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Wunsch nach Wertschätzung

Salzburgs Kindergärten "in einer Grenzsituation"

Zahl der Kids in Betreuungs-Einrichtungen gestiegen

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In den letzten Wochen kommen immer mehr Kinder in Salzburgs Betreuungseinrichtungen. Die Situation während des Lockdowns zu bewältigen, stellt die Pädagoginnen und Pädagogen vor Herausforderungen. (SYMBOLBILD)

Während sich Österreich im Lockdown befindet und die Maßnahmen ab Montag verschärft werden, ist der Betreuungsbedarf in den Kindergärten und anderen Betreuungseinrichtungen in den vergangenen Wochen angestiegen – auch in Salzburg. Die Situation sei fordernd, was häufig durch mangelnde Wertschätzung verstärkt werde.

Kinder sollen während des Lockdowns, der nun bis 7. Februar verlängert wurde, wenn möglich zuhause betreut werden. Trotzdem liegt die derzeitige Betreuungsquote in Salzburgs Krippen und Kindergärten bei rund 66 Prozent. Zu Beginn des zweiten Lockdowns im November waren es gerade einmal 39 Prozent, wie es in einem Bericht der Austria Presse Agentur (APA) heißt.

Hohe Auslastung in Eugendorf

Die recht hohe Auslastung bestätigt Christine Moser, Leiterin des Kindergartens in Eugendorf (Flachgau), im SALZBURG24-Interview. Der Kindergarten dürfe aber keinem die Betreuung verwehren: „Es sind schon auch Eltern dabei, die das Angebot ausnutzen. Man kann aber nicht kontrollieren, wer die Betreuung wirklich braucht. Dazu müsste man jeden einzelnen durchleuchten und das ist unmöglich.“

 

Wunsch nach konkreten Vorgaben

Zudem sei die Situation für die Elementarpädagoginnen und -Pädagogen schwierig, da es keinen eigenen Leitfaden, wie etwa in den Schulen gebe: „Wir orientieren uns da an den Vorgaben, die für die Schulen gemacht werden. Wir bekommen immer nur Empfehlungen, aber nichts Konkretes. Wir sind mit unseren Entscheidungen mehr oder weniger allein, keiner kennt sich wirklich aus. Zurzeit ist es bei uns mehr ein ‚Durchwurschteln‘.“

Pädagogen als Zielscheibe für elterlichen Frust

Man bekomme häufig den Frust der Eltern ab. Auch Beleidigungen kämen vor, schildert Moser: „Bei uns dürfen die Eltern im Gegensatz zu vielen anderen Einrichtungen noch in die Garderobe hinein. Wenn man zum Beispiel eine Mutter dann bittet, sich nur kurz drinnen aufzuhalten und sie nach zehn Minuten noch immer dort sitzt und sie erneut darauf aufmerksam gemacht wird, das Gebäude bitte zu verlassen, kann es vorkommen, dass eine lange Mail kommt, in der beschrieben wird, wie blöd man denn nicht sei und dass man den Moment mit dem Kind zerstört habe.“ Es gebe auch einige Eltern, die keine Maske tragen wollen. 

Zahl in ganzer Stadt Salzburg gestiegen

Ein ähnliches Bild zeichnet Jutta Kodat, Amtsleiterin der Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen in der Stadt Salzburg. In den 36 Einrichtungen der Stadt Salzburg liege die Auslastung momentan bei 62 Prozent. Tendenziell sei die Zahl im Süden der Stadt höher als im Norden, es sei jedoch seit letzter Woche generell ein Anstieg zu verzeichnen.

Mitte November lag die durchschnittliche Zahl der zu betreuenden Kinder zwischen 1.000 und 1.200, jetzt bei 1.700 bis 1.800. Derzeit sei nur eine Gruppe geschlossen. 

 

"Grenzsituation erreicht"

Zur Stimmung in den Betreuungseinrichtungen meint sie: „Wir hoffen, dass es bald wieder normal weitergehen kann, denn momentan ist für alle eine Grenzsituation erreicht.“ Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden unter den kurzfristigen Ankündigungen der Maßnahmen leiden, denn solange es keinen gesetzlichen Beschluss gebe, aber einzelne Schritte schon längere Zeit in den Medien diskutiert werden, gebe es natürlich Fragen von Eltern. „Die Eltern sind dann oft enttäuscht, wenn man nicht mehr dazu sagen kann. Es wäre schön, den anderen nicht als Deppen hinzustellen, nur weil er noch keine genaueren Informationen hat.“

Wunsch nach mehr Wertschätzung

In einem sind sich Kodat und Moser einig: Mehr Wertschätzung, auch vonseiten der Politik, gegenüber Elementarpädagoginnen und –Pädagogen sei in dieser schwierigen Situation wichtiger denn je, vor allem für die Psyche.

Mitarbeiter im Lungau gefordert

Auch in einem Lungauer Kindergarten seien derzeit fast alle Kinder da, erklärt eine Verantwortliche, die nicht namentlich genannt werden will, gegenüber S24. Ängste vor einer Ansteckung unter den Kindern seien bei vielen Eltern kaum vorhanden. Es dürfe nicht mehr viel passieren, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien schon sehr gefordert. Der Großteil der Eltern schätze aber die Leistung. 

Politik streicht Elternbeiträge 

Um für Eltern in Salzburg einen Anreiz zu schaffen, ihre Kinder bei Möglichkeit nicht in Betreuungseinrichtungen zu schicken, werden Elternbeiträge vom 25. Jänner bis Ende Februar gestrichen.

Diese Ankündigung hat bei Eltern aber auch Fragen aufgeworfen. Unklar war zum Beispiel, wieso diese Maßnahme erst jetzt ergriffen wurde. Die zuständige Landesrätin Andrea Klambauer (NEOS) begründet die Entscheidung im Gespräch mit S24 vor allem mit der Unsicherheit aufgrund der britischen Mutation des Coronavirus und der wachsenden Gruppengröße seit Weihnachten. Deshalb habe man sich nun entschieden, wie bereits im ersten Lockdown im Frühling zwischen März und Mai zu handeln. Auch für die Betreuung bei Tageseltern entfallen die Kosten. Es bleibt also abzuwarten, wie viele Eltern in den nächsten Wochen das Angebot annehmen und sich entscheiden, ihre Kinder daheim zu betreuen. 

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 15.06.2021 um 08:16 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/kindergaerten-in-salzburg-in-einer-grenzsituation-98690821

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