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Psychosozialer Dienst

Salzburger helfen bei schlimmsten Unfällen

Kriseninterventionsteams betreuen Menschen in Extremsituationen

Bei den schweren Unfällen der letzten Tage in Salzburg und Oberösterreich waren auch die Kriseninterventionsteams (KIT) des Roten Kreuzes im Einsatz. Wie die Arbeit eines solchen Teams aussieht, haben wir die Leiterin des KIT Salzburg gefragt.

„Wir kümmern uns um Menschen in Ausnahmesituationen. Das können plötzliche Todesfälle sein, Arbeitsunfälle wie in Hallein (Tennengau), Suizide, Kindernotfälle oder andere traumatische Situationen“, sagt Karin Unterluggauer, Leiterin des Kriseninterventionsteams Salzburg, heute zu SALZBURG24.

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Die Frau stürzte beim Klettern am Vorderen Rotofen im östlichen Lattengebirge rund 80 Meter weit ab.

Frau stürzt beim Klettern in den Tod

Eine 50-Jährige ist Donnerstagmorgen im östlichen Lattengebirge beim Klettern am Vorderen Rotofen (Lkr. Berchtesgadener Land) tödlich verunglückt.

Bedürfnisorientierter Zugang

Am Einsatzort werden die Betroffenen in den ersten Stunden nach dem Extremereignis betreut. Wie genau diese Betreuung aussieht, bestimmen die Betroffenen im Grunde selbst. „Wir haben einen sehr bedürfnisorientierten Zugang und fragen auch nach, was die Menschen brauchen.“ Oft ginge es nur darum, organisatorische Fragen zu klären. „Viele wollen aber auch wissen, wo sich der verstorbene Mensch befindet und ob man ihn noch einmal sehen könne, um sich zu verabschieden“, schildert die Leiterin des KIT.

OBERÖSTERREICH VERKEHRSUNFALL IN BAUMGARTENBERG =.jpg APA/FOTOKERSCHI.AT / BRANDSTÄTTER
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Informieren der Angehörigen

Auch beim Benachrichtigen weiterer Angehöriger helfen die Ehrenamtlichen. Viele Betroffene stehen nach einem traumatischen Ereignis vor der Frage, wem man sich mitteilen sollte und vor allem wie. Das Informieren der Familie sei besonders wichtig, meint Unterluggauer. „Nur so kann das soziale Netz greifen und die Betroffenen finden weitere Unterstützung.“

Grundstein für Verarbeitungsprozess

Wie viel kann aber ein solches Kriseninterventionsteam in den wenigen Stunden, die ihnen am Einsatzort zur Verfügung stehen, überhaupt bewirken? „Natürlich braucht Trauerverarbeitung Zeit. Wir begleiten zwar nur die ersten Schritte, die sind aber ganz zentral für den weiteren Verarbeitungsprozess." Primär gehe es darum, Menschen in Extremsituationen zu unterstützen, bis diese wieder selbst handlungsfähig sind. Auch die Weitervermittlung an langfristige Betreuungsmöglichkeiten sei ein wesentlicher Teil der Arbeit.

Weniger Aktive durch Corona

Die Corona-Pandemie habe auch beim Kriseninterventionsteam zu Veränderungen geführt. Manche Ehrenamtliche zählen zur Risikogruppe und konnten dementsprechend nicht mehr in den Einsatz geschickt werden, anderen Mitgliedern wurde der Einsatz wegen des erhöhten Infektionsrisikos vom Arbeitgeber untersagt. „Wir sind aber stolz darauf, dass wir das Angebot aufrechterhalten konnten. Das war nicht in allen Bundesländern selbstverständlich."

Maske stellt Ehrenamtliche vor Herausforderung

Sogar Einsätze bei nachweislich Infizierten und bei Menschen in Quarantäne habe es gegeben. „In voller Schutzmontur mit Mundschutz war das schon eine Herausforderung, Mimik ist bei uns ja wesentlich." Auch sei es oft schwierig, emotional stark aufgewühlte Menschen zum Aufziehen einer Maske zu bewegen. Man habe aber trotz Pandemie und Corona-Maßnahmen jeden Einsatz machen können. Manche Fälle habe man telefonisch betreut. „Da ging es dann aber nur darum, den Betroffenen ein paar kurze Fragen zu beantworten.“

Wer kann mitmachen?

Das Angebot der mobilen Krisenintervention gibt es beim Roten Kreuz seit 2007. Insgesamt 114 Ehrenamtliche und ein Festangestellter engagieren sich hier. Wer sich bewerben möchte, muss schon im Vorfeld eine psychosoziale Ausbildung mitbringen und bereit sein, an verpflichtenden Aus- und Weiterbildungen teilzunehmen.

Kriseninterventionsteams arbeiten regional

Im Bundesland Salzburg gibt es mittlerweile vier Teams. Team „Nord“ ist für Salzburg Stadt, den Flachgau sowie den Tennengau zuständig. Pongau, Lungau und Pinzgau haben jeweils ein eigenes Team. „Uns ist wichtig, dass die Teams regional organisiert sind. So können wir auch schnell am Einsatzort sein“, betont die Mitarbeiterin des Roten Kreuzes.

Alarmierung durch Einsatzkräfte

Alarmiert wird der psychosoziale Dienst durch die jeweiligen Rettungsleitstellen. Wer nach einem Unfall oder Todesfall Unterstützung des Kriseninterventionsteams braucht, sollte sich also an einen Sanitäter vor Ort wenden. Die Ehrenamtlichen unterliegen der Schweigepflicht und dürfen keine der ihnen anvertrauten Informationen weitergeben. 

(Quelle: SALZBURG24)

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