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Coronabedingter Nachholbedarf

Kaum freie Plätze in Salzburger Schwimmkursen

Unterricht vielerorts bis Herbst ausgebucht

symb_schwimmen, pixabay
Schwimmkurse für Kinder sind in der Regel ab vier Jahren möglich. (SYMBOLBILD)

Immer weniger Menschen können schwimmen. Bei den Unter-14-Jährigen ist hierzulande das Ertrinken die zweithäufigste unfallbedingte Todesursache. Aber das Erlernen gestaltet sich vielerorts schwierig, weil Schwimmkurse in Salzburg nahezu überall bis zum Herbst ausgebucht sind.

Jährlich ertrinken in Österreich bis zu 50 Menschen. Besonders betroffen sind davon Kinder, aber auch Erwachsene unterschätzen die Gefahr im Wasser allzu oft. Im vergangenen Jahr rettete die Salzburger Wasserrettung 175 Personen aus Seen und Flüssen vor dem Ertrinken. Bei vier davon handelte es sich um eine akute Lebensrettung in letzter Minute. Acht Menschen kamen in Gewässern ums Leben und konnten nur noch tot geborgen werden.

Ertrinken zweithäufigste Unfall-Todesursache

In ganz Österreich können rund 160.000 Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren nicht schwimmen – davon mehr als 130.000 Heranwachsende im Alter bis neun Jahre. Nach Verkehrsunfällen ist das Ertrinken bei Unter-14-Jährigen die zweithäufigste unfallbedingte Todesursache.

In allen Altersklassen gibt es österreichweit schätzungsweise 700.000 Nichtschwimmer:innen. Konkrete Zahlen für das Land Salzburg gibt es nicht. Diesen Negativ-Trend bestätigt auch die Salzburger Wasserrettung: "Coronabedingt ist die Zahl der Nichtschwimmer:innen gestiegen", schildert Daniela Nobis am Donnerstag gegenüber SALZBURG24.

 

Erschwerend hinzukommt, dass nicht nur die eigenen Fähigkeiten oftmals falsch eingeschätzt werden: Eine Studie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) zeigt, dass Eltern die Schwimmkenntnisse ihrer Kinder tendenziell überschätzen.

Eigene Fähigkeiten falsch einschätzen

Jeder Fünfte schätzt die eigenen Schwimm-Fähigkeiten als (sehr) unsicher bis mittelmäßig ein und 69 Prozent bezeichnen sich dagegen selbst als (sehr) sichere Schwimmer. Gerade für Kinder ist das Erlernen von Schwimmfähigkeiten besonders wichtig, um Unfällen vorzubeugen. Die Erfahrung zeige, dass ein Kind bis zu 80 Stunden benötige, bis es sich sicher im Wasser bewege.

 

Die Corona-Pandemie habe dazu geführt, dass der Schwimmunterricht in den vergangenen zweieinhalb Jahren oft nicht stattfinden konnte. Und die Nachfrage nach Schwimmkursen reißt keineswegs ab. Allerdings ist sie so groß, dass Termine bis zum Herbst in den meisten Fällen längst ausgebucht sind.

Ausgebuchte Schwimmkurse

Bei der Schwimmunion Salzburg gibt es etwa in den Sommerferien keine Möglichkeit mehr, genauso wie bei der Wasserrettung: "Die Nachfrage ist extrem hoch, Kinder-Schwimmkurse sind nach zwei Tagen oft schon ausgebucht", sagt Ausbildungsleiterin Nobis. Das liege zum einen am durch Coronabedingten Nachholbedarf, aber auch an der ehrenamtlichen Tätigkeit der Helfenden. "Wir haben alle einen Hauptberuf und brauchen daher einen flexiblen Arbeitgeber." Mitunter bieten die Salzburger Schwimmvereine in den Gemeinden auch noch im Sommer kurzfristige Kurse an.

Die Ausbildung findet – wie auch bei anderen Schwimmvereinen – nicht nur in Hallenbädern, sondern auch an den Badeseen der einzelnen Ortsstellen statt. Eine mögliche Entlastung des begrenzten Angebots im Salzburger Zentralraum könnte künftig das Hallenbad Seekirchen schaffen – ab Herbst 2023 sollen in der Flachgauer Gemeinde die Bagger rollen. Die riesige Nachfrage nach Schwimmkursen dürfte aber auch eine neue Schwimmhalle nicht einbremsen.

