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Kundenkarten

"Massiver Eingriff in eigene Daten"

Weitergabe von Informationen an Dritte

Kundenkarte, SB dpa/Uwe Anspach/SYMBOLBILD
Kundenkarten dienen den Unternehmen vor allem zum Datensammeln, lautet die Kritik.

3.000 Geschäfte und viele Rabatte: Das verspricht eine neue Kundenkarte in Österreich. Mit dem Vormarsch der Multipartnerprogramme werden die Karten im Geldbörserl zwar weniger, das Datensammeln geht aber munter weiter. Der erhoffte Vorteil hat seinen Preis, betont Konsumentenberaterin Bettina Pichler.

14 Kundenkarten hat jeder Österreicher im Schnitt. Bringen die aber wirklich Vorteile? „Dem Unternehmen auf jeden Fall“, sagt Bettina Pichler von der Konsumentenberatung der Salzburger Arbeiterkammer (AK) im Gespräch mit SALZBURG24. Unternehmen würden generell mit Aktionen werben, wenn man gezielt schaue, könne man hier und da etwas sparen. „Man muss aber abwägen, welchen Preis man dafür bezahlt. Es ist ein massiver Eingriff in die eigenen Daten.“

Kundenbindung an erster Stelle

Für Unternehmen geht es in erster Linie um Kundenbindung. „Die Boni bekomme ich nicht in bar abgelöst, sondern meistens auf den nächsten Einkauf gutgeschrieben“, schildert die Expertin. Außerdem sei die Einlösung der Rabatte oft nur befristet möglich, viele Warengruppen zudem ausgenommen. „Die Bedingungen der Kundenkarten sollte man sich vor dem Unterschreiben genauestens durchlesen“, rät Pichler.

Wer bekommt meine Daten?

Die Daten bleiben dabei oftmals nicht bei dem einen Unternehmen, sondern werden an Dritte weitergegeben. Pichler rechnet vor: „Wenn ich fünf Karten habe und jedes Unternehmen gibt die Daten an drei weitere Partner weiter, habe ich 15 Firmen, die mich anschreiben dürfen.“ Die Zustimmung gibt man im Kleingedruckten, transparent sei das jedoch nicht: „Ich weiß als Konsument nicht, wer die Werbepartner sind und ich weiß nicht, ob es einer oder 30 sind.“

"Jeder Datensatz ist eine Ware"

Pichler weist zusätzlich darauf hin, dass Daten nicht gleich Daten seien. Sie unterscheidet zwischen Stammdaten (Name, Anschrift, Geburtsdatum) und anderen Daten. Während es bei ersteren okay sei, diese zu verlangen, sei das bei den persönlichen Informationen (Telefonnummer, Einkaufsverhalten, E-Mailadresse, berufliche Tätigkeit, etc.) nicht so. „Hier geht es ans Eingemachte, das fällt unter das Datenschutzgesetz.“ Vielfach werde jedoch nicht gekennzeichnet, welche Daten Kundinnen und Kunden weitergeben müssen. „Jeder Datensatz ist eine Ware und je mehr ich preisgebe, umso gläserner werde ich“, warnt Pichler.

Kundenkarten: Relativ wenig Vorteile

Mit den neuen Multipartnerprogrammen habe man bisher noch keine Erfahrungen: „Dazu haben wir noch keine Erhebung gemacht.“ Insgesamt sieht die Beraterin das Kundenkartensystem kritisch, Transparenz gebe es keine: „Wenn ich die Weitergabe meiner Daten widerrufe, kann es sein, dass die Vorteile weg sind.“

Im Großen und Ganzen böten die Kundenkarten also relativ wenig Vorteile, im Vergleich dazu, wie viele Daten dadurch preisgegeben werden, bilanziert Pichler.

Daten löschen lassen

Wer sich von einer Kundenkarte trennen möchte, sollte unbedingt auch das betreffende Unternehmen kontaktieren und eine Löschung der Daten beantragen. „Nach der neuen Datenschutzgrundverordnung gibt es das Auskunfts- und das Löschungsbegehren. Sobald ich weiß, welche Daten die Unternehmen von mir haben, kann ich einen Antrag auf Löschung stellen“, erläutert Pichler. Die Karte nur zu zerschneiden und wegzuwerfen, reicht nicht.

(Quelle: SALZBURG24)

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