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Wem der ausbleibende Schnee in Salzburg schadet

Milde Temperaturen haben Konsequenzen

Knospen, SB APA/dpa/Ingo Wagner
Erste Knospen blühen bereits, der Schnee lässt auf sich warten (SYMBOLBILD).

Der Schnee lässt in der Stadt Salzburg weiter auf sich warten, die Temperaturen sollen diese Woche auf bis zu 14 Grad klettern. Welche Konsequenzen der ausbleibende Schnee für die Tier- und Pflanzenwelt hat und wieso sich ein Storch deswegen nach Straßwalchen statt Ägypten verirrt hat, erklären zwei Experten im SALZBURG24-Gespräch.

Rund 2.700 Kilometer Luftlinie ist die Flachgauer Gemeinde Straßwalchen von Ägypten entfernt. In jenem Land in Nordafrika sollten sich Zugvögel wie Störche während des Winters befinden. Tatsächlich wurde am Samstag ein Storch in Straßwalchen gesehen, wie Oswin Mair, der Präsident der Österreichischen Tierrettung, erzählt: „Wir wurden deswegen angerufen. Der Storch sollte zu dieser Zeit eigentlich in Ägypten sein! Aber er ist in Straßwalchen herumstolziert und hat Futter gesucht. Und da der Boden nicht mit Schnee bedeckt ist, findet er derzeit genügend Futter bei uns.“ Die Tierwelt nimmt die warmen Temperaturen also durchaus wahr.

 

Salzburg: Blühende Pflanzen im Jänner

Auch auf die Pflanzenwelt hat das milde Wetter Auswirkungen, berichtet der Leiter des Naturschutzfachdienstes, Hermann Hinterstoisser: „Verschiedene Pflanzen, wie der Haselnussstrauch, beginnen schon jetzt auszutreiben. Kommt später doch noch Frost, besteht die Gefahr, dass diese Pflanzen dadurch Schaden nehmen“, erläutert Hinterstoisser „Die meisten Frühjahrsblüher können mit dieser Wettersituation aber gut umgehen.“

Mildes Wetter schadet Schnecken und Borkenkäfern

Neben Pflanzen ist auch der Boden vom ausbleibenden Schnee betroffen: „Der Schnee bildet normalerweise eine Schutzschicht. Sollte Frost, aber kein Schnee kommen, kann der Boden durchfrieren. Hier kann es zu Parfrostbildungen kommen, das heißt, dass Bodenteile aufplatzen“, erklärt der Experte. „Dadurch können Pflanzen, wie auch Tiere, die in den oberen Bodenschichten überwintern, zu Schaden kommen. Schnecken wären davon zum Beispiel betroffen“ so Hinterstoisser weiter.  

Für den Borkenkäfer haben die milden Temperaturen ebenso negative Auswirkungen: „Sie haben das Problem, dass sich nun die Schädlinge der Schädlinge stärker vermehren und Insektenlarven dadurch leichter verpilzen“, betont der Experte. Ob es im Frühjahr eher mehr oder weniger Borkenkäfer in Salzburg geben wird, lässt sich aktuell aber noch nicht vorhersagen: „Das wird darauf ankommen, wie feucht das Frühjahr wird.“

Warnung vor erhöhter Zeckengefahr

Oswin Mair warnt indes vor erhöhter Zeckengefahr im Frühjahr. „Bei sehr, sehr kalten Temperaturen frieren sie in der Regel ab. Bei einem warmen Winter erleben wir es immer wieder, dass Zecken verstärkt aufkommen.“ Mair empfiehlt daher sich gegen Zecken zu impfen: „Speziell im Flachgau ist es nicht so ungefährlich.“

Kein Einfluss auf Winterschlaf

Bleibt es in den kommenden Wochen ähnlich mild wie derzeit, könnte das den Zeitpunkt für die Amphibienwanderung im Frühjahr beeinflussen: „Kröten- und Froschwanderungen könnten schon im Februar und nicht erst im März stattfinden“, betont der Leiter des Naturschutzfachdienstes.

Den Winterschlaf im Tierreich beeinflussen die milden Temperaturen indes nicht: „Normalerweise haben die Tiere ihren Schlafrhythmus, der teilweise durch die Tageslänge gesteuert wird“, weiß der Experte. Auch für Zugvögel spielt das Winterwetter in unseren Breiten kaum eine Rolle: „Sie fliegen ja bereits im Herbst in den Süden“, erklärt Hinterstoisser. Ein Storch in Straßwalchen stellte jüngst allerdings eine kuriose Ausnahme dar.

(Quelle: SALZBURG24)

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