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Kein 100-prozentiger Schutz

Testbefreiung für Geimpfte: Risiko für den Rest?

Übertragung trotz Impfung nicht unmöglich

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Mit 19. Mai sollen Menschen ab 22 Tage nach ihrer ersten Corona-Teilimpfung ein Jahr lang keine Zutrittstests mehr benötigen. (SYMBOLBILD)

22 Tage nach ihrer ersten Corona-Teilimpfung sollen Geimpfte ab 19. Mai ein Jahr lang von der Testpflicht befreit werden. Wir haben drei Mediziner gefragt, inwieweit immunisierte Menschen ohne Testungen ein Infektionsrisiko für Nichtgeimpfte darstellen.

Am 19. Mai öffnen Gastronomie-, Hotellerie- und Freizeitbetriebe wieder. Dabei gilt grundsätzlich eine Testpflicht. Geplant ist aber, dass Geimpfte ab 22 Tage nach ihrer Erstimpfung ein Jahr lang davon befreit werden sollen. Im Bundesland Salzburg würde die Testpflicht so schon im Mai für über 116.000 Menschen entfallen, denn so viele haben bis heute die erste Teilimpfung erhalten.

Übertragung mit Impfung unwahrscheinlich

„Wissenschaftlich gibt es erste Daten, dass Geimpfte das Virus um 70 bis 90 Prozent weniger wahrscheinlich übertragen“, begründet Amtsarzt und stellvertretender Impfkoordinator Rainer Pusch des Landes Salzburg heute im Gespräch mit SALZBURG24 diese Überlegung. Wenn ein Geimpfter sich mit dem Virus infiziere, sei die Reaktion seines Immunsystems wesentlich schneller als bei Menschen, die noch keine Infektion durchgemacht haben.

 

Virus arbeitet sehr schnell

Da das Coronavirus jedoch nur einen kurzen Weg bis in die Lunge zurücklegen muss, habe das Immunsystem aber auch mit Impfschutz wenig Zeit, um das Virus zu bekämpfen, bevor es sich zu vermehren beginnt und der Infizierte ansteckend wird. Das Virus arbeite vereinfacht ausgedrückt also sehr schnell. „Ein individuelles Risiko verbleibt deshalb immer“, meint Pusch. Das läge aber nicht an den Impfungen, sondern eben an der Krankheit selbst.

Restrisiko verbleibt

Dass Geimpfte trotz eines verbleibenden Restrisikos von der Testpflicht befreit werden sollen, sei vor allem aus gesellschaftlicher Sicht sinnvoll. „Hundertprozentiger Schutz ist medizinisch sicher wünschenswert, aber eben nicht erreichbar“, erklärt Pusch. Man müsse lernen, mit dem neuen Virus zu leben und dabei auch Dinge wie das Entfallen der Testpflicht für Geimpfte ausprobieren. Das deutsche Robert-Koch-Institut habe außerdem festgestellt, dass vollständig immunisierte Menschen mit etwa derselben Wahrscheinlichkeit das Virus unbemerkt übertragen wie jemand, der einen negativen Schnelltest gemacht hat.

Testungenauigkeiten bei Antigentests

Auch Richard Barta, Allgemeinmediziner in der Stadt Salzburg, hält das Entfallen einer Testpflicht für Geimpfte nach derzeitigem Wissensstand für eine gute Idee. Er verweist im Gespräch mit SALZBURG24 auf die geringere Übertragungswahrscheinlichkeit von bis zu 90 Prozent. Außerdem steige bei Geimpften die Wahrscheinlichkeit für ein falsch positives Testergebnis bei Antigentests, schon deshalb sei das Testen von geimpften Menschen weniger sinnvoll. „Die Kosten der Tests sprechen hier nicht mehr für den Nutzen“, meint der Allgemeinmediziner.

Noch nicht genug Geimpfte

Richard Greil, Leiter des Salzburger Corona-Krisenstabes, steht der Testbefreiung für Geimpfte skeptisch gegenüber. Auch wenn die Impfung eine Infektion und damit eine Übertragung unwahrscheinlicher mache, gäbe es das Risiko von Impfversagern. Eine Befreiung von der Testpflicht müsse sich vor allem daran orientieren, wie viele Menschen insgesamt geimpft sind. Die meisten der derzeitig Geimpften seien zwar aufgrund ihres Alters nicht die primären Überträger des Virus, die Virusübertragung von Geimpften sei aber erst vernachlässigbar, wenn mindestens 70 Prozent der Bevölkerung immunisiert sind.

(Quelle: SALZBURG24)

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