Kosten.“ Ohne die Gäste rentiere sich das Melken auf der Alm nicht mehr, schildert Mösenbichler gegenüber S24.

Er sei zuversichtlich, dass im heurigen Sommer Gäste empfangen werden können: „Letztes Jahr hat es auch funktioniert und ich glaube schon daran, dass die Öffnung hält. Vergangenen Sommer war sogar fast schon zu viel los, es gab viel zu wenige Parkplätze und die Leute strömten schon ab März oder April hinauf, auch wenn noch gar nichts geöffnet hatte.“ 

Einheimische zieht es auf die Almen

Man habe gemerkt, dass viele Einheimische aufgrund der Corona-Lage keine großen Urlaubsreisen unternommen, sondern die freie Zeit zuhause in der Natur verbracht hätten.

 

Martina Rohrmoser ist Juniorchefin der Almhütte auf der Haiben Alm in St. Johann im Pongau und betreibt zusätzlich noch das Gasthaus Gernkogelalm. Der Betrieb mit den Tieren auf der Haiben Alm sei durch Corona nicht eingeschränkt. Die Almsaison startet hier Ende Mai, dann werden zum Beispiel Zäune errichtet und Jungvieh hinauf gebracht. Lediglich die Übernachtungen hängen von den Covid-Regelungen ab: „Wenn Übernachtungen möglich sind, ist das natürlich für uns positiv. Ich hoffe, dass es wie im Vorsommer möglich sein wird, mit Abstand ist das bei uns ja gut möglich.“

"Sitzen auf Bergen von Bier"

Anders sehe die Lage jedoch beim Gasthaus aus: „Es wird spannend, was hier noch alles passiert. Die Wintersachen haben wir noch eingelagert, wir sitzen auf Bergen von Bier“, erklärt Rohrmoser betroffen. Momentan liege noch Schnee, weshalb man noch eine kurze „Verschnaufpause“ habe. Die Ungewissheit belaste aber trotzdem: „Das traurigste ist eigentlich die Sache mit dem Personal. Das sind alles langjährige Mitarbeiter, die uns treu geblieben sind und sie freuen sich schon auf Arbeit.“ Trotz all der Hürden blickt die Juniorchefin optimistisch in Richtung Sommersaison. Und auch aus dem schwierigen Winter nimmt sie etwas Positives mit: „Ich glaube, ich habe seit ich denken kann noch nie so viel Zeit mit meiner Familie verbracht, wie beim Skifahren zum Beispiel oder an Weihnachten.“

Als "gesunder" Betrieb könne man auch eine Durststrecke durchtauchen, bei jenen, die erst neu eröffnet haben, sei die Situation schwieriger, vermutet Rohrmoser. Es sei aber auch gut, wenn das bald wieder vorbei sei.

(Quelle: SALZBURG24)

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