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Warten auf die weiße Pracht

Was kostet Kunstschnee in Salzburg?

Skigebiete investieren Millionen in Beschneiung

Schneekanone, Kunstschnee, Beschneiung, SB APA/dpa/Karl-Josef Hildenbrand
Besonders in schneearmen Wintern braucht es eine Menge technisch erzeugten Schnee. (SYMBOLBILD)

Frühlingshaft warm, viel Sonne – weit und breit kein Wintereinbruch in Sicht. Das Pistenvergnügen ist in Salzburg ist trotzdem schon lange eröffnet, die Schneekanonen laufen auf Hochtouren. Wir haben uns angesehen, wie viel Kunstschnee kostet, was es dafür braucht und wie viel Geld jährlich in die Beschneiung investiert wird.

52 Skigebiete gibt es im Bundesland, erschlossen sind sie durch 430 Liftanlagen und in jedem davon stehen Beschneiungsanlagen. Wie viele Schneekanonen und -lanzen in Salzburg zum Einsatz kommen, sei nicht erfasst, erklärt Viktoria Scheffer im Gespräch mit SALZBURG24. Sie ist Geschäftsführerin der Zauchenseer Liftgesellschaft und Obfrau der Salzburger Seilbahnen.

4.700 Hektar Piste im Bundesland

Ein Gefühl für die Dimension der Beschneiungsanlagen bekommt man aber durch zwei andere Zahlen: „Insgesamt gibt es in Salzburg 4.700 Hektar Piste, davon können rund 90 Prozent technisch beschneit werden.“ Das sind rund 3.356 Fußballfelder. Zum Vergleich: In ganz Österreich stehen 23.700 Hektar Pistenfläche zur Verfügung, davon können 70 Prozent mit Schnee aus der Maschine versorgt werden. Eine bis drei Kilowattstunden pro Kubikmeter braucht es dafür an Energie.

 

Millionen Euro für Beschneiung in Salzburg

Eine solche Versorgung kostet die Skigebiete jährlich Geld. Im Winter 2018/19 wurden österreichweit 600 Millionen Euro investiert, davon flossen 114 Millionen Euro in die Beschneiung. In Salzburg ist man ebenfalls längst im mehrstelligen Millionenbereich angekommen. Im heurigen Winter stehen 150 Millionen Euro zur Verfügung, ein Drittel geht in die technische Beschneiung.

Für die Schneeproduktion braucht es nicht viel: Wasser und Luft sowie kühle Temperaturen. Das Wasser wird in den Düsen der Schneemaschinen zu feinen Tröpfchen zerstäubt und ausgeschleudert. Im Flug gefrieren sie und landen als Schneekristalle auf dem Boden. Je kühler es draußen ist, je kälter das Wasser und desto geringer die Luftfeuchtigkeit, umso besser wird der Schnee.

120 Speicherteiche versorgen Skigebiete

Das Wasser sammeln die Skigebiete in riesigen Speicherteichen. Laut Seilbahn-Obfrau Viktoria Scheffer gibt es in Salzburg 120. „Sie fassen sechs Millionen Kubikmeter Wasser, das fast ausschließlich von der Schneeschmelze gewonnen wird. Zudem müssen sie bis Ende Juni gefüllt sein“, führt sie aus. Vorgeschrieben ist auch, wie viel Wasser jährlich für die Beschneiung verwendet werden darf. In Altenmarkt-Zauchensee (Pongau) sind das 700.000 Kubikmeter oder 700 Millionen Liter.

Aus einem Kubikmeter Wasser werden zwei Kubikmeter Schnee

Wie viel Geld pro Saison konkret für den Schnee aus der Maschine gebraucht wird, könne nicht genau beziffert werden. Allerdings kostet ein Kubikmeter Schnee zwischen drei und fünf Euro. Zudem liefert im Idealfall ein Kubikmeter Wasser zwei Kubikmeter Schnee. Legt man das auf das Skigebiet Altenmarkt-Zauchensee um, könnte man mit den gesamten 700.000 Kubikmetern Wasser 1,4 Millionen Kubikmeter Schnee produzieren. Bei Kosten von drei Euro pro Kubikmeter wäre das in der Theorie eine Investition von 4,2 Millionen Euro pro Saison.

Welcher Anteil davon durch die Skikarten finanziert wird, könne man laut Scheffer nur schätzen. „Der Preis hängt von der Größe und dem Umsatz des Skigebiets ab sowie dem Verlauf des Winters.“ Laut Wirtschaftskammer Österreich (WKO) setzt sich der PDF: Infografik_Skipass___Ticketpreis.pdf aus Lawinenschutz, Pistenrettung, Präparierung, Liftanlagen, Schneegarantie und Infrastruktur zusammen.

