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Kabinenschlafverbot

Salzburger Lkw-Fahrer kritisiert EU-Regelung

Lkw APA/HERBERT PFARRHOFER/Archiv
Am Wochenende sollen Lkw-Fahrer nicht mehr in ihren Kabinen schlafen dürfen. (Symbolbild)

Das von den EU-Verkehrsministern beschlossene Kabinenschlafverbot sorgt für Kopfschütteln. "Die Regelung ist nicht durchdacht", kritisiert Berufskraftfahrer Christian Ebner vom Verein "Transporter - working with style" im Gespräch mit SALZBURG24.

"Um adäquate Arbeitsbedingungen für Fahrer sicherzustellen, muss die wöchentliche Ruhezeit außerhalb der Kabine verbracht werden", hieß es in der am Dienstag vom EU-Rat veröffentlichten Presseaussendung. In den übrigen Nächten dürfen die Fernfahrer aber weiterhin in der Kabine schlafen. Besonders betreffen würde dies osteuropäische Fahrer, so Ebner. Während ein österreichischer Fahrer spätestens alle zwei Wochen zu Hause sei, würden die Kollegen oft wochen- oder monatelang in Europa unterwegs sein.

Kabinenschlafverbot: Belgien straft bereits

"Es heißt, dass am Wochenende nicht mehr in den Kabinen geschlafen werden darf. Es steht aber nirgends, dass man nicht mit einem Schlafsack auf der Ladefläche schlafen darf", zeigt Ebner ein Schlupfloch auf. Das nun angekündigte Verbot ist außerdem bereits geltendes EU-Recht.

"Beispielsweise in Belgien wird das schon scharf sanktioniert", weiß der Lkw-Fahrer. Einige Länder hätten diese Regelung aber noch nicht umgesetzt beziehungsweise würden sie nicht kontrollieren. "In Belgien hat dies aber auch kriminelle Auswüchse. Wenn man von Frankreich einreist, kann man sich auf vielen größeren Parkplätzen gefälschte Hotelrechnungen kaufen", erzählt er. Auch für den Fachgruppenobmann der Salzburger Wirtschaftskammer für die Sparte Spedition und Logistik, Alexander Friesz, geht die Regelung "bedauerlicherweise an den praktischen Bedürfnissen von Unternehmern und Fahrern vorbei."

Hotels brauchen riesige Lkw-Parkplätze

Ein Problem der Regelung seien etwa Hotels mit ausreichend großen Parkplätzen. "Habe ich ein Haus mit 100 Zimmern, brauche ich auch 100 Lkw-Stellplätze", gibt Lkw-Fahrer Ebner zu bedenken. Das würde unweigerlich dazu führen, dass die Unterkünfte nicht direkt an Autobahnen gebaut werden könnten. "Ich möchte kein Anrainer sein, wenn die Lastwagen nach dem Wochenende gleichzeitig wieder losfahren", sagt er. Dieses Problem sieht auch der Speditionsspartenobmann Friesz. Es gehe aber nicht nur um Nächtigungsmöglichkeiten, sondern auch gesicherte Parkplätze.

"Muss der Fahrer in einem Hotel schlafen, stehen die Lkw sozusagen am Präsentierteller", so Ebner, "die Planen können in der Nacht ohne jegliche Störungen aufgeschlitzt werden. Das passiert auch jetzt schon, obwohl die Fahrer da sind."

"Jeder schläft doch lieber im eigenen Bett"

Die meisten Kabinen hätten außerdem heute bereits einen sehr hohen Standard – mit Kühlschrank, Klimaanlage und hochwertigen Matratzen, berichtet der ehemalige Fernfahrer, der früher selbst regelmäßig von Italien nach Großbritannien gefahren ist. "Die Pensionen entlang der Autobahn können da nicht mithalten. Und jeder schläft doch lieber im eigenen Bett, oder?"

Für ihn wäre eine Änderung der Längenbeschränkung sinnvoller als ein Kabinenschlafverbot. In den USA seien die Fahrerhäuser deutlich größer und wirklich "wie ein Wohnzimmer eingerichtet". Er schlägt vor, lediglich die maximale Länge der Ladefläche festzulegen, die Kabine davon aber unabhängig zu machen.

Aufgerufen am 13.12.2018 um 01:42 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/kabinenschlafverbot-salzburger-lkw-fahrer-kritisiert-eu-regelung-62051572

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