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Harsche Kritik

Salzburger Apotheken für Impfung bereit

Räumlichkeit und Ausbildung entscheidend

20210414_PD11167.HR.jpg APA/Barbara Gindl
Salzburgs Apotheken sind auf eine mögliche Impfaktion vorbereitet. (SYMBOLBILD)

Am Wochenende entstand eine Diskussion darüber, ob Apotheken künftig impfen sollen. Seitens des Gesundheitsministeriums gibt es eine Absage und die Ärztekammer übt Kritik an diesem Angebot. Die Salzburger Apotheken wären jedoch jederzeit bereit, teilt Wolgang Lanner, Vizepräsident der Salzburger Apothekerkammer, im Gespräch mit SALZBURG24 mit.

Derselben Ansicht ist auch die Präsidentin der österreichischen Apothekerkammer, Ulrike Mursch-Edlmayr: Die Apotheken stünden "sofort parat“, um bei der Impfung zu helfen, gab sie am Wochenende gegenüber der APA an. Auch andere Länder wie etwa Frankreich, Großbritannien und Italien verfolgen diese Strategie. Vom Gesundheitsministerium gab es jedoch bereits eine Absage: "Für die aktuellen Phasen der Corona-Schutzimpfung ist ein breites Impfangebot direkt in Apotheken nicht angedacht."

 

Salzburger Apotheker bereit

Salzburgs Apotheken seien jedenfalls bereit, ihren Beitrag zur Impfkampagne zu leisten, wie Lanner mitteilt: "Zurzeit läuft alles sehr schleppend, darum ist unser Angebot sehr sinnvoll." Sie seien bestens darauf vorbereitet. Trotzdem seien nicht alle Apotheken gleich geeignet.

Eine Frage der Kapazität

"In allen Apotheken ist eine Impfung gar nicht möglich, die Räumlichkeiten sind entscheidend", erklärt Lanner. Wegen des Beratungsgespräches und der Impfung müsse der Raum von der Filiale abgetrennt sein. "Es muss eine Sitz- und Liegemöglichkeit geben, falls es zu Komplikationen oder Nachwirkungen kommt." Obwohl die Bereitschaft der Apotheken groß sei, können Filialen ohne zusätzlichen Raum, keine Impfungen anbieten.

Wer darf impfen?

Nicht nur die Räumlichkeiten sind ausschlaggebend, sondern die Apotheker brauchen auch eine entsprechende Ausbildung. "Ich habe selbst auch die Ausbildung in der Schweiz gemacht", schildert Lanner. Das österreichische Rote Kreuz habe diesen Stein ins Rollen gebracht und alles organisiert. "Dort lernt man die richtige Stichtechnik, Notfallmaßnahmen, also wie man mit möglichen Komplikationen umgehen muss und die Durchführung eines Beratungsgespräches."

Wolfgang Lanner, Apothekerkammer, Apotheke, Apothekerkammer Salzburg
Wolfgang Lanner leitet eine Apotheke in Neumarkt und ist Vizepräsident der Salzburger Apothekerkammer.

Menschen wenden sich an Apotheken

Generell seien die Apotheken die erste Anlaufstelle für Fragen der Menschen rund um das Thema Corona. Beratungsgespräche für Impfungen zählen laut Lanner zum Tagesgeschäft. Die Mitarbeiter seien mit diesen Themen bestens vertraut.

 

"Gehört mehr denn je in die Hände der Profis"

Harsche Kritik am Vorhaben der Apotheker kommt von der österreichischen Ärztekammer: "Impfen gehört mehr denn je in die Hände von Profis. Apothekerinnen und Apotheker haben eine wichtige Kernaufgabe als Partner der Ärzteschaft bei der Bereitstellung der von Ärztin oder Arzt verschriebenen Medikamente – darauf sollten sie sich konzentrieren." Bereits Anfang November 2020 hatte der damalige Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) den Apotheken eine Absage erteilt: "Impfen ist eine ärztliche Tätigkeit."

(Quelle: SALZBURG24)

Corona-Impfungen künftig auch in Apotheken?

Apotheke, SB APA/BARBARA GINDL
(SYMBOLBILD)

Die Apotheken bieten sich für flächendeckende Corona-Impfungen der Bevölkerung an. Wie Kammer-Präsidentin Ulrike Mursch-Edlmayr im APA-Interview erklärte, stünden die Apotheken "sofort parat", wenn dies gewünscht werde, um die Schlagzahl der Impfungen zu erhöhen. Das sei aber eine politische Entscheidung.

Dass die Apotheken dies können, hätten sie schon bei den in kürzester Zeit organisierten Tests bewiesen, betonte Mursch-Edlmayr. Die Präsidentin verwies darauf, dass in den Apotheken "akademisch ausgebildetes Personal" zur Verfügung stehe. Beratungen auch über die Corona-Impfungen gehörten jetzt schon zum Tagesgeschäft in den Apotheken. Die Mitarbeiter seien alle bestens geschult.

 

Zwei Drittel der Apotheker hätten sich in einer Umfrage bereit erklärt und in der Lage gesehen, Impfungen durchzuführen. Die theoretische Ausbildung dafür sei bei den meisten Kolleginnen und Kollegen schon vorhanden und bei einigen auch die praktische.

Apotheken könnten rasch beginnen

Und bei den anderen sei letztere auch in wenigen Tagen zu erledigen. Damit könnten die Apotheken sofort loslegen, wenn der Ruf der Politik kommen sollte.

Zum Einwand der Ärzte, die die Impfung in ihren Händen behalten wollen und eine Ausweitung auf die Apotheken ablehnen, stellte Mursch-Edelmayr fest, dass in zahlreichen Ländern, zuletzt auch in Frankreich, von beiden geimpft werde. Und überall dort, wo in den Arzt-Ordinationen und in den Apotheken geimpft werde, sei die Durchimpfungsrate höher.

Lieferprobleme bei Corona-Impfstoffen

Dass es Verzögerungen bei der Impfstofflieferung - vor allem von AstraZeneca - gibt, ist für die Apothekerkammer-Präsidentin keine Überraschung. Mit Lieferproblemen bei Arzneimitteln seien die Apotheken tagtäglich konfrontiert. Und dass solche in einer Pandemie bei sehr schnell entwickelten und produzierten Impfstoffen auftreten, sei nachvollziehbar. Bei einem solchen Megaprojekt hätte man aber Alternativen von Beginn an mitdenken und ein Plan B oder Plan C erstellen sollen, sagte Mursch-Edlmayr ohne aber die Politik direkt kritisieren zu wollen. Die gemeinsame Bestellung der Impfstoffe über die EU findet sie nach wie vor eine richtige Entscheidung.

"Keine Wirkung ohne Nebenwirkung"

Dass in Österreich trotz der damit in Verbindung gebrachten Thrombosen mit AstraZeneca weiter geimpft wird, hält die Apothekerkammer-Präsidentin ebenfalls für richtig. Sie betonte, dass der Nutzen die Gefahren bei weitem überwiege. Und außerdem gebe es bei allen Präparaten Nebenwirkungen. "Es gibt kein Medikament, keine Wirkung ohne Nebenwirkung."

Aufgerufen am 16.05.2021 um 10:54 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/impfen-in-apotheken-raeumlichkeit-und-ausbildung-entscheidend-102650029

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