Jetzt Live
Startseite Salzburg
Neue Erhebung gefordert

Was kosten Kinder?

Aktuelle Daten sind 55 Jahre alt

Kind, Geld, SB dpa-Zentralbild/Jens Kalaene/SYMBOLBILD
Wie viel genau Kinder in Österreich pro Monat kosten, weiß man nicht (Symbolbild).

Kinder kosten Geld – das ist allgemein bekannt. Wie viel genau Eltern für ihren Nachwuchs monatlich ausgeben, das kann in Österreich nur geschätzt werden. Zuletzt wirklich erhoben wurde das vor 55 Jahren, beeinflusst aber bis heute etwa die Höhe der Alimente. Salzburg fordert jetzt eine Neuberechnung.

Die direkten Kinderkosten wurden in Österreich erstmals 1969 erhoben, basierend auf der damaligen Konsumerhebung aus dem Jahr 1964. Daraus wurden Regelbedarfsätze abgeleitet, die immer noch zur Berechnung von vielen Leistungen dienen, die Eltern vom Staat beziehen. Zum Beispiel die Familienbeihilfe. Doch auch die Höhe von Unterhaltszahlungen wird mithilfe dieser Erkenntnisse festgelegt.

Kinderkosten zuletzt in Schilling berechnet

Diese Konsumerhebung untersuchte die Ausgaben von Haushalten, dabei wurde allerdings nicht berücksichtigt, ob das Geld für Kinder oder Erwachsene verwendet wurde. 1964 rechnete man laut Österreichischem Institut für Familienforschung (ÖIF) mit 424,45 Schilling für Kinder unter drei Jahren und bis zu 1.342,01 Schilling für Kinder von 19 bis 26 Jahren. Die sogenannten Regelbedarfssätze werden von dieser Erhebung abgeleitet und jedes Jahr mittles Verbraucherpreisindex wertangepasst. 2018/19 sind das – je nach Alter – 208 bis maximal 580 Euro pro Monat.

 

Klambauer: "Die alten Daten stimmen nicht mehr"

Salzburgs Familienlandesrätin Andrea Klambauer (NEOS) ist der Meinung, dass es dringendst eine neue Erhebung der tatsächlichen Kinderkosten brauche. „Familien sind mit finanziellen Belastungen konfrontiert, wie hoch diese sind, wissen wir aber nicht“, sagt Klambauer im Gespräch mit SALZBURG24. Alle Bundesländer forderten den Bund – speziell Familienministerin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) – deshalb bei der Familienreferentenkonferenz am Freitag zu einer neuen Erhebung auf.

Deutschland erhebt alle fünf Jahre

„Die Lebenswelten ändern sich, damit ändert sich auch der Warenkorb für Familien: Kleidung wird beispielsweise immer günstiger, die Mieten werden deutlich teurer. Wir wissen, dass die alten Daten nicht mehr stimmen können“, erklärt Klambauer die Gründe für den Antrag. Orientieren könnte man sich am Beispiel Deutschland. Dort werden die Kinderkosten alle fünf Jahre erhoben. Laut Statistischem Bundesamt müssen Eltern im Nachbarland durchschnittlich 584 Euro pro Monat für ein Kind ausgeben.

Schätzungen dazu, wie viel ein Kind in Österreich pro Monat kostet, gibt es bereits. 2003 kam eine Untersuchung des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) auf 520 Euro. Dabei wurde auch ermittelt, dass Haushalte mit einem Kind eigentlich ein 16,5 Prozent höheres Einkommen bräuchten, bei zwei Kindern erhöht sich der Wert auf 34 Prozent.

Kind in Österreich kostet 625 Euro

Die neuesten Zahlen stammen von 2018. Eine Untersuchung der Volkshilfe kam auf einen Schnitt von 625 Euro – mehr als die maximal 580 Euro, von denen der Gesetzgeber derzeit ausgeht. Vier Faktoren hat die Volkshilfe bei ihrer Aufstellung herangezogen. So würden die materiellen Kosten rund 300 Euro pro Kind betragen – 120 Euro fürs Wohnen, 115 Euro für Nahrung und rund 65 Euro für Kleidung. Bis zu 200 Euro würden für Schulbildung monatlich anfallen. "Soziale Teilhabe", wie etwa Freizeitaktivitäten, kosteten durchschnittlich 95 Euro. 30 Euro machten schließlich Körperpflege und Gesundheitsvorsorge aus.

„Selbst den niedrigen Wert des Wifo erreicht man derzeit beim Unterhalt nur in der höchsten Stufe bei Studenten über 19 Jahren“, kritisiert Klambauer.

 

Kostenerhebung "Aufgabe des Bundes"

Eine neue Erhebung würde wohl um die 100.000 Euro kosten, schätzt die Landesrätin. Bereits 2017 – bei den Verhandlungen des Koalitionsvertrags – haben 70 Kinder-Organisationen, Kinderliga, SOS Kinderdorf, UNICEF, etc., eine neue Erhebung gefordert. Aufgenommen wurde diese Forderung nicht.

Der Antrag der Länder ging nun an die Familienministerin. Auch, weil das eine Aufgabe des Bundes sei und „ich nichts davon halte, dass die Länder dessen Aufgaben übernehmen“, betont Klambauer. Mit einer Antwort aus Wien rechnet sie in zwei bis drei Monaten.

(Quelle: SALZBURG24/APA)

Whatsapp

Aufgerufen am 23.08.2019 um 05:38 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/kinderkosten-neue-erhebung-in-oesterreich-gefordert-68546632

Kommentare

Mehr zum Thema