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Gefahr am Berg

Bergrettung alarmiert über waghalsige Tourengeher

Salzburgs Landesleiter: "Anfänger zu blauäugig"

Symb_Skitour Sym_Tourengeher pixabay
Auch in Salzburg hat sich das Skitourengehen zu einer Trendsportart entwickelt. Die Bergrettung zeigt sich schockiert über die Leichtsinnigkeit, vor allem bei Anfängern. (SYMBOLBILD)

Extrem waghalsige Skitourengeher sorgen gerade während der angespannten Lawinensituation im Bundesland für Gefahrensituationen. Wieso viele sich so leichtsinnig verhalten und wie ihr Notsituationen am Berg schon im Vorhinein vorbeugen könnt, schildert Balthasar Laireiter, Landesleiter der Bergrettung Salzburg, im Gespräch mit SALZBURG24.

Ein Skitourengeher versucht verzweifelt, den Hang zu erklimmen. So sehr er sich aber auch bemüht, er kommt einfach nicht von der Stelle und rutscht immer wieder zurück. Videos wie dieses kursieren derzeit viele im Netz. Gerade während der Pandemie habe sich das Skitourengehen zu einer Trendsportart entwickelt, viele Wintersportler seien zum Beispiel aufgrund von Corona-bedingten Beschränkungen an Skiliften umgestiegen, erklärt Balthasar Laireiter, Landesleiter der Salzburger Bergrettung.

Tourenplanung wird vergessen

Bei vielen Unerfahrenen sei aber nicht das falsche Equipment das große Problem: „Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass die Leute in den meisten Fällen zwar super ausgerüstet sind, aber sie vergessen häufig die Grundlagen, wie etwa eine ordentliche Tourenplanung. Wenn man sie dann anspricht und fragt, ob sie wissen, wo sie sich denn gerade befinden, nennen sie manchmal einen ganz anderen Berg.“

Top-Equipment, falsche Bedienung

Bei den meisten trete erst ein Aha-Effekt ein, wenn sie darauf hingewiesen werden, dass eine Rettung mit ungenauen Ortsangaben im Ernstfall fast unmöglich ist. Ein weiteres Problem sei, dass Unerfahrene oft nicht richtig mit der Ausrüstung umgehen können. Aufgrund von Corona seien wichtige Übungen, bei denen etwa der Umgang mit dem LVS-Gerät (Lawinenverschüttetensuchgerät) erklärt wird, ausgefallen: „Es reicht einfach nicht, das Gerät nur dabei zu haben, sondern man muss auch wissen, wie man es richtig einsetzt.“

"Berge human"

In der letzten Zeit werde die Bergrettung so gut wie täglich zu Lawineneinsätzen gerufen: „Das sind heuer unvergleichlich mehr Alarmierungen, ich würde sogar sagen, über 100 Prozent mehr als sonst.“ Angesichts der Anzahl an Einsätzen habe man dennoch immer wieder Glück: „Der Berg ist unendlich human. Es passiert im Verhältnis noch relativ wenig, wenn man sich ansieht, über welche lawinösen Hänge Leute teilweise aufsteigen. Da liegen die Lawinenreste schon am Wegrand. Außerdem kommt es immer wieder vor, dass Kolonnen ohne Abstand abfahren, was für die Schneedecke eine große Belastung bedeutet.“

 

Unerfahrene oft zu leichtsinnig

Laireiter ist der Meinung, dass viele einfach zu blauäugig seien und sich nicht vorsätzlich in riskante Situationen begeben: „Da gilt das Motto, wo andere gehen, gehe ich nach, man überlegt einfach nicht. Aber dieses ‚Nachgehen‘ ist gefährlich, denn man kann sich nie auf die Planung der Anderen verlassen.“

Die Bergrettung könne nur immer wieder appellieren, das Bewusstsein für Sicherheit am Berg zu stärken. „Wenn zum Beispiel Einzelpersonen unterwegs sind und ein medizinisches Problem auftritt, das ein Weiterkommen verhindert, dann könnten sich die wenigsten über Nacht am Berg vor der Eiseskälte und dem Wetter schützen“, befürchtet Laireiter.

So können Tourengeher Gefahren reduzieren

  • Genaue Planung der Tour
  • Steilheit des Geländes abschätzen
  • Gefahrenstellen ausmachen und Ausweichmöglichkeiten finden
  • Lawinenlagebericht checken
  • An dem schwächsten Kameraden orientieren
  • Passende Ausrüstung mitbringen (LVS-Gerät, Schaufel, Sonden, Erste-Hilfe-Ausrüstung, Biwak)
  • Handy vorher vollständig aufladen
  • Familie/Bekannte darüber informieren, wo man genau unterwegs ist

Diese Tipps sollte jeder, der eine Skitour plant, trotz aller Euphorie, sich in der Natur zu bewegen, berücksichtigen, sagt Laireiter abschließend. Denn mit der richtigen Vorbereitung können schon viele gefährliche Situationen am Berg verhindert werden.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 07.03.2021 um 09:14 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/leichtsinnige-tourengeher-in-salzburgs-bergen-alarmieren-bergrettung-99191872

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