Jetzt Live
Startseite Salzburg
Fairtrade

"Klimawandel ist größte Herausforderung"

So wirkt Kaffee aus Salzburg in Äthiopien

Tekle Tadesse Gelgeles Augen beginnen zu leuchten, wenn er über Kaffee spricht. Er ist einer von 35.407 Kaffeebauern in der „Oromia Coffee Farmers Cooperative Union“. In Salzburg spricht er über die Herausforderungen des Anbaus und welche Auswirkungen Fairtrade Kaffee auf seine Kooperative in Äthiopien hat.

Die Kooperative ist der größte Fairtrade Kaffeeproduzent Äthiopiens. Seit 1999 arbeiten die Kleinbauern in der Kooperative zusammen, seit 2002 sind sie Fairtrade zertifiziert. Für die Kooperative lohnt es sich laut Gelgele, sich an die zusätzlichen Regeln und Qualitätsstandards zu halten, die das Fairtrade-Siegel verlangen.

Oromia Coffee Farmers Cooperative Union Fairtrade
Die reifen Kaffeekirschen werden per Hand gepflückt.

Fairtrade-Prämie in Schulen investiert

Er erzählt im Gespräch mit SALZBURG24, dass die Bauern seit 2004 allein durch die Fairtrade-Prämie 246.792.000 Birr (7.488.527,67 Euro) verdient hätten. 75 Prozent davon werden in Projekte für die Gemeinschaft investiert, zum Beispiel in Gesundheitsversorgung oder Schulen. Die restlichen 25 Prozent verwenden die Bäuerinnen und Bauern in die Steigerung von Qualität und Ertrag ihrer Kaffeeplantagen. Wie das Geld angelegt wird, entscheidet die Kooperative demokratisch.

Oromia Coffee Farmers Cooperative Union Fairtrade
Tekle Tadesse Gelgele in einer Schule, die mithilfe der Fairtrade-Prämie gebaut wurde.

Kaffeepreis nicht stabil

Fairtrade möchte mit dem System Kleinbauern unterstützen, damit sie sich auf dem Weltmarkt behaupten können. Der Kaffeepreis sei ständigen Schwankungen ausgesetzt, erklärt Andrea Reitinger von der EZA in Köstendorf (Flachgau). Im Moment sei er 30 Prozent unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre: „Der Preis für die Sorte Arabica liegt derzeit bei 100 US-Dollar für einen 45,4 Kilo Sack Kaffee. Fairtrade-Produzenten erhalten für die gleiche Menge einen Grundpreis von 140 Dollar. Dann gibt es dafür eine Prämie von 20 Dollar, wer Bio produziert, bekommt dafür nochmals 30 Dollar.“

Größte Herausforderung: Klimawandel

Gelgele reist im Moment durch Österreich, um den Menschen den Kaffee-Anbau und die Wichtigkeit des Fairtrade-Siegels für seine Gemeinschaft näher zu bringen. Am Samstag ist er dafür auch auf der Messe "Alles für den Gast" in Salzburg. Dort wird er über die größte Herausforderung der Kaffeebauern sprechen: Den Klimawandel.

„Wir haben zu wenig Regen zur richtigen Zeit, es wird immer heißer, was unseren Kaffeesorten nicht gut tut und es verbreiten sich mehr Krankheiten, die die Früchte und Blätter befallen“, schildert er. Vor Ort würde man versuchen, dafür Lösungen zu finden. Es werden Bäume gepflanzt, in deren Schatten die Kaffeebäume vor der Sonne geschützt sind. Zudem arbeitet man an neuen Setzlingen, die die neuen Bedingungen besser vertragen. Das zweite große Problem sei, die Jugend für den Kaffeeanbau zu begeistern. „Die Jungen bekommen in unserer Kultur erst eigenes Land, wenn die Eltern sterben. Außerdem zieht es sie in die Städte, wo es moderne Technologien und Infrastruktur gibt“, erläutert Gelgele.

Oromia Coffee Farmers Cooperative Union Fairtrade
Frauen schütten die geschälten Kaffeebohnen in einen Behälter.

Salzburg: 20,9 Mio. Euro Umsatz mit fairen Produkten

Die Nachfrage nach fair gehandeltem Kaffee steigt: „Mittlerweile stehen wir bei sieben bis acht Prozent Marktanteil am weltweiten Kaffeehandel“, weiß Reitinger. Allerdings würde etwa die Kooperative von Gelgele nur 60 Prozent ihres Ertrages unter dem Fairtrade-Siegel verkaufen. Es gäbe also noch Luft nach oben, vor allem bei großen Unternehmen, ist Reitinger überzeugt. In der Gastronomie setzen immer mehr auch in Salzburg auf fairen Kaffee. So gibt Faitrade mindestens zehn Kooperationspartner in Stadt und Land an. 20,9 Millionen Euro Umsatz wurden im Bundesland 2018 mit fairen Produkten gemacht. Zudem gibt es Fairtrade Gemeinden, Städte und Schulen.

 

Kaffeekultur in Äthiopien

Wenn in Salzburg Fairtrade-Kaffee getrunken wird, hat das direkte Auswirkungen auf seine Kooperative, ist Gelgele überzeugt. Und die seien durchwegs positiv. In Äthiopien gehört das Heißgetränk übrigens zur Kultur: Morgens, nachmittags und abends trifft man sich und genießt gemeinsam eine Tasse Kaffee. Wie er selbst seinen Kaffee trinkt? „Schwarz mit etwas Zucker.“

Daten und Fakten

  • Fairtrade Kafeeproduzentenorganisationen weltweit: 582 in 32 Länder
  • 750.000 Kaffeebauernfamilien
  • Fairtrade-Kaffee-Prämie weltweit: 84Mio€
  • Fairtrade Kaffeeproduktion weltweit: 633.854 MT (metric tons)
  • davon als Fairtrade Kaffee verkauft: 214.335 MT
(Quelle: SALZBURG24)

Whatsapp

Aufgerufen am 12.11.2019 um 08:55 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/kaffeebauer-aus-aethiopien-klimawandel-ist-groesste-herausforderung-78942403

Kommentare

Mehr zum Thema