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Regenbogenzebrastreifen und Co

Zu viel Getue um die LGBTQIA-Community?

Salzburg feiert heuer ganze Pride-Week

CSD Salzburg 2021 FOTO FLAUSEN
Heuer soll in Salzburg eine ganze Pride-Week mit dem Motto "Be Visible, Schatzi" gefeiert werden. Bilder von der Parade 2021. (ARCHIVBILD)

„Warum muss man das so zur Schau stellen?“, „Das ist zu viel Getue, um so eine kleine Gruppe.“, „Die sind ja eh schon gleichgestellt, wozu solche Aktionen?“. So oder so ähnlich sehen die Kommentarspalten unter den meisten Beiträgen zu Pride-Aktionen aus. Ist es auch nur bunte Farbe auf einem Zebrastreifen, stören sich viele an der Bedeutung dessen. Aber wird um die LGBTQIA-Community wirklich zu viel Wind gemacht oder sind wir in puncto Toleranz gar nicht so weit, wie wir denken?

Regenbogenzebrastreifen, bunte Flaggen auf vielen Gebäuden und heuer sogar eine ganze Pride-Week mit knapp 30 unterschiedlichen Events von 29. August bis 4. September. Die queere Community rückt in Salzburg immer weiter aus der Unsichtbarkeit heraus. Unter diesem Motto steht auch die heurige Pride-Week „Be Visible, Schatzi“. Während das viele im Sinne von Vielfältigkeit und Gleichstellung freut, scheint es, als würden sich mindestens genauso viele daran stoßen.

Regenbogen-Parade Salzburg 2020, Christopher Street Day FMT-Pictures/KJ
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LGBTQIA-Community im Alltag unsichtbar

„Das Bild, das die Allgemeinheit von der queeren Community hat, ist eher schrill, laut und bunt“, stimmt auch die Geschäftsführerin der Homosexuellen Initiative (HOSI) Salzburg, Conny Felice, im SALZBURG24-Gespräch am Dienstag zu. Doch dieses Bild will sie in Zukunft etwas zurechtrücken, wie sie sagt. „Dass jede:r von uns abseits von Paraden und Events ganz normal seinen Alltag bestreitet, vergessen viele.“

 

Normales Leben 358 Tage im Jahr

Diese Wahrnehmung sei nicht per se schlecht, denn schrill bringe mehr Aufmerksamkeit und das sei auf jeden Fall wichtig für die LGBTQIA-Community. „Genauso stößt schrill aber auf Ablehnung und es gibt bestimmt genug queere Personen, die sich davon auch nicht vertreten fühlen“, erklärt Felice. „Immerhin leben wir alle an mindestens 358 Tagen (ein Jahr abzüglich Pride-Week, Anm. der Redaktion) unser ganz normales alltägliches Leben, arbeiten in ganz normalen Jobs. Manche von uns möchten aber auch mal ihre bunte und schrille Seite zeigen.“

HOSI Salzburg will weg von „bunt und schrill“

Dass aber genau diese Seite zum kollektiven Bild von schwulen, lesbischen, bisexuellen, transgender und queeren Personen geworden ist, gehe am Ziel „wohl etwas vorbei“, stimmt die Leiterin der HOSI zu. Die HOSI als Vertretung der queeren Community müsse sich „hin zur Gesellschaft öffnen“. „Wir möchten für jede:n eine offene Tür haben, aber dieses schrille Bild hindert bestimmt viele daran, zu uns zu kommen“, so Felice.

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Pride-Events: Zeichen für alle

Denn Pride-Events seien nicht nur ein Zeichen für die LGBTQIA-Community, sondern für alle, betont auch Landesrätin Andrea Klambauer (NEOS). „Das sollte uns daran erinnern, dass wir alle unterschiedlich und besonders sind und es verdient haben, so auch akzeptiert zu werden“, sagt sie im Rahmen einer Pressekonferenz zur queeren Community in Stadt und Land Salzburg.

Letztlich seien Pride-Aktionen und so auch die diesjährige Pride-Week eine „Reaktion auf gesellschaftliche Umstände“, erklärt Klaus Horvat-Unterdorfer. Er ist Organisator des Christopher Street Day Salzburg, aus dem heuer die Pride-Week wird. „Für viele sind solche Veranstaltungen der einzige sichere Raum, wo sie keine Angst haben müssen, Hand in Hand mit der Person zu gehen, die sie lieben.“

Baustellen in Sachen Gleichstellung

Und nach wie vor gebe es in Sachen Gleichstellung genug zu tun. „Wir kämpfen darum, dass Konversionstherapien endlich flächendeckend verboten werden, außerdem wollen wir, dass Themen wie Homosexualität oder Transidentität auch in Schulen behandelt werden und, dass sich niemand – ob privat oder am Arbeitsplatz – verstecken muss“, zählt Horvat-Unterndorfer einige der Baustellen auf.

HOSI zeigt sich offener und moderner

Durch bunte Aktionen mit Aufmerksamkeits-Faktor erreiche man bestimmt viele, aber eben nicht alle. „Unser Ziel ist es, in der Mitte der Gesellschaft anzukommen“, meint Felice dazu abschließend. Den ersten Schritt dahin setzt die HOSI mit dem Umzug in ein neues, moderneres und etwas „schlichteres“ Vereinslokal. „Es sollen sich alle bei uns wohl und willkommen fühlen. Dafür müssen wir weg von diesem nischigen Auftreten.“ Wer aber bunt und laut sein will, hat bei der Pride-Week Ende August bestimmt Gelegenheit dazu.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 04.10.2022 um 06:05 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/lgbtqia-zu-viel-getue-um-die-queere-community-125420002

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