Hallenbad_Seekirchen Land Salzburg / Franz Neumayr
Besichtigung des Geländes für das geplante Hallenbad in Seekrichen: v.l.n.r.: Landesrat Stefan Schnöll, Bürgermeister Simon Wallner (Obertrum), Landeshauptmann Wilfried Haslauer , Landesrätin Daniela Gutschi und Seekirchens Bürgermeister Konrad Pieringer (alle ÖVP).

Baubeginn für Hallenbad in Seekirchen 2023 möglich

Der Baustart für das geplante Hallenbad in Seekirchen nimmt Formen an. Als Baubeginn des Projekts, an dem zwölf Gemeinden beteiligt sind, ist bereits das kommende Jahr möglich.

"Projekt Schulschwimmen" in Salzburg

Unterdessen geht die Stadt Salzburg mit dem neuen Schuljahr ins dritte Jahr des "Projekts Schulschwimmen". Dabei sollen die Kinder aller zweiten Volksschulklassen das Schwimmen erlernen. So nahmen im vergangenen Jahr fast 1.100 Kinder an den Kursen in der Mozartstadt teil.

Abgehalten werden die Kurse im Lehrschwimmbecken Taxham und im Paracelsusbad, aber vor allem im Aya Bad. In Letzterem plant die Salzburger Stadtpolitik bis 2026/27 ein zweites Lehrschwimmbecken. Rund 1,5 Millionen Euro seien dafür im mittelfristigen Budget reserviert, hieß es dazu am Donnerstag auf SALZBURG24-Anfrage aus dem Büro des ressortzuständigen Vize-Bürgermeisters Bernhard Auinger (SPÖ).

Schwimmkurse für Erwachsene gibt es freilich auch, die würden jedoch nicht so stark nachgefragt. "Aus Scham ist die Hemmschwelle bei Älteren höher", weiß Nobis von der Wasserrettung. Und das birgt weitere Gefahren, wenn sich Nichtschwimmer:innen an heißen Tagen einfach nur abkühlen wollen – und dann ertrinken.

Erste Erfahrungen als Baby und Kleinkind

Der erste Kontakt mit dem Wasser ist schon sehr früh möglich: Losgehen kann es im kühlen Nass bereits als Baby. Wärme, Kälte, Nässe, Auftrieb und Widerstand können schon von einem kleinen Sprössling im Wasser entdeckt werden. So werden bereits in frühen Jahren der Muskelaufbau gefördert und erste motorische Fähigkeiten erlernt. Das sogenannte Babyschwimmen beruht auf einem angeborenen Atemschutz- und Kriechreflex. Dieser entsteht ab der sechsten Lebenswoche und verliert sich im dritten bis sechsten Lebensmonat.

Kinder können – sofern sie keine Scheu vor Wasser haben – ab einem Alter von etwa vier Jahren das Schwimmen erlernen. Allerdings sei ein einzelner Schwimmkurs im Allgemeinen nicht ausreichend – Fachleute empfehlen zwei bis drei. Selbst dann komme es auf die Situation an: Wer im Becken gelernt hat, ist nicht unbedingt den Umständen im Meer, See oder in Flüssen gewachsen.

Schwimmen lernen in Salzburg

Etliche Vereine und Organisationen bieten im Land Salzburg Schwimmkurse an. Aber nicht in jedem Hallen-, Frei- oder Strandbad werden diese auch durchgeführt. Hier folgt eine Übersicht, wo in Salzburg Schwimmkurse für Kinder und/oder Erwachsene angeboten werden.

Stadt Salzburg

  • Aya Bad
  • Freibad Leopoldskron (Lepi)
  • Neue Mittelschule Taxham
  • Paracelsusbad

Flachgau

  • Freibad Bergheim (Bergxi)
  • Freibad Thalgau
  • Strandbad Mattsee
  • Strandbad Seekirchen

Tennengau

  • Aqua Salza Golling
  • ULSZ Rif

Lungau

  • Badeinsel Tamsweg

Pongau

  • Therme Amade Altenmarkt
  • Freibad Bischofshofen
  • Freibad Pfarrwerfen
  • Gut Wenghof Werfenweng 

Pinzgau

  • Tauern Spa Kaprun
  • Hallenbad Zell am See
  • Woferlgut Bruck
  • Hallenbad Kogler Mittersill

Haben wir ein Strand- bzw. Freibad oder eine Schwimmhalle vergessen, in der Schwimmkurse angeboten werden? Dann schreibt ein E-Mail und wir nehmen es in die Übersicht auf.

(Quelle: SALZBURG24)

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