 

Kritik an Kunstschnee

Kritik an der künstlichen Schneeerzeugung kommt von Umweltorganisationen, auch Forscher stellen die Klimaneutralität immer wieder in Frage. Wiener Forscher haben etwa in einer Studie in Saalbach-Hinterglemm (Pinzgau) festgestellt, dass Kunstschnee weniger kühlt, als bisher angenommen (Details dazu findet ihr im Text weiter unten).

Skifahren ganz ohne Beschneiung? Das wird es künftig wohl nur mehr selten geben. „Die Beschneiung ist ein wichtiger Faktor für die Zukunft, Schnee ist im Winter einfach das wichtigste Gut“, ist sich Scheffer sicher.

(Quelle: SALZBURG24)

Kunstschnee kühlt weniger als gedacht

Schneekanone, Kunstschnee, Beschneiung, SB APA/BARBARA GINDL
(SYMBOLBILD)

Künstlich beschneite Skipisten reflektieren mehr Sonnenlicht als ausgeaperte Wiesen und kühlen damit im Frühling das lokale Klima. Der Effekt ist aber viel geringer als in einer früheren Studie angenommen und macht den Kunstschneebetrieb kaum klimaneutral, erklären Wiener Wissenschafter. Sie haben den Einfluss künstlicher Beschneiung auf den Strahlungshaushalt in Skiregionen untersucht.

Im Jahr 2017 haben Forscher der steirischen Forschungsgesellschaft Joanneum Research in einer Studie für Skigebiete in Tirol und der Steiermark errechnet, dass der klimakühlende Effekt durch die geringere Aufnahme von Strahlungsenergie bei künstlichem Schnee im Vergleich zu Wiesen die Emissionen der Kunstschneeerzeugung aufwiege.

Studie: Beschneiung klimaneutral

Die Beschneiung kann nicht nur die Skisaison verlängern, sondern verlängert auch die Zeit mit einer geschlossenen Schneedecke auf den Pistenflächen. Die steirischen Forscher arbeiteten damals jedoch mit "stark vereinfachten Methoden", so Wissenschafter des Instituts für Meteorologie und Klimatologie der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien.

Kühleffekt um das sechsfache überschätzt

Sie haben mit Experten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) ein viele Faktoren berücksichtigendes Strahlungsmodell für die Pisten in der Skiregion Saalbach-Hinterglemm (Pinzgau) erstellt. Es geht neben der Albedowirkung von Schnee und Wiese auch auf die genaue Landnutzung ein, berücksichtigt Abschattungseffekte, die Wirkung der Bäume entlang der Pisten, Mehrfachreflexionen an Gegenhängen und die natürliche Schneelage.

Schon allein das Einbeziehen der Bäume reduziert den "Strahlungsantrieb" um 16 bis 46 Prozent, so die Wissenschafter. "Im Frühling, wo der Effekt am relevantesten ist, wurde in der früheren Studie der Kühleffekt um das sechsfache überschätzt", erklärte Herbert Formayer von der Boku Wien im Gespräch mit der APA.

Kunstschnee-Bilanz nicht positiv

In der aktuellen Studie wurde der Albedo-Effekt zwar nicht gegen die CO2-Emissionen gegengerechnet, aber "wenn man ihn entsprechend reduziert, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die Bilanz nicht mehr positiv ist, wenn man das gegenrechnet", so der Wissenschafter, der die im Rahmen des Forschungsprogramms "StartClim" durchgeführte Studie leitet.

CO2 der Anreise miteinberechnet

Außerdem hätten die steirischen Forscher dem Albedo nur die CO2 Emissionen entgegengesetzt, die beim Skibetrieb direkt entstehen, was bereits bei der Veröffentlichung der Studie kritisiert wurde. "Eigentlich müsste man zum Beispiel die Emissionen aus dem Anreiseverkehr und ähnliches miteinrechnen", meint Formayer. Dies würde die Chancen auf einen insgesamt positiven Effekt der Beschneiung auf das Klima weiter drücken.

In dem von der Boku geleiteten Forschungsprogramm "StartClim" setzen sich seit 2003 österreichische Forscher aus unterschiedlichen Disziplinen mit dem Klimawandel und seinen Auswirkungen auseinander. Der jährliche "StartClim"-Bericht mit der Studie "SnowAlb - Effekte künstlicher Beschneiung auf den Strahlungshaushalt in der Skiregion Saalbach-Hinterglemm" wurde kürzlich veröffentlicht.

(APA)

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