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Integration

Weltbester Bürgermeister gibt Salzburg Tipps

Neues Vorbild aus Belgien

Bart Somers, Andrea Klambauer Land Salzburg / Franz Neumayr
Der belgische Bürgermeister Bart Somers und Landesrätin Andrea Klambauer (NEOS). 

Wie kann Integration gelingen? Der belgische Bürgermeister Bart Somers hat für seine Stadt eine Lösung gefunden, Salzburg will sich sein Konzept zum Vorbild nehmen. Am Mittwoch war er zu Besuch in der Landeshauptstadt und erläutert, wie das Erfolgsmodell funktioniert.

Knapp ein Viertel der 155.886 Menschen, die in der Stadt Salzburg ihren Hauptwohnsitz haben, ist außerhalb Österreichs geboren. Die belgische Stadt Mechelen ist kleiner (90.000 Einwohner), jeder Dritte hat dort Migrationshintergrund, jedes zweite Neugeborene bereits ausländische Wurzeln.

Vom Problem zum Vorbild

Noch vor 20 Jahren brachte das große Probleme mit sich, auch viel Kriminalität. Als Bart Somers vor 18 Jahren zum ersten Mal zum Bürgermeister gewählt wurde, ging er einen radikal anderen Weg als seine Vorgänger.

Somers gehört der Partei „Flämische Liberale und Demokraten“ an. Mittlerweile ist er auch Minister für Integration. „In 15 Jahren hat sich die Stadt komplett verändert, wir sind nun eine der dynamischsten Städte Belgiens.“ Wegen dieser Erfolgsgeschichte – 2016 ist er außerdem zum „Besten Bürgermeister der Welt“ gekürt worden – kam er auf Einladung von Landesrätin Andrea Klambauer (NEOS) nach Salzburg.

Vertrauen, Law&Order und Identität

Wie kann Integration also funktionieren? Somers musste in seiner Stadt zuerst das Vertrauen wiederherstellen. „Wir haben also die Gesetze wieder streng durchgesetzt.“ Einerseits durch mehr Polizeieinheiten und Überwachung, andererseits durch Investitionen in präventive Programme und ärmere Stadtviertel. „Zudem haben wir eine gemeinsame Identität geschaffen: Wir sind alle Bürger von Mechelen.“ Sein Ziel: Communities aufbrechen und Abspaltung verhindern.

Nachbarschaften durchmischen

Erreicht hat er das durch eine soziale Durchmischung von Nachbarschaften, er überzeugte 183 Eltern ihre Kinder auf ehemalige „Ghetto-Schulen“ zu schicken, im Gegenzug wurde dort investiert und ein guter Unterricht garantiert. Dasselbe Prinzip wendete er bei Sportvereinen und Pfadfinder-Gruppen an. Zuvor gab es keine Pfadfinder mit Migrationshintergrund, nach einem Jahr seien es bereits 40 gewesen.

Viele Probleme hätte auch die Regel gelöst, dass jene, die eine geförderte Wohnung bzw. ein Haus bekommen, sich acht Stunden pro Woche ehrenamtlich engagieren müssen. „Die Menschen zahlen dann nur 300 bis 400 Euro Miete und setzen in der Nachbarschaft soziale Projekte um.“ Das fördere den Zusammenhalt, aber auch den Aufstieg von schwächer gestellten Familien.

Buddys helfen bei Integration

Zuletzt führte Somers ein Buddy-System ein. Jeder Neuankömmling wird mit einem Menschen zusammengebracht, der schon länger in Mechelen lebt. Sechs Monate lang treffen sie sich einmal die Woche. „Jedes einzelne Buddy-Paar ist auch danach in Kontakt geblieben“, schildert der Bürgermeister.

Diversität nur ohne Abspaltung

Und was kann Salzburg nun davon lernen? Tipps möchte Bart Somers nicht geben: „Ich bin kein Guru.“ Er wolle nur eine positive Geschichte über Integration verbreiten. Mechelen sei keine Insel der Seligen, es gebe immer noch Kriminalität, Rassismus und Armut. „Aber wir sehen Veränderung.“ Diversität ist in seinen Augen eine Bereicherung, kommt es aber zur Trennung in einzelne Gruppen, wird sie gefährlich.

Für Klambauer ist Somers ein Vorbild: „Wir wollen diesen Weg auch gehen und Integration in Salzburg neu denken.“ Welche konkreten Maßnahmen das beinhalten wird, konnte die Landesrätin am Mittwoch nicht verraten. Die Details werden im nächsten Jahr nach einer Evaluierung bekannt gegeben.

(Quelle: SALZBURG24)

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