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Delogierungsprävention

Wenn die monatliche Miete zum Problem wird

"INNARA"-Hilfsfonds in Salzburg vorgestellt

Für immer mehr Salzburgerinnen und Salzburger stellt der drohende Wohnungsverlust ein gewaltiges Problem dar. Darum richtet die Fachstelle für Gefährdetenhilfe zu ihrem 25-jährigen Jubiläum einen Überbrückungsfonds für Mietrückstände ein. Wir erklären, was es damit auf sich hat.

Permanent steigende Mietpreise – einhergehend mit Veränderung am Arbeitsmarkt, Trennung vom Partner oder unvorhergesehene Zahlungen – bringen Menschen in Salzburg immer öfter finanziell aus dem Gleichgewicht. Die monatlich anstehende Miete wird zum Problem, berichtete die Fachstelle für Gefährdetenhilfe am Dienstag bei einer Pressekonferenz in der Stadt Salzburg. Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit würden diese Entwicklung noch weiter verschärfen.

Das ist der neue "INNARA"-Hilfsfonds

Aus diesem Grund wird sich die Fachstelle für Gefährdetenhilfe zum 25. Geburtstag am 1. September 2020 in Fachstelle für Wohnungssicherung umbenennen und den "INNARA"-Hilfsfonds einrichten, um Mietrückstände zu überbrücken. Mithilfe zinsloser Mikrokrediten bzw. -darlehen in Höhe von bis zu 2.000 Euro sollen Delogierungen abgewendet werden.

 

Dabei handele es sich nicht um ein isoliertes Problem: Mietschuldner seien meist mit weiteren Schwierigkeiten, wie der Situation am Arbeitsmarkt, Druck durch weitere Gläubiger und Pfändungen konfrontiert. In der Beratung habe man es deshalb nicht überwiegend mit individuellen Notlagen, sondern vielfach mit struktureller Armut zu tun. Zuletzt galten mehr als eine Million Menschen in Österreich als armuts- und ausgrenzungsgefährdet.

Mikrokredite als Überbrückungshilfe

Die Betroffenen würden mit dem "INNARA"-Hilfsfonds dadurch einen gewissen Grad an Autonomie und Selbstbestimmung bewahren. "So bleibt unser Mikrodarlehen das, was es sein soll – eine Überbrückungshilfe, die Wohnungsverluste verhindern soll", betont Christian Moik, Geschäftsführer der Soziale Arbeit gGmbh. Dadurch soll den Betroffenen ermöglicht werden, ihre Interessen wieder eigenmächtig, selbstverantwortlich und selbstbestimmt wahrzunehmen.

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Christian Moik, Geschäftsführer der Soziale Arbeit gGmbh, bei der Pressekonferenz in Salzburg.

Um möglichst viele Menschen vor einem drohenden Wohnungsverlust bewahren zu können, sei man von Spenden abhängig. Eigenen Angaben zufolge konnten in den letzten 25 Jahren 23.000 Haushalte beraten und ausstehende Mietzahlungen in Höhe von 7,8 Millionen Euro abgedeckt werden.

Corona-Krise verstärkt Entwicklung

"Der Verlust der Wohnung ist die am prekärsten ausgebildete Form von Armut", sagt Bernhard Wallerstorfer von der Fachstelle für Wohnungssicherung. Denn eine Wohnung zu haben, sei die Basis sowie der Ausgangspunkt für die weitere Lebensgestaltung und ein zentrales Grundbedürfnis. Eine Meldeadresse ist unabdingbar für die Arbeitssuche, aber auch für die Wahrung rechtlicher Ansprüche oder die Eröffnung eines Bankkontos. "Wir befürchten allerdings aufgrund der aktuellen Lage, dass sich die Situation im Winter zuspitzen wird", so Wallerstorfer.

 

Gründe für Überschuldung sind in Österreich Arbeitslosigkeit und Einkommensverschlechterung (30 Prozent), eine gescheiterte Selbstständigkeit (22 Prozent), der Umgang mit Geld (20 Prozent), Scheidung/Trennung (14 Prozent), persönliche Härtefälle (11 Prozent) und Wohnraumbeschaffung (9 Prozent).

Wohnen in Salzburg immer teurer

"Die Corona-Krise hat die negative Entwicklung nochmals verstärkt", ist auch Inge Honisch von der Salzburger Armutskonferenz im Gespräch mit SALZBURG24 überzeugt. "Diejenigen, die über mehr Geld verfügen, können in Eigentum investierten. Das hat zur Folge, dass die Preise fürs Wohnen im Land Salzburg immer weiter steigen." Deswegen beobachte man schon seit Längerem den Trend zur Wohngemeinschaft, um Kosten zu sparen. Die Armutskonferenz warnt schon seit zwei Jahrzehnten vor dieser Entwicklung und forderte wiederholt die Einführung einer Mietpreisobergrenze.

