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"Am Rande der Dekompensation"

Ruf nach Lockdown für alle in Salzburg immer lauter

Auch LH-Stv. Schellhorn will schärfere Maßnahmen

symb_lockdown APA/BARBARA GINDL
Der Ruf nach einem Lockdown für alle in Salzburg wird immer lauter. (SYMBOLBILD)

Als "sehr, sehr angespannt" und "besonders schlimm" hat Walter Hasibeder, Präsident der Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI), die Lage auf den Intensivstationen in einzelnen Bundesländern in Österreich bezeichnet. Die Salzburger Grünen forderten indes einen landesweiten Lockdown für alle.

Er forderte für die Hochinzidenz-Bundesländer Oberösterreich und Salzburg kurzzeitig einen "generellen Lockdown". Besonders Salzburg befinde sich bereits "am Rande der Dekompensation".

 

Maskenpflicht im öffentlichen Raum als Wellenbrecher

Hier müssten die Mediziner bereits überlegen, "wie sie Patienten triagieren müssen". Schon jetzt werden Intensivpatienten in Aufwachräumen behandelt, in letzter Konsequenz könnten noch leere Operationssäle herhalten, allerdings sei dies "nicht die Qualität, die man gewohnt ist", sagte Hasibeder. In Oberösterreich sind laut dem Mediziner bereits knapp über 50 Prozent der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten ausgelastet, weitere Schwerkranke seien "in der Warteschleife".

Was bereits "früher gehört hätte" und dringend erforderlich sei, ist eine "Maskenpflicht im öffentlichen Raum". Denn diese ist "ein Wellenbrecher". Wird die Maske korrekt getragen, liege die Übertragung praktisch bei null.

Maßnahmen, die unangenehm sind

Die Politik müsse damit anfangen, Maßnahmen zu treffen, "die unangenehm sind", forderte Hasibeder. "Wir müssen jetzt endlich aus der Vollkaskomentalität, die man über Jahre den Leuten anerzogen hat, herauskommen", konstatierte der ärztliche Leiter der Anästhesie und Operativen Intensivmedizin am Tiroler Krankenhaus St. Vinzenz in Zams. Der derzeit gültige Lockdown für Ungeimpfte ist "als Maßnahme alleine zu spät".

Vielmehr müssten Salzburg und Oberösterreich in einen "Voll-Lockdown für eine gewissen Zeit", verlangte Hasibeder. "Im Krisenmodus kann es nur eine gemeinsame Sprache geben", forderte Hasibeder von der Regierung nach den widersprüchlichen Aussagen von Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) und Bundeskanzler Alexander Schallenberg (ÖVP).

Salzburger Grüne fordern Lockdown

Der Meinung sind auch die Salzburger Grünen. Angesichts der Corona-Lage in Salzburg sind für Salzburgs LH-Stv. Heinrich Schellhorn (Grüne) umgehend weitere Maßnahmen notwendig, die er vom Koalitionspartner ÖVP fordert: "Ohne einschneidende Maßnahmen riskieren wir den Kollaps unseres Gesundheitssystems mit verheerenden Folgen für all jene Menschen, die auf eine funktionierende medizinische Versorgung angewiesen sind“, sagte Schellhorn bei einem Online-Medientermin am Dienstagmittag.

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Gepostet von Heinrich Schellhorn am Dienstag, 16. November 2021

Weil sich bisher gesetzte Maßnahmen als unzureichend herausgestellt hätten, fordert er nun einen Lockdown für alle in Salzburg, oder "Novemberruhe", wie es Schellhorn nannte. "Es braucht Kontaktbeschränkungen für alle Menschen in Salzburg. Unabhängig vom Impfstatus. Gastronomie, Hotellerie und Handel sollen schließen, alle Veranstaltungen abgesagt werden. Nur die Schulen mit Ausnahme der Oberstufen sollen offenbleiben", so Schellhorns Forderung. Zudem sollen demnach Besuche in Seniorenwohnhäusern nur mehr mit 2-G+ möglich sein sowie Ausgangssperren ab 22 Uhr und eine Maskenpflicht in Büros kommen.

SPÖ mit "erschütternder" Reaktion

Die Reaktion der Salzburger SPÖ ließ via Aussendung nicht lange auf sich warten: „Es ist erschütternd, dass die Salzburger Landesregierung jetzt offensichtlich wie die Bundesregierung mit zwei Stimmen spricht, denn gerade in dieser Situation bräuchte es Klarheit“, so SPÖ-Chef David Egger in einer ersten Reaktion. „Mit ihrer Forderung nach einem zweiwöchigen Landes-Lockdown sagen die Grünen das Gegenteil von ihrem Regierungschef Wilfried Haslauer (ÖVP, Anm. d. Red.), der sich ausgerechnet letzte Woche noch über diesen Vorschlag lustig gemacht hat.“

Klambauer: Schulen und Kindergärten sollen offen bleiben

„Wir fordern zur Eindämmung der Pandemie in Salzburg einerseits Eigenverantwortung ein, andererseits müssen die vorgeschriebenen Maßnahmen konsequent umgesetzt und eingehalten werden. Denn für mich als Jugendlandesrätin ist auch klar: Die Kindergärten und die Schulen müssen so lange es nur irgendwie geht offenbleiben. Denn die Pandemie darf nicht auf dem Rücken der Kinder und Jugendlichen ausgetragen werden. Gerade die Kleinsten haben unter den vergangenen Monaten besonders gelitten“, so Landesrätin Andrea Klambauer (NEOS) in einer Aussendung am Dienstag. Sie will auch die Corona-Impfung für Fünf- bis Elfjährige ermöglichen.

(Quelle: APA/SALZBURG24)

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