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Sonntags-Talk

"Emotionen sind für uns das Wichtigste"

jana & js bei Salzburger Kunst-Festival

Sonntags-Talk: jana & js SALZBURG24/ WINKLER
Das Künstlerpaar jana & js lebt und arbeitet im bayerischen Laufen.

Weniger als eine Woche vor dem Underbridge in der Landeshauptstadt – einem Festival für urbane Kunst – haben wir das Künstlerpaar jana & js zum Sonntags-Talk getroffen und uns mit den beiden über Street Art in Salzburg, das Besondere an verlassenen Orten und die Emotionalität ihrer Bilder unterhalten.

Salzburg, Oberndorf bei Salzburg

Das österreichisch-französische Künstlerpaar jana & js – Jana (34) aus Oberndorf (Flachgau) und Jean-Sébastien (38) aus der Nähe von Paris – hat sich auf die sogenannte Schablonenkunsttechnik spezialisiert und malt auf der ganzen Welt. Die ausgestellten Werke der dreifachen Eltern begeistern Street-Art-Fans in internationalen Galerien von Los Angeles über Wien bis nach Melbourne, aber auch in der Natur und an verlassenen, geheimnisvollen Orten.

Gemeinsam mit anderen Künstlern wird das Duo vom 13. bis 15. September beim Underbridge-Festival mehrere Hausfassaden in der Landeshauptstadt neu gestalten.

SALZBURG24: Ein bekanntes Bild von euch ziert schon seit Jahren ein altes, verlassenes Geschäft in der Salzburger Steingasse.

JANA & JS: Die alte Tändlerei ist wunderschön und das Bild vor etwa fünf Jahren entstanden. Wir lieben alte und dreckige Wände oder einfach Orte, die eine Geschichte erzählen. Immer wieder werden wir auch auf das Motiv in der Steingasse angesprochen. Heuer haben wir es erneuert, das Motiv ist übrigens auf Papier gemalt und geleimt. Es wurde kein Graffiti auf die Wand gesprayt.

Sonntags-Talk: jana & js jana & js
 Die alte Tändlerei in der Salzburger Steingasse.

Seit wann macht ihr überhaupt gemeinsam Kunst?

Kennengelernt haben wir uns im Jahr 2005 in Madrid. Die Street Art dort hat uns damals sehr beeinflusst. Schon im nächsten Jahr haben wir gemeinsam erste Bilder gemalt und 2007 gab es die erste Ausstellung unter dem Namen jana & js. Neben internationalen Galerien findet unsere Kunst auf der ganzen Welt, in der Natur und an verlassenen Plätzen statt.

Wie findet ihr diese verlassenen Orte?

Meistens entdecken wir sie total zufällig. Es ist immer ganz speziell, spannend und schön, wenn man stundenlang durch verlassene Gebäude spaziert und gemeinsam kreativ wird.

Welcher Ort ist euch besonders in Erinnerung geblieben?

Das ehemalige Noppinger Bräu in Oberndorf war früher mal ein Gasthaus, Hotel und eine Brauerei und ist schon seit mehreren Jahren geschlossen. Vor einiger Zeit stand eines Tages plötzlich eine Tür offen. Es war, als wäre die Zeit in den 80er-Jahren stehengeblieben. Die Betten in den Zimmern waren noch bezogen, neben Telefonen lagen alte Lieferscheine, im Restaurant das Geschirr und in der Brauerei standen die alten mächtigen Maschinen – das war ein Wahnsinn und wie eine Zeitreise. Jeder Raum hatte etwas Neues und Anderes zu bieten.

Mit der Zeit haben wir drinnen viele Sachen gemalt, aber leider waren wir nicht die Einzigen. Vieles ist durch Vandalismus oder auch Einsatzübungen der Polizei und Rettung kaputt gegangen. Nach dem Abriss vor zwei Jahren sind dort nun eher unschöne Wohnanlagen entstanden.

Wie und warum entsteht eure Kunst? Was sagt sie aus?