Was Mietschulden bedeuten

"Wir zählen Mietrückstand zu den gefährlichen Schulden", führt Honisch aus. "Dazu zählen Schulden, die existenzbedrohend sind bzw. sehr unangenehme Konsequenzen zur Folge haben können. Miete und Existenz müssen gesichert sein."

 

Ein Mietrückstand kann zur Kündigung des Mietvertrags führen. Wenn auf ein Mahnschreiben nicht reagiert wird, ist der Vermieter bzw. die Vermieterin dazu berechtigt, eine Räumungsklage bei Gericht einzubringen. Dabei müssen die anfallenden Rechtsanwaltskosten und Gerichtsgebühren selbst bezahlt werden. Der Schuldenstand wächst also weiter. Wenn auch die Räumungsklage missachtet werden sollte, dann droht ein Räumungsurteil. Damit kann seitens der Vermietung ein Termin für die Wohnungsräumung festgelegt werden. Dafür erscheint der Gerichtsvollzieher mit dem Möbelwagen und die Wohnung wird geräumt.

In der Stadt Salzburg wurden im Jahr 2019 insgesamt 100 Zwangsräumungen vollzogen. Im Flachgau waren es im letzten Jahr insgesamt 13 Zwangsräumungen, im Tennengau 22, im Pongau zwölf, im Pinzgau 21 und keine im Lungau.

Räumungsklagen bis Ende Juni ausgesetzt

Die gesetzlichen Stundungen für Mietzinszahlungen wegen der Corona-Krise liefen mit Ende Juni aus. Die drei gestundeten Mieten (April, Mai und Juni) müssen zwar erst bis Ende des Jahres zurückgezahlt werden, aber seit Juli ist wieder die volle Miete fällig. Die für diesen Zeitraum offenen Beträge können von der Vermietung erst ab 1. Jänner 2021 eingeklagt oder aus der Kaution abgedeckt werden, teilte die Arbeiterkammer (AK) kürzlich mit. Wegen dieses Zinsrückstandes könne man bis Ende Juni 2022 zwar nicht gekündigt werden, aber eine Pfändung des Einkommens drohe schon ab Anfang 2021. Seit 1. Juli seien bereits die ersten Räumungsklagen von den Gerichten wieder bearbeitet und auch zugestellt worden, gab Moik gegenüber S24 an.

In der Landeshauptstadt wurde erst Anfang des Jahres ein neues Frühwarnsystem eingeführt, das die Delogierung von Mietern stadteigener Wohnungen verhindern soll, wenn die Miete nicht mehr bezahlt werden kann.

(Quelle: SALZBURG24)

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Plötzlich von Armut betroffen: Was nun?

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Rund 15 Prozent der Bevölkerung in Salzburg sind von Armut betroffen. (Symbolbild)

Jobverlust, Existenzängste und eine ungewisse Zukunft. Dinge, die aus Scham oft im Verborgenen bleiben und über die nur selten gesprochen wird. Wir listen hier auf, an wen ihr euch in Salzburg wenden könnt.

Aktuell beträgt die Armutsgefährdungsschwelle in Österreich 1.286 Euro monatlich für einen Ein-Personen-Haushalt. Insgesamt sind in Österreich 1.472.000 Menschen armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Das entspricht 17 Prozent der Gesamtbevölkerung, rechnet die Salzburger Armutskonferenz vor. Demnach sind 14 Prozent der Salzburgerinnen und Salzburger armuts- oder ausgrenzungsgefährdet.

Hilfe annehmen: Kein Zeichen von Schwäche

"Es ist wichtig zu wissen, worauf man Anspruch hat und welche Pflichten damit einhergehen", erläutert Carmen Bayer, Sprecherin der Salzburger Armutskonferenz gegenüber SALZBURG24. "Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen für Schwäche. Gemeinsam mit den Sozialberatungsstellen und -einrichtungen möchten wir Unsicherheiten klären und Menschen mit allen zur Verfügung stehenden Leistungen des Sozialstaates über Phasen der Not hinweghelfen."

Bedarfsorientiere Mindestsicherung

Wer aufgrund von Covid-19 von einem Arbeitsplatz-/Einkommensverlust betroffen ist, kann Unterstützung über die Bedarfsorientiere Mindestsicherung erhalten. "Auch wenn es rund um die Bedarfsorientierte Mindestsicherung Vorurteile gibt, ist sie ein notwendiger Bestandteil des Sozialstaates und ermöglicht allen in Österreich lebenden Menschen eine finanzielle Absicherung während Notsituationen", weiß Bayer. Weitere Infos dazu vom Land findet ihr HIER und von der Armutskonferenz HIER.

