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Ab in den Süden

Klimawandel bringt Zugvögel in Futternot

Bleiben Schwalbe, Star und Co bald Zuhause?

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Viele heimische Vogelarten zieht es über die kalten Wintermonate in Richtung Süden. (SYMBOLBILD)

Die ersten sind schon davon gezogen, der Rest sollte in den nächsten Wochen folgen: Viele Vogelarten verlassen derzeit Salzburg, um die Wintermonate weiter südlich zu verbringen. Woher die Tiere wissen, wann der richtige Zeitpunkt für den Abflug ist und welchen Einfluss der Klimawandel auf ihr Überleben hat, haben uns Experten erklärt.

Ihr Revier verlassen Zugvögel vor allem wegen des schlechteren Nahrungsangebots in der kalten Jahreszeit. Durch den Frost stehen weniger Insekten, Körner und Früchte zur Verfügung, erklärt Gábor Wichmann, Geschäftsführer der Nichtregierungsorganisation BirdLife, heute im Gespräch mit SALZBURG24. Für manche Arten habe es sich deshalb evolutionär ausgezahlt, jährlich viele hundert Kilometer in den Süden und wieder zurück zu fliegen.

Bekannte heimische Vogelarten in Salzburg:

  • Langstreckenzieher: Rauch- und Mehlschwalben, Störche, Rohrsänger, Gartengrasmücke
  • Kurzstreckenzieher: Feldlärche, Braunkehlchen, Mauersegler, Mönchsgrasmücke
  • Teilzieher: Hausrotschwanz, Amsel
  • Standvögel: Meisen

Mehlschwalbe: Vogel des Jahres 2022 APA/BIRDLIFE/OTTO SAMWALD
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Bis zu 700 Kilometer Flug am Stück

Unterscheiden kann man Zugvögel in Kurzstreckenzieher und Langstreckenzieher. Letztere reisen teilweise bis nach Südafrika. „Dabei legen sie gerne mal 500 bis 700 Kilometer in einem Stück zurück, ohne eine Pause zu machen“, weiß der Ornithologe. Möglich wird das durch eine ganz spezielle Art der Fettspeicherung in den oberen Hautschichten. „So können die Tiere schneller auf die Reserven zugreifen, als es beispielsweise der Mensch kann.“

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Langstreckenzieher orientieren sich an Tageslänge

Den richtigen Zeitpunkt für den Abflug gibt den Langstreckenziehern nicht etwa die Temperatur an, sondern die Länge der Tage: Kürzere Tage signalisieren den Tieren, dass sie sich auf den Weg machen müssen. Deshalb stünden Langstreckenzieher in Hinblick auf den Klimawandel vor Problemen, meint Wichmann: „Zum einen wird die Futtersituation in Afrika beeinflusst, zum anderen verändert sich auch das Insektenangebot bei uns. Haben Insekten aufgrund der wärmeren Temperaturen einen früheren Höhepunkt, sind Zugvögel vielleicht mit ihrer Rückkehr zu spät dran.“

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Temperatur beeinflusst Kurzstreckenzieher

Anpassungsfähiger sind die Kurzstreckenzieher. Sie orientieren sich nicht an der Tageslänge, sondern am Futterangebot und reisen daher oft nur in den Mittelmeerraum. „Dort ist das Nahrungsangebot auch im Winter ausreichend“, erklärt Wichmann die kürzere Distanz. Dass Kurzstreckenzieher aufgrund des Klimawandels irgendwann auch im Winter bei uns bleiben, hält der Ornithologe grundsätzlich für möglich: „Es wird sich zeigen, ob das Nahrungsangebot dann ausreichend ist. Durch Land- und Forstwirtschaft wird viel Lebensraum zerstört.“ Die Konkurrenz zwischen den Arten könnte dann zunehmen, meint er.

Winterreise könnte in Zukunft ausbleiben

Auch Lisa Sernow, Kuratorin des Zoo Salzburg, kann sich vorstellen, dass Kurzstreckenzieher irgendwann ihre Winterreise ausfallen lassen. „Derzeit ist das aber noch nicht der Fall und alle Vögel, die fliegen sollen, fliegen auch tatsächlich weg“, erklärt sie.

Kein Eingreifen bei zurückgebliebenen Vögeln

Beide Experten raten davon ab, einen zurückgebliebenen Zugvogel selbstständig zu retten. „Das Tier kann dadurch den Anschluss verlieren“, so Sernow. „Am besten beobachtet man den Vogel eine Weile. Ist er nicht verletzt, besteht die Chance, dass er sich noch an eine andere Gruppe anhängt.“ Da die Vögel nicht ganzjährig im Schwarm leben, sei es letztlich egal, mit welcher Gruppe sie mitfliegen.

Reisefaulheit könnte Evolutionsschritt sein

Wichmann sieht auch den evolutionären Aspekt beim Zurückbleiben einzelner Tiere: „Tun kann man da nicht viel. Wenn die Zugvögel Fehler in ihrem ‚Flugprogramm‘ haben, sortiert die Natur sie aus.“ Außerdem könne das Auslassen der Winterreise ein neuer Entwicklungsschritt der Art sein: „Die entsprechende Mutation, der ‚Fehler im Flugprogramm‘ kann sich für das Tier auch als positiv erweisen.“

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Viele Arten in Salzburg

Heimisch sind in Salzburg so einige Zugvögel. Neben den Lang- und Kurzstreckenzieher gibt es hier auch einige Teilzieher, die sich je nach Population und Standort nur wenige Kilometer von ihrem Revier entfernen. Darunter fallen auch solche, die über den Sommer in den Bergen leben und im Winter ins Tal hinabfliegen, um sich vor dem Frost zu schützen. Standvögel bleiben das ganze Jahr über dort, wo sie sind.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 28.10.2021 um 12:09 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/klimawandel-bringt-zugvoegel-in-futternot-110597470

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