Unsere Kunst entsteht aus einem Gefühl der Liebe und durch Inspiration der Orte, an denen wir waren. Die Objekte, die uns als Leinwand dienen, lassen Nostalgie mitschwingen. Es ist wie Poesie und Teil unseres Lebens, unserer Beziehung. Wir wollen unbedingt gemeinsam etwas Kreatives machen. Für uns fühlt sich das alles selbstverständlich und natürlich an, wie im Flow.

Hat die Geburt eurer Kinder euer künstlerisches Schaffen beeinflusst?

Auf jeden Fall. Die Motive und Themen haben sich dadurch verändert. Wir sind eigentlich beide Stadtmenschen, unsere Arbeit fand deshalb früher auch viel mehr im urbanen Raum statt. Mit unseren Kindern sind wir dann auch mal im Wald spazieren gegangen. Da kamen wir auf die Idee mit den Baumstämmen. Wir sind durch unsere Kinder selbst sensibler geworden, unsere Werke sind nun melancholischer und emotionaler.

Sonntags-Talk: jana & js jana & js
jana & js: "Das Werk muss mit seiner Umgebung sprechen, erst dann ergibt es ein Ganzes."

Wie lautet eure persönliche Definition von Street Art?

Street Art muss Sinn machen. Uns ist es wichtig, Kunstwerke in die bestehende Umgebung zu integrieren und nicht einfach ohne Hintergedanken eine große Wand vollzumalen. Das Werk muss mit seiner Umgebung sprechen, erst dann ergibt es ein Ganzes. Das heißt, es macht nur dort Sinn, wo es auch platziert wurde – das ganze Drumherum zählt.

Die Emotionen sind für uns das Wichtigste – welche Gefühle bei den Leuten hervorgerufen werden, die das Bild sehen.

Kommt ihr in Kontakt mit den Leuten?

Uns sprechen auch Leute an, die meinen, wir hätten sie gemalt oder ein Foto von ihnen gemacht. Das ist total schön, dass sich so viele Menschen darin sehen und dass jeder seine eigenen Sachen reininterpretiert. Dann haben wir anscheinend irgendetwas richtig gemacht.

Was kann Street Art bewirken?

Street Art ist sehr facettenreich und es kommt sicher auf die jeweiligen künstlerischen Motive an. Starke Messages bestimmen beispielsweise die politische Dimension, es gibt aber auch viel Witziges und Absurdes. Street Art oder Kunst im Allgemeinen kann zu Begegnungen führen und soll Diskussionen anregen.

Wie steht es um Street Art in Salzburg?

Die Stadt Salzburg schiebt dem leider oft einen Riegel vor. Auf öffentlichen Plätzen ist es vergleichsweise eher schwierig, etwas zu bewegen. Klar ist das schade, aber das haben wir schon lange akzeptiert. Im letzten Jahr hat uns das LandArt-Projekt am Nockstein sehr begeistert. Dort wurde die Kunst mit der Natur vereint und noch immer kann man Werke der unterschiedlichen Künstler entdecken.

Ende kommender Woche seid ihr beim Underbridge-Festival in der Mozartstadt. Wo malt ihr?

Für uns ist es das erste offizielle Projekt in Salzburg, das ist sehr schön. Unsere Wand ist in der Gaswerkgasse, genau vor der Unterführung zum Landeskrankenhaus.

Könnt ihr schon was verraten?

Nein, denn die Überraschung ist auch ein großer Teil der Street Art.

Früher war es das Genialste, wenn man von heute auf morgen ein neues Bild an einer Häuserwand entdeckt hat. Wer hat das wann und wie gemacht? Was soll es aussagen? Das ist spannend und macht diesen geheimnisvollen Reiz aus. Heute siehst du viele Bilder schon vorher auf Instagram, was irgendwie schade ist.

Habt ihr beim Malen auch Zeit, um mit Interessierten zu ratschen?

Wir freuen uns immer, wenn Leute kommen, zuschauen und mit uns darüber plaudern. Das Werk muss aber in drei Tagen fertig sein, bei Zeitdruck sind wir dann auch im Tunnel.

Und was, wenn es regnet?

Oje, daran haben wir noch gar nicht gedacht (lacht).

Dann hoffen wir auch auf strahlenden Sonnenschein – vielen Dank für das Gespräch.

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an nicole.schuchter@salzburg24.at.

(Quelle: SALZBURG24)

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