Was tun, wenn durch Kurzarbeit oder Arbeitsplatzverlust die Miete nicht mehr bezahlt werden kann? Das Antragsformular auf Wohnbeihilfe (Mietzuschuss) sollte unbedingt einen Bescheid der Arbeitgeber enthalten, dass Arbeitslosigkeit bzw. Kurzarbeit aufgrund von Covid-19 eingetroffen ist. Delogierungen sind derzeit grundsätzlich aufgehoben. Das heißt, eure Wohnung ist gegenwärtig unabhängig der finanziellen Lage gesichert. Der Mieterschutzverband empfiehlt, sich so schnell wie möglich an den Vermieter zu wenden, die Lage zu schildern und entweder eine Reduktion, Stundung oder Ratenzahlung zu vereinbaren. Das Antragsformular auf Wohnbeihilfe findet ihr HIER.

Unterstützung für die Älteren

Gerade ältere Menschen sind besonders durch das Coronavirus gefährdet und benötigen zusätzliche Unterstützung. Unter der Telefonnummer 0662/ 80723240 könnt ihr euch melden, falls Unterstützung beim Bewältigen des Alltages, wie etwa Einkaufen, benötigt wird. Dieser Service wird gemeinsam von der Stadt Salzburg und dem Diakoniewerk umgesetzt und ist nicht für Erkrankte oder Verdachtsfälle.

Die Nachbarschaftshilfe #SalzburgGehörtZusammen der Diakonie und ihren Partnern unterstützt Pensionisteninnen und Pensionisten, Alleinerziehende und Berufstätige in systemerhaltenden Jobs. Telefonnummer: 0662/ 80723240.

"Es war beeindruckend zu sehen, wie groß die Hilfsbereitschaft und der Zusammenhalt der in Salzburg lebenden Menschen war und nach wie vor ist. Es wäre schade, wenn die daraus entstandenen Projekte nicht genutzt werden", so Bayer.

Sozialeinrichtungen im Land Salzburg

Eine Übersicht über die aktuelle Erreichbarkeit von Sozialeinrichtungen (Sozialämter, Betreuung und Pflege) in Salzburg hat die Berufsgruppe Soziale Arbeit der Christian-Doppler-Klinik HIER aufgelistet.

Neben dem prinzipiellen Angebot der Sozialberatung gibt es in der Caritas Salzburg den "Covid-Nothilfefonds", aus dem finanzielle Unterstützung bezahlt werden kann. Der Corona-Solidaritätsfonds der Plattform für Menschenrechte bietet rasche und unbürokratische Hilfe zur Überbrückung von finanziellen Notlagen in Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie (Telefonnummer: 0677/ 63815424).

Kostenlose Lebensmittel

In der Pfarre Herrnau in der Landeshauptstadt gibt es eine Lebensmittelausgabe mit Zustellservice sowie Handy-Ladebons und finanzielle Unterstützung für die verschiedenen Telefonanbieter unter bestimmten Bedingungen. Nur nach telefonischer Anmeldung unter 0676/ 87462072 oder 0676 87462078. Hilfesuchende, die bisher schon mit "ArMut teilen" in den Salzburger Stadtpfarren Mülln, Liefering oder Parsch Kontakt hatten, können sich unter der Telefonnummer 0662/ 8047806616 melden.

Unterstützung für Frauen und Männer

Das FrauenGesundheitsZentrum Salzburg möchte jede einzelne Frau in der Erhaltung oder Wiedererlangung ihrer Gesundheit unterstützen. Ziel ist die Förderung der individuellen Gesundheiten von Frauen und Mädchen im Bundesland Salzburg. Die Sozialberatung der Frauenhilfe ist weiterhin aktiv und hilft bei der Durchsetzung von rechtlichen und finanziellen Ansprüchen und steht euch in herausfordernden Situationen zur Seite (Telefonnummer: 0677/ 63673635).

Das Männerbüro Salzburg ermöglicht telefonische Rechtsberatung, psychologische Beratung und Sozialberatung. Es ist Montag und Donnerstag unter 0767/ 87467545 erreichbar.

Forum Familie in Salzburger Bezirken

Das Forum Familie hat HIER umfangreiche Informationen zu Förderungen und Beihilfen zusammengetragen. Weitere Informationen und Unterstützung bekommt ihr beim Forum Familie in eurem Bezirk.

Eine Übersicht über alle kostenlosen Angebote hat die Salzburger Armutskonferenz HIER aufgelistet. "Gerade durch die Krise haben wir gelernt, wie schnell man selbst in schwierige Situationen geraten kann", betont Sprecherin Bayer. "Ich denke, diese Erkenntnis ist mitunter ein Grund für die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer ist."

Aufgerufen am 04.08.2020 um 01:15 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/innara-hilfsfonds-gegen-delogierungen-in-salzburg-vorgestellt-90753856

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