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Lebenshilfe und Pro mente Reha streiken

Hunderte in Salzburg betroffen

Die Fronten bei den Lohnverhandlungen für die Pflege- und Sozialbediensteten in privaten Einrichtungen sind verhärtet. Zwei Betriebe im Land Salzburg schließen sich am Dienstag den bundesweiten Warnstreiks an. Die Forderung an die Arbeitgeber ist eindeutig: Arbeit am Menschen soll mindestens gleich viel wert sein, wie die Arbeit an Maschinen.

Nach der vierten erfolglosen Verhandlungsrunde in der österreichischen Sozialwirtschaft starteten am Morgen bundesweit die ersten Warnstreiks. Im Land Salzburg waren knapp 20 Werkstätten der Lebenshilfe sowie Teile der Verwaltung betroffen. Ab 14 Uhr schloss sich auch Pro mente Reha an.

Gepostet von GPA-djp Salzburg am Dienstag, 12. Februar 2019

Erstmals ganztägiger Streik

"Hunderte Menschen können deshalb von 8 Uhr bis 16 Uhr nicht betreut werden", erklärt Gerald Forcher von der Gewerkschaft der Privatangestellten Dienstagfrüh im Gespräch mit SALZBURG24. Allein bei der Lebenshilfe legten mehr als 300 Angestellte die Arbeit nieder. Laut Forcher wird in Salzburg erstmals ein Betrieb im Gesundheits- und Sozialbereich den ganzen Tag lang bestreikt. Ab Donnerstagmittag finden zudem Betriebsversammlungen während der Arbeitszeit bei der Volkshilfe Salzburg statt.

Was das für Betroffene bedeutet

Hunderte Menschen konnten am Dienstag nicht von der Lebenshilfe betreut werden. Diejenigen Betroffenen, die in Häusern der Lebenshilfe untergebracht sind, blieb der Zugang in die Werkstätten am Dienstag verwehrt. Und Menschen, die daheim wohnen und von ihren Angehörigen betreut werden, mussten zuhause bleiben. In den Wohneinrichtungen wurde ein Notbetrieb eingerichtet, damit die notwendige Pflege und Betreuung in der Zeit des Warnstreiks aufrecht bleibt.

Die Akzeptanz und Solidarität der Angehörigen gegenüber den Warnstreiks sei aber hoch, sagt Forcher. Schließlich könne es nicht sein, dass immer neue Tätigkeiten und größere Verantwortung hinzukommen, sich das aber nicht in der Bezahlung niederschlägt. Die schwere hohe psychische und physische Belastung in der Heimpflege, bei der Betreuung von Kranken, Beeinträchtigten, Kindern und Jugendlichen sei extrem zehrend.

Das sind die Forderungen

Konkret fordern Betriebsräte und Gewerkschaften eine Lohnerhöhung von mindestens drei Prozent für alle Beschäftigen im Gesundheits- und Sozialbereich. Außerdem will man über eine generelle Arbeitszeitverkürzung auf 35 Wochenstunden diskutieren sowie Gehälter in Berufen des Gesundheits- und Krankenpflegegesetz anpassen. "Arbeit mit Menschen soll mindestens gleich viel wert sein, wie die Arbeit an Maschinen", appelliert Forcher und verweist auf verweist Forcher auf den üppigen Metall-KV, die Verhandlungen bei den ÖBB oder Brauereien weiter, "Zudem soll die sechste Urlaubswoche für alle erreichbar werden." Derzeit sei es so, dass man 25 Jahre lang beim gleichen Dienstgeber sein muss, um Anspruch auf die Extra-Woche erheben zu können.

Arbeitnehmer verweisen auf Finanzierung

In den Verhandlungen mit den Arbeitgeber liegt man noch weit auseinander. Besonders bei der Arbeitszeitverkürzung scheiden sich die Geister, denn eine solche Reduzierung sei laut Arbeitnehmervertretung finanziell nicht zu stemmen. Entscheidend für die Finanzierung der privaten Sozialdienste seien nämlich die öffentlichen Fördertöpfe vom Bund und im Land Salzburg.

Weitere Warnstreiks möglich

Die privaten Sozialdienste seien bei ihrer Finanzierung von öffentlichen Fördertöpfen vom Bund und vor allem vom Land Salzburg abhängig. Eine Arbeitszeitverkürzung erhöhe die Kosten deutlich über das finanzierbare Maß hinaus, so die Arbeitgeber. Dennoch hofft man seitens der Gewerkschaft auf einen positiven Verhandlungsausgang am kommenden Montag. Ansonsten sei man gezwungen, die Maßnahmen weiter auszubauen, was aber niemand wolle. "Der Wirtschaft geht es gut, das Geld ist da", so Forcher.

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