Jetzt Live
Startseite Salzburg
Krise als Karriere-Booster?

Wie ihr die Pandemie beruflich nutzen könnt

Weiterbildungs-Offensive im Tourismus und Berufsorientierung

Symb_Arbeit Symb_Homeoffice Symb_Job APA/BARBARA GINDL
Auf den ersten Blick scheint die Corona-Krise sich meist negativ auf den Arbeitsmarkt auszuwirken. Jedoch kann die außergewöhnliche Situation auch berufliche Chancen bringen. (SYMBOLBILD)

Viele offene Lehrstellen, hohe Arbeitslosigkeit im Tourismus und wenig konkrete Vorstellungen über den zukünftigen Traumberuf: Auf den ersten Blick scheint sich die Corona-Pandemie hauptsächlich negativ auf den Arbeitsmarkt in Salzburg auszuwirken. Jedoch könnt ihr die Krise auch als Chance nutzen.

Die Lage am Salzburger Lehrlingsarbeitsmarkt bereitet Jacqueline Beyer, AMS-Landesgeschäftsführerin, Kopfzerbrechen: 649 Lehrstellen sind derzeit offen. Doch nur 264 Menschen sind auf der Suche. Die meisten von ihnen sind jünger als 25 Jahre und die Zahl der Lehranfänger sei bereits um elf Prozent gesunken. Gleichzeitig könne man einen massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit in dieser Altersgruppe erkennen, stellt Beyer im Gespräch mit SALZBURG24 besorgt fest.

Doch wieso wird die Schere zwischen Angebot und Nachfrage trotz steigender Arbeitslosigkeit immer größer? Die Corona-Krise könnte ein Grund dafür sein, wie eine Studie der Initiative zukunft.lehre.österreich (ZLÖ) zeigt.

Betriebe suchen dringend Lehrlinge

Denn zahlreiche Unternehmen in ganz Österreich klagen über einen Rückgang an Bewerbern für Lehrstellen seit Beginn der Pandemie. Unter Schülern, Eltern und Lehrern, die befragt wurden, herrscht die Annahme, dass es zurzeit keine guten Chancen gebe, sich erfolgreich für eine Lehrstelle zu bewerben, erklärt Werner Steinecker, Präsident des Vereins ZLÖ. “Das Gegenteil ist aber der Fall, denn in Österreichs Betrieben stehen kurz- und mittelfristig über 18.000 Lehrstellen frei und es wird händeringend um Lehrlinge geworben“, verdeutlicht Steinecker die prekäre Situation.

 

Corona-Pandemie macht Kontaktaufnahme schwierig

Zudem habe man aufgrund von Schulschließungen den Kontakt zu Schülern und damit potenziellen Lehrstellenanwärtern verloren, meint KTM-Chef Stefan Pierer. Schnuppertage seien jedoch essenziell, um sich als Unternehmen vorzustellen, gibt er in einer Aussendung zu bedenken. Jedoch könnten laut der ZLÖ-Studie auch andere Faktoren, wie etwa die Aufstiegsregelung in den Schulen und die daher sinkende Zahl der Schulabbrecher, eine Rolle spielen.

Berufsorientierung soll Salzburgern helfen

In Salzburg will man diesem Trend entgegensteuern und vor allem Junge bei der Suche nach passenden Lehrstellen unter die Arme greifen. Vielen sei überhaupt nicht klar, welche Richtung sie in Zukunft beruflich einschlagen wollen, bestätigt auch Salzburgs AMS-Chefin Beyer. Dennoch würden Orientierungsangebote häufig nicht genutzt. „Die Betroffenen sind teilweise sehr schwer zu erreichen. Das ist in Lockdown-Zeiten schon schlimmer geworden. Derzeit muss ich für Kurse mit zehn Plätzen teilweise 50 Personen kontaktieren, bis die Gruppe komplett ist.“ Mithilfe der Berufsorientierung, an der heuer 14.700 Menschen teilnehmen können, sollen die Kompetenzen der jeweiligen Personen evaluiert und so ausgelotet werden, welche Ausbildung am besten passt. Das gilt auch für Ältere. Beyer appelliert, das Angebot wahrzunehmen und nicht zu resignieren, auch wenn die Pandemie herausfordernd sei.

Doch nicht nur dem Lehrlingsarbeitsmarkt macht Corona massiv zu schaffen. 25.512 Personen sind aktuell in Salzburg arbeitslos gemeldet (Stand 8. Februar 2021). „Die offenen Stellen sind um rund 23 bis 25 Prozent eingebrochen. Besonders betroffen ist der Tourismus“, erklärt die AMS-Landeschefin und verdeutlicht das Ausmaß der Pandemie: „Die Arbeitslosigkeit in den Branchen Beherbergung und Gastronomie ist im Jänner 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 421 Prozent gestiegen.“

Weiterbildungs-Offensive im Tourismus

Derzeit befinden sich in Salzburg 2.491 Menschen in Schulungen oder Umschulungen, branchenspezifische Trends ließen sich derzeit noch nicht feststellen. Damit Gastronomie- und Tourismusbetriebe nach der Pandemie nicht ohne Fachkräfte dastehen, weil sich diese in der Zwischenzeit beruflich umorientieren, startet das AMS eine Tourismus-Joboffensive. Rund 5.500 Arbeitslose aus der Branche werden derzeit kontaktiert. So soll herausgefunden werden, wie sie sich innerhalb des Tourismus oder der Gastronomie weiterbilden möchten, zum Beispiel als Sommelier. Auch Sprachkurse werden angeboten. So könne die Zeit gut genutzt und das Personal hoffentlich gehalten werden: „Es sind im Bundesland Tausende Tourismusmitarbeiter arbeitslos und ohne Wiedereinstellungsgarantie. Das sind Menschen, die an die Branche geglaubt haben. Langsam werden sie aber immer frustrierter“, beschreibt Beyer die schwierige Situation. Im Innergebirg, wie etwa in Zell am See (Pinzgau) oder in Bischofshofen (Pongau), werde das Angebot bereits gut angenommen.

 

Pflegeberuf soll in Fokus rücken

Einen Anstieg des Interesses an Pflegeberufen habe man trotz Coronavirus-Pandemie bis jetzt noch nicht feststellen können. Derzeit gebe es über die Pflegestiftung 500 Ausbildungsplätze zu vergeben. Diese Plätze seien im vergangenen Jahr aber nicht einmal annähernd ausgeschöpft worden: „260 Menschen waren 2020 in der Ausbildung. Bei größerem Interesse könnte man die Plätze aber sogar noch aufstocken.“ Um mehr Menschen für den Pflegeberuf zu begeistern, soll neben der Tourismus-Joboffensive deshalb ein Pflegeschwerpunkt folgen.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 18.05.2021 um 07:14 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/karriere-wie-ihr-die-pandemie-beruflich-nutzen-koennt-99647179

Kommentare

Mehr zum Thema