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Wie eine Lawine gesprengt wird

Lawinensprengung APA/Dietmar Stiplovsek
Eine Schussvorrichtung für Sprengstoff wird in Lech am Arlberg nachgefüllt (Archivbild).

Die Schneemassen der letzten Tage sorgen in Salzburg für akute Lawinengefahr. Besonders bedrohlich sind Lawinen, die spontan und unkontrolliert abgehen. Um das so weit als möglich zu verhindern, werden in vielen Skigebieten, aber auch entlang von Straßen, Lawinen gesprengt. Was es dazu braucht und wie eine solche Sprengung abläuft, erklärt Sprengmeister Bernd Doppler.

Der Vorarlberger führt seit 40 Jahren Sprengungen durch und bildet auch regelmäßig Salzburger in der Lawinensprengung aus. In Salzburg hat es am Wochenende gleich mehrere Lawinensprenungen gegeben. Zum Einen wurde die Tauernautobahn (A10) am Sonntag für eine Stunde gesperrt, bei Flachau wurde gesprengt. Zum Anderen ist die Glemmtaler Landesstraße (L111) nur dank einer Lawinensprengung seit Sonntagnachmittag wieder befahrbar.

Temporäre Sicherung durch Sprengung

Doppler: "Grundsätzlich gibt es das künstliche Auslösen von Lawinen, weil wir nicht alle Berge mit Lawinensicherungen verbauen können. Das wäre viel zu teuer und aufwendig." Bei den Lawinensicherungen handelt es sich laut dem Sprengmeister um dauerhafte Sicherungen, während die Sprengung nur eine temporäre ist. Dabei entsteht innerhalb von wenigen Millisekunden ein enormer Luftdruck, der die Schneemassen wegschiebt.

Die Sprengpunkte werden von der Lawinenwarnkommission festgelegt. "Man sprengt in einem Gebiet die Lawine ab, damit in einem anderen Gebiet nichts passieren kann", informiert Doppler im Gespräch mit SALZBURG24.

Sprengung der Lawine per Knopfdruck

Zum Sprengen einer Lawine gibt es mehrere Möglichkeiten: Ein automatisches System, dass per Funk ausgelöst wird, die Sprengung vom Helikopter aus oder jene durch Sprengtrupps, die direkt auf den Berg hinauf fahren. Das automatische System sei bei schlechtem Wetter ideal, den Helikopter bezeichnet Doppler als "Schönwettersystem". Die Vorrichtungen für die automatischen Sprengungen sind fix verbaut und werden bei gutem Wetter mit Sprengstoff gefüllt. Ist eine Lawinensprengung notwendig, lösen die Sprengmeister per Knopfdruck aus und der Sprengstoff wird in die Schneemassen geschossen. "Das kann man sich vorstellen wie bei einem Feuerwerk, das ebenso aus Rohren abgeschossen wird", veranschaulicht Doppler.

Keine Fehler im Heli erlaubt

Das automatische System ist für die Bediener das sicherste und auch schnellste. Gefährlicher ist die Sprengung vom Helikopter aus: Hier wird der Sprengstoff noch im Hubschrauber elektronisch gezündet und dann in den Hang abgeworfen. Der Vorteil: Die Wirkung ist unmittelbar zu sehen, Fehlzündungen können ausgeglichen werden. "Im Helikopter darf man sich keine Fehler erlauben. Man kann sich vorstellen was passiert, wenn ein Sprengstoff noch im Hubschrauber detoniert", warnt Doppler.

Sprengungen im freien Gelände

In den Skigebieten versuchen die Sprengmeister spätestens bei einer Schneehöhe von 80 Zentimeter zu sprengen, man dürfe "die Lawine nicht zu hoch werden lassen, sonst entwickelt sie eine enorme Wucht." Gesprengt wird dort nicht nur am Rand der Piste. So gut es geht wird auch im freien Gelände abgesichert, weil "man weiß, dass dort immer wieder Skifahrer unterwegs sind", schildert der Vorarlberger.

Begrenzter Vorrat an Sprengsätzen

Nicht nur Pistenhänge, auch an Berghängen neben Straßen gibt es an neuralgischen Punkten fix verbaute Systeme zur automatischen Lawinensprengung. Zehn bis 20 Pakete Sprengstoff haben in so einer Vorrichtung Platz. Drei bis fünf Tage kann damit bei dichtestem Schnee im Bedarfsfall gesprengt werden, anschließend werde es schwierig. "Dann muss man auf ein Schönwetterfenster warten, um die Sprengtrupps nicht zu gefährden", weiß der Experte.

Das wird es in Salzburg laut aktuellem Wetterbericht nicht so schnell geben. Bis zu 80 Zentimeter Schnee erwarten Metereologen bis Donnerstag. Einige Straßen sind im Bundesland weiterhin gesperrt. Wann dort kontrollierte Lawinensprengungen möglich sind, darüber entscheidet die Lawinenwarnkommission.

(Quelle: SALZBURG24)

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