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Wie modern darf der Krampus sein?

Zwei Salzburger Experten im Gespräch

Krampus Thalgau SALZBURg24/WURZER
Die ersten Krampusläufe der Saison fanden bereits statt.

Die ersten Krampusse sind bereits in Salzburg unterwegs. Viel zu früh, sagen die einen – warum nicht, die anderen. Auch über die Aufmachung der gehörnten Gesellen gibt es immer wieder Diskussionen. Wir haben bei Michael Friesacher jun. von den Anifer Krampussen und Hans Strobl, Landesreferent der Salzburger Heimatvereine, nachgefragt, wie modern der Krampus überhaupt sein darf.

„Das hat doch nichts mehr mit Brauchtum zu tun“ – Kritik, mit der auch die Anifer Krampusse häufig konfrontiert werden, wie Obmann Michael Friesacher jun. im Gespräch mit SALZBURG24 zugibt. Jährlich ist ihr Event im Friesacher’s Heuboden innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Die Krampusse springen dort von der Decke, liefern eine sensationelle Show. Dann wird kräftig gefeiert.

Was macht einen guten Krampus aus?

„Das ist neben Hausbesuchen und dem Heimlauf in Anif unsere moderne Komponente“, sagt Friesacher. Damit könne man vor allem die Jüngeren begeistern. "Natürlich wissen wir, dass Licht und Ton nicht zum ursprünglichen Krampus dazugehören, aber das ist eine Entwicklung der Zeit“, so der 29-Jährige, der seit sechs Jahren Obmann der „Anifer“ ist. Sein Vater Michael Friesacher sen. hat den Verein 1976 gegründet. Er war es, der damals auch einen Krampus-Kodex niedergeschrieben hat, an den sich die Mitglieder zu halten haben.

Ein guter Krampus zeichne sich vor allem durch seine Leidenschaft für das Brauchtum aus, heißt es darin. Zudem sei gute Menschenkenntnis gefragt. Denn der Krampus müsse sowohl wild, als auch zahm auftreten können. An Stelle von Gummimasken, wie es zu dieser Zeit üblich war, tragen die Anifer Krampusse seit jeher geschnitzte Holzlarven und einen Vollpelz – diese Tradition wird bis heute strikt verfolgt. „Wir wollen keine Horrormasken“, stellt Friesacher klar.

Masken wieder traditioneller

Das ist offenbar auch der Trend der Zeit. „Die Masken kommen wieder mehr auf das Brauchtumsbild zurück“, bestätigt Hans Strobl, Krampus-Referent der Salzburger Heimatvereine gegenüber S24. Er setzt sich stark für den Brauchtumserhalt im Land Salzburg ein. Ein Dorn im Auge sind ihm  neben ausgearteten Masken auch der frühe Beginn der Läufe und deren Dimensionen.

„Das größte Problem, das ich sehe, sind die Großveranstaltungen, bei denen 1.000 Krampusse auftreten“, sagt Strobl. Nicht nur, dass dreistündige Läufe für die Zuschauer „fad“ würden, sondern auch die Aufmachung bekrittelt der Pongauer. „Der Krampus gehört in die Adventzeit, das bedeutet ruhige Musik, ob etwas Moderneres oder Volksmusik, ist egal. Aber Discomusik hat beim Krampus nichts verloren.“

So haben sich die Krampusläufe entwickelt

Shows, wie jene der Anifer Krampusse, steht Strobl skeptisch gegenüber, räumt aber ein, dass sie als „Ausformung von modernen Krampussen“ wohl zu akzeptieren seien. Für ihn stehen jedenfalls die Hausbesuche und kleineren Läufe rund um den 5. Dezember im Vordergrund des Brauchtums. „Die Krampusse zogen früher von Haus zu Haus und haben sich danach am Marktplatz getroffen. Über die Jahre sind daraus die Läufe entstanden“, erklärt er.

Dass es inzwischen immer weniger Veranstaltungen ohne Absperrgitter gibt und auch immer wieder zu Ausschreitungen kommt, sehen beide übereinstimmend als bedenkliche Entwicklung an. Wenn in den kommenden Tagen und Wochen in zahlreichen Salzburger Gemeinden die Krampusse auflaufen, hoffen sie auf gegenseitiges Verständnis.

Zuschauer sollten sich bewusst machen, dass hinter der Maske ein Mensch steckt, raten die Anifer Krampusse dazu ihren Besuchern. Aber auch dem Krampus müsse klar sein, dass er nur die zweite Geige hinter dem Nikolaus spielt, ist für Strobl besonders wichtig. Denn: Das Gute siegt über das Böse. Nicht nur beim Krampuslauf, ist zu hoffen.

Alle Krampustermine findet ihr hier.

(Quelle: SALZBURG